Fragen und Antworten zum geplanten Windpark zwischen Heringen und Philippsthal

Drei neue Rotoren im Wald bei Lengers

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So könnte es aussehen: Die Visualisierung der Investoren zeigt die drei geplanten und die drei vorhandenen Windräder bei Lengers vom Nachbarort Wölfershausen aus betrachtet.

Lengers. Die Pläne für einen Windpark im Wald zwischen Heringen und Philippsthal stellten Steffen Föllner und Pascal Zimmer von der Firma Energiekontor aus Bremen am Mittwochabend im Gemeinschaftshaus Lengers vor. Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Projekt.

Was hat die Firma Energiekontor vor? 

Das Unternehmen, das auch den bestehenden Windpark Lengers betreibt, möchte für knapp 14 Millionen Euro drei weitere Windräder mit einer Nabenhöhe von 139 Metern und einer Gesamthöhe von 199 Metern errichten. Zum Vergleich: Die drei bestehenden Windräder sind 130 Meter hoch. Ursprünglich waren sechs neue Anlagen geplant, wegen Fledermaus- und Rotmilanvorkommen hatte sich im Zuge der Regionalplanung aber die Vorrangfläche verkleinert. Ob die Firma den Windpark selbst betreibt oder an einen Investor verkauft, stehe noch nicht fest. Die Betriebsführung bleibe auf jeden Fall in der Hand des Energiekontors, betonten die Unternehmensvertreter.

Wo sollen die Windräder entstehen? 

Im Staatswald oberhalb des Lengerser Windparks am Eichberg, unmittelbar an der Landesgrenze zu Thüringen. Eine Anlage stünde auf Heringer Stadtgebiet, die beiden anderen in der Gemarkung der Nachbargemeinde Philippsthal.

Wie sieht der Zeitplan für den Bau aus?

Derzeit nehmen die Investoren eigene Windmessungen vor. Im Dezember soll der Genehmigungsantrag beim Regierungspräsidium in Kassel eingereicht werden. Im mindestens sieben Monate dauernden Genehmigungsverfahren könnten auch Privatleute Stellungnahmen abgeben, erklärte Zimmer. Sollte der Windpark genehmigt werden, muss sich die Betreiberfirma 2017 an einer Ausschreibung zur Einspeisevergütung beteiligen. Möglicher Baubeginn wäre Ende 2017, Inbetriebnahme im Sommer 2018.

Wie sollen die Teile zur Baustelle transportiert werden? 

Die Großkomponenten wie Rotorblätter und Maschinenhäuser sollen über die Autobahnabfahrt Gerstungen angeliefert und ab Berka weitgehend über Feldwege in Thüringen über Abteroda und an Vitzeroda vorbei zur Baustelle transportiert werden. Der übrige Verkehr, etwa die Beton- und Schottertransporte, soll über den Fülleroder Weg zwischen Heringen und Leimbach abgewickelt werden.

Wieviel Fläche wird benötigt? 

Für Fundament, Kranaufstellfläche und Einfahrtrichter werden laut Unternehmen pro Windrad dauerhaft 0,3 Hektar Fläche benötigt, als Montagefläche und für den Kranausleger vorübergehend 4000 Quadratmeter. Insgesamt also 0,7 Hektar pro Anlage, ein möglicher Ausbau der Wege nicht mitgerechnet.

Wo soll der Strom ins Netz eingespeist werden? 

Die Kabeltrasse will das Unternehmen in südlicher Richtung durch den Wald verlegen. Sie soll im Kaisergraben in der Philippsthaler Ortslage münden und dort ans Netz angeschlossen werden.

Wie sieht es mit der Belastung der Bewohner aus? 

Neben dem Eingriff in Natur und Landschaftsbild verursachen Windräder Schallimissionen und Schattenwurf. Nach einem im Auftrag der Investoren erstellten Gutachten liegt die Schallbelastung in Lengers als nächstgelegenem Ort maximal bei 35 Dezibel und damit unter dem zulässigen Grenzwert. Auch das Schattengutachten ergebe keine Zusatzbelastung für die Ortslage. Da die Vorbelastung durch den alten Windpark mit einbezogen werden müsse, sollen auch die neuen Anlagen mit einer Abschalt-Automatik ausgerüstet werden, erläuterte Pascal Zimmer.

Profitieren die betroffenen Kommunen finanziell? 

Nach Aussage von Steffen Föllner zahlt Energiekontor jährlich einen mittleren fünfstelligen Betrag pro Jahr an Hessen Forst. Nach den neuesten Regelungen werden Kommunen mit 20 Prozent an diesen Einnahmen beteiligt. Außerdem wird Gewerbesteuer fällig – allerdings erst, wenn die Anlagen abgeschrieben sind. Laut Föllner nach etwa acht Jahren, Kritiker gehen von einem längeren Zeitraum aus. Bei der Frage nach einer möglichen Unterstützung der Orte, etwa durch Spenden an die Verschönerungsvereine, blieb Föllner vage.

Was wird aus dem alten Windpark?

Beim Bau von sechs neuen Anlagen sollten die alten Windräder eigentlich abgebaut werden. Da die Anzahl der Anlagen jedoch reduziert wurde, will Energiekontor die alten Windräder weiter am Netz lassen – maximal bis die Genehmigung im Jahr 2022 ausläuft. Danach dürfen an dieser Stelle aber keine neuen Windkraftanlagen gebaut werden, da der alte Windpark nicht auf einer Vorrangfläche liegt.

Wie reagierten die Lengerser auf die Pläne?

Überwiegend besonnen, aber kritisch. Die Bewohner fürchten vor allem massiven Baustellenverkehr und eine Schallbelastung durch die neuen Räder. Dass im Ort nichts zu hören sei, sei ihnen schon vor dem Bau des alten Windparks versprochen.

Eine weitere Info-Veranstaltung zum Windpark findet am am Montag, 21. November, ab 19 Uhr in der Orangerie in Philippsthal statt.

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