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Familie Knies gibt ihre Fleischerei in Kleinensee wegen Personalmangel auf

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Von: Jan-Christoph Eisenberg

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Die Auslagen leeren sich: (von links) Marga, Reinhold und Michael Knies öffnen ihre Fleischerei in Kleinensee am Samstag letztmals für die Kunden.
Die Auslagen leeren sich: (von links) Marga, Reinhold und Michael Knies öffnen ihre Fleischerei in Kleinensee am Samstag letztmals für die Kunden. © Jan-Christoph Eisenberg

Zahlreiche Stammkunden haben sich in den vergangenen Tagen noch einen letzten Vorrat an „Stracken“, „Runden“ und weiteren Wurstspezialitäten der Fleischerei Knies gesichert.

Kleinensee - Entsprechend übersichtlich sind die Bestände in Kühlhaus und Reifekammer des Familienbetriebs geworden, je näher die Schließung rückt. Am kommenden Samstag öffnen Marga, Reinhold und Michael Knies ihr Geschäft im Heringer Stadtteil Kleinensee zum letzten Mal. Leicht gefallen sei ihnen diese Entscheidung nicht, betont der 76-jährige Seniorchef Reinhold Knies. Denn bislang drehte sich für die Familie alles um die Herstellung von Fleisch- und Wurstwaren.

An Nachfrage habe es dabei nicht gemangelt – im Gegenteil. 1968 hatte sein Vater Georg Knies die Fleischerei unter dem Dach der örtlichen Gastwirtschaft eröffnet, die zu diesem Zeitpunkt schon seit mehreren Generationen in Familienhand war. 1975 übernahmen Reinhold und Marga Knies den Betrieb, der mit der Grenzöffnung 1989 auch zahlreiche Kunden aus den Nachbarorten in Thüringen hinzugewann.

Sohn Michael stieg 1992 ins Unternehmen ein. Die Familie eröffnete 1995 hinter der Gastwirtschaft, die sie noch bis vor einigen Jahren parallel zur Metzgerei führte, einen neuen Laden, investierte in Ausstattung und EU-Zertifizierung des Betriebes, um weiterhin Tiere von regionalen Landwirten selbst schlachten und verarbeiten zu dürfen.

Neben dem Hauptgeschäft in Kleinensee gab es eine Filiale in Obersuhl, zusätzlich wurden die Fleischtheken von fünf Einkaufsmärkten sowie Kunden in den umliegenden Dörfern direkt an der Haustür beliefert. Per Paket traten die Erzeugnisse aus dem Heringer Stadtteil aber auch die Reise zu Wurstliebhabern in ganz Deutschland an.

Rund 50 Lehrlinge wurden während der vergangenen Jahrzehnte in Laden und Metzgerei ausgebildet. Zuletzt sei es allerdings immer schwieriger geworden noch Mitarbeiter für Produktion und Verkauf zu finden. Für die Familie sei die Arbeit durch diese Entwicklung kaum noch zu schultern. Wegen des Fachkräftemangels und weil in absehbarer Zeit erneute Investitionen angestanden hätten, sei letztlich die Entscheidung gefallen, den Betrieb aufzugeben.

Mit Blick auf mehrere Karten und Briefe mit herzlichen Worten und guten Wünschen, die sie in den vergangenen Tagen erreichten, sowie teils rührenden Szenen im Verkaufsraum komme schon ein wenig Wehmut auf, räumt Marga Knies ein. Nachdem jahrzehntelang stets die Fleischerei im Mittelpunkt stand, freuen die 69-Jährige und ihr Mann sich allerdings auch auf mehr Zeit für Kinder, Enkel und das Orgelspiel – das Hobby von Reinhold Knies, der seit mittlerweile 65 Jahren die Gottesdienste in der Kleinenseer Kirche musikalisch begleitet. Sohn Michael will sich beruflich neu orientieren. Zunächst wird die Familie aber noch eine Weile damit beschäftigt sein, den Betrieb abzuwickeln. Für Vertrauen, Lob und Anerkennung, die ihnen in all den Jahren entgegengebracht wurden, seien sie ebenso dankbar wie für die langjährige und gute Zusammenarbeit mit den Mitarbeitern, betonen Marga, Reinhold und Michael Knies.

Viele ihrer Stammkunden werden die Wurstspezialitäten aus Kleinensee vermissen – spätestens wenn der letzte Vorrat an „Stracken“ und „Runden“ aufgebraucht ist.

Von Jan-Christoph Eisenberg

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