US-Wahl

Thomas Heupel aus Niederaula lebt in Pittsburgh, Pennsylvania

Thomas Heupel und Tochter Amalia aus Niederaula leben in Pittsburgh, PA. US-Wahl
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Thomas Heupel und Tochter Amalia aus Niederaula leben in Pittsburgh, PA.

Die alte Stahlarbeiterstadt Pittsburgh im stark von deutschen Einwanderern geprägten Ostküstenstaat Pennsylvania ist die neue Heimat von Thomas Heupel aus Niederaula. Von dort beobachtet er aufmerksam die US-Politik.

Niederaula/Pittsburgh - Mit Thomas Heupel sprach Kai A. Struthoff über seine Erfahrungen mit der aktuellen politischen Situation in den USA.

Herr Heupel, wir hören, dass die USA wegen der Wahl tief gespalten sind. Wie erleben Sie das in Ihrem Umfeld?

In meinem privaten Umfeld hoffen alle auf einen Wechsel der Regierung, daher gibt es keine Spannungen bei politischen Diskussionen. Unter Kollegen vermeiden wir politische Diskussionen, weil das nicht immer förderlich für das Betriebsklima ist.

Ist die Wahl für die normalen Amerikaner im Alltag ein Thema? Die große Politik ist dort ja normalerweise nicht so präsent.

Bei dieser Wahl ist alles anders als sonst. Viele meiden zwar das Thema im Gespräch mit Nachbarn, Arbeitskollegen und anderen Menschen, deren Ansichten sie nicht einschätzen können, aber der Ausgang der Wahl betrifft hier jeden und die Diskussionen finden zwischen Gleichgesinnten statt. Nach Außen wird die politische Zugehörigkeit meistens durch sogenannte Banner oder Flaggen, die im Garten oder am Haus hängen, gezeigt. Trump-Baseball-Mützen, Biden-T-Shirts oder Aufkleber am Auto mit dem jeweiligen Bewerber sieht man viel mehr als im Vergleich zu den Wahlen vor vier Jahren. Fährt man durch Stadt und Land ist der Gegensatz extrem. Zum Teil überdimensionale Wahlplakate von Trump-Pence auf Farmen und Fabrikanlagen im Land und Plakate von Biden-Harris in der Stadt.

Was schätzen Sie an Pittsburgh?

Die Stadt ist reich an Kultur und Geschichte und die Lebenshaltungskosten sind relativ gering. Übrigens gibt es ungefähr 130 deutsche Firmen in und um Pittsburgh. Unser Dentallabor ist Mitglied in der hiesigen German Chamber of Commerce.

Wie erleben Sie die Lage zwischen den einzelnen Bevölkerungsgruppen?

Vor dem Beginn der „Black-Lives-Matter-Bewegung“ gab es auch hin und wieder Proteste gegen Polizeigewalt. Insgesamt war die Situation aber weitgehend entspannt. Heute fühlt man sich als Weißer nicht mehr so sicher wie früher. Black-Lives-Matter ist teilweise auch das Resultat der wirtschaftlichen Benachteiligung. Viele Schwarze sind arm, haben eine schlechtere Schulausbildung, keine Krankenversicherung und leben in den inner Cities.

Was muss geschehen, um eine Aussöhnung herzustellen?

Es ist offensichtlich, dass Trump auf die Stimmen von rechten Extremisten zur Wiederwahl setzt, die natürlich auch gegen Schwarze eingestellt sind, und oft in die Proteste als Provokateure verwickelt sind. Insgesamt handelt es sich um ein historisches Problem, das lange Zeit hatte, sich zu entwickeln, von der derzeitigen Regierung aber verkannt wird. Mit einem neuen Präsidenten, der das Land wieder einigermaßen vereinen könnte, wäre das zumindest ein Anfang, um die Situation zu entspannen.

Wie erleben Sie den Umgang mit Corona? Sind die Amerikaner tatsächlich so sorglos, wie wir es bei uns im Fernsehen sehen?

Die USA sind das „Land of the Free“ und das prägt auch in Corona-Zeiten das Alltagsleben. Im Vergleich zum obrigkeitsgläubigen Deutschland, sahen viele Amerikaner durch die Einführung einer Maskenpflicht in erster Linie eine Einschränkung ihrer bürgerlichen Freiheiten. Dass es eigentlich um die eigene Gesundheit geht, haben einige immer noch nicht begriffen. Im Allgemeinen wird die Pandemie aber schon sehr ernst genommen. Nur gibt Trump durch sein Auftreten ohne Maske einfach ein schlechtes Vorbild in der anhaltenden Pandemie ab. Wenn der Präsident keine Maske trägt und schon eine Woche nach Beginn seiner Corona-Erkrankung auf Wahlkampf geht, kann das Ganze nicht so schlimm sein. So sehen das leider nicht wenige. Persönlich habe ich diese Ignoranz, wie sie die Anhänger Trumps zeigen, zum Glück noch nicht erlebt. In Pennsylvania besteht Maskenpflicht in allen öffentlichen Gebäuden, Verkehrsmitteln, Kaufhäusern, und am Arbeitsplatz.

Erleben Sie als Deutscher Anfeindungen oder Ablehnung?

Ich habe, seitdem ich hier in den USA lebe, nie in irgendeiner Weise irgendwelche negativen Erfahrungen aufgrund meiner Nationalität gemacht, und das trotz unserer komplizierten deutschen Vergangenheit. Nein, ganz im Gegenteil, als Deutscher wird man hier noch immer mit den Tugenden wie Fleiß, Ehrlichkeit und Zuverlässigkeit in Verbindung gebracht. Das kann auch ein Donald Trump nicht verändern.

Welchen Wahlausgang erwarten Sie?

Ich möchte da keine Prognosen wagen. Seit der letzten Wahl, als man Hillary Clinton den Wahlsieg prophezeite, halten die meisten hier nichts von diesen Prognosen. Aller Wahrscheinlichkeit nach müsste Trump verlieren. Es ist wie vor einem Fußballspiel mit einem Favoriten, dem man dem Sieg zutraut und dann gewinnt der andere. Nur hier wird das Ergebnis, wie es auch immer ausfällt, die Situation mit weitreichenden negativen oder positiven Konsequenzen beeinflussen, je nachdem wer Gewinner der Wahl wird.

Würde Trump eine Wahlniederlage akzeptieren?

Sollte das Ergebnis erst verspätet, nach Tagen oder Wochen und zu seinem Nachteil vorliegen, gehe ich davon aus dass er es als Wahlbetrug ansehen wird und sich dann weigern wird, es zu akzeptieren. Dann haben wir hier eine Lage, die es noch nie gegeben hat, und ich sehe die Gefahr eines Konfliktes.

Hat der Wahlausgang für Sie persönlich irgendwelche Konsequenzen

Nach fast 20 Jahren hier in USA ist man sehr verwurzelt und eine Rückkehr nach Deutschland wäre nicht so einfach, obwohl ich noch sehr familiäre und freundschaftliche Beziehungen in die alte Heimat habe. Sollte Trump noch mal die nächsten vier Jahre im Weißen Haus sitzen, werde ich bestimmt nicht einfach die Flucht ergreifen. Wie sagte doch einst US-Präsident John F. Kennedy: „Do not pray for easy lives. Pray to be stronger men.“

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