Europa im Mittelpunkt

Gäste aus französischer Partnergemeinde Salies du Salat besuchen Philippsthal

Zeichen der Wertschätzung: Bürgermeister Ralf Orth (vorne rechts) nimmt von Alain Millet das Gastgeschenk der Besuchergruppe entgegen.

Philippsthal. Über das Leben während der Zeit der deutschen Teilung  sowie über die heimische Industrie informierte sich eine Besuchergruppe aus dem französischen Salies du Salat.

„Heute kaum noch vorstellbar“, entfährt einem der Einheimischen, als Bilder von Wachtürmen und Metallgitterzaun an der steinernen Werrabrücke über den Bildschirm flimmern. Was viele Bewohner aus dem Werratal noch aus eigenem Erleben kennen, erscheint für die Besucher aus Südfrankreich erst recht befremdlich.

Überblick: Elisabeth Herrmann (zweite von links) erläutert der Besuchergruppe aus der südfranzösischen Partnergemeinde Salies du Salat im Grenzmuseum das Ausmaß der Sperranlagen zwischen Philippsthal und Vacha. Ortsvorsteherin Gudrun Sachse (achte von links) übersetzte. Fotos: Jan-Christoph Eisenberg

Eine Besuchergruppe aus der Partnergemeinde Salies du Salat ist zum sechstägigen Besuch ins Werratal gereist – und erfährt bei der Besichtigung des Philippsthaler Grenzmuseums sowie beim anschließenden Spaziergang über die Brücke der Einheit, welche Einschnitte die innerdeutsche Teilung für die Menschen in der Region mit sich brachte. Seit dem Jahr 1974 besteht die Partnerschaft der Kaligemeinde mit dem 1400 Kilometer entfernten Thermalbad im Département Haute-Garonne. Erstmals wird der Besuch nun von der Europäischen Union gefördert. „Europa steht deshalb im Mittelpunkt“, betont Ortsvorsteherin Gudrun Sachse – nicht zum ersten und auch nicht zum letzten Mal während des Aufenthalts. Die pensionierte Französischlehrerin koordiniert gemeinsam mit Ehemann Günter auf deutscher Seite die Partnerschafts-Aktivitäten und fungiert für die Besucher zugleich als Übersetzerin.

Aus Vergangenheit lernen

Per Flugzeug und Mietwagen oder mit dem eigenen Auto haben die rund 25 Franzosen die Strecke ins Werratal zurückgelegt und sind dort überwiegend im Hotel, aber auch in Gastfamilien untergekommen. Unter dem Motto „Aus der Vergangenheit lernen – die Zukunft Europas (mit)gestalten“ haben die Gastgeber ein umfangreiches Programm mit Einblicken in die heimische Kaliindustrie und Metallverarbeitung, Ortsrallye sowie einer Tagesfahrt nach Weimar und in die KZ-Gedenkstätte Buchenwald organisiert. Ganz im Sinne des Austauschs nehmen an den Aktivitäten auch Philippsthaler teil.

Gerade in Zeiten eines erstarkenden Extremismus seien solche Kontakte auf persönlicher Ebene wichtig, betont der stellvertretende Bürgermeister Alain Millet, als er im Schlosspark das Gastgeschenk, eine beleuchtete Skulptur eines lokalen Künstlers, an Rathauschef Ralf Orth überreicht. In der Küche der Kreuzberghalle beweisen Franck Chevallier und Markus Koch derweil, dass die Völkerverständigung auch am Herd gelingt. Gemeinsam bereiten sie Cassoulet zu – französischen Bohneneintopf mit Entenschenkeln.

Gemeinsam in der Küche: Franck Chevallier (links) und Markus Koch bereiten gemeinsam die Entenschenkel für den Bohneneintopf Cassoulet zu.

„In Salies ist der Generationswechsel gelungen, die Jüngeren wollen die Partnerschaft fortführen“, freut sich Gudrun Sachse als Gäste und Einheimische später gut gesättigt bei französischem Rotwein und deutschem Bier im Foyer zusammensitzen. Das weckt die Hoffnung der Ortsvorsteherin, dass sich auch in der Werragemeinde Interessenten für einen Gegenbesuch im kommenden Jahr finden. In Sachen Gastfreundschaft jedenfalls – betonen die Besucher aus Südfrankreich – hätten die Philippsthaler die Messlatte dafür extrem hoch gelegt.

Von Jan-Christoph Eisenberg

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