"Rote" Prominenz, aber Schäfer-Gümbel kam nicht

SPD Niederaula feierte 100-jähriges Bestehen

+
Der Vorsitzende des SPD-Ortsvereins Niederaula, Walter Freund, (rechts) und sein Stellvertreter Jens Opfer (links) bedankten sich bei Dr. Heinrich Nuhn für dessen ausführlichen Vortrag zum 100-jährigen Vereinsjubiläum.

Jede Menge "rote" Prominenz kam zur Feier des 100-jährigen Bestehens der SPD Niederaula. Wegen wichtiger Termine in Berlin sagte Thorsten Schäfer-Gümbel jedoch ab.

Am Montag müssten zahlreiche wichtige Beschlüsse über das weitere Vorgehen und die Zukunft der Partei gefasst werden, da könne er, sehr zu seinem Bedauern, nicht am Tag zuvor an den Feierlichkeiten des Ortsvereins teilnehmen, hätte SPD-Landesvorsitzender Thorsten Schäfer-Gümbel (TSG) am Freitagabend um Verständnis für seine Absage zur Teilnahme an der Jubiläumsfeier zum 100-jährigen Bestehen des SPD Ortsvereins gebeten, informierte der Vereinsvorsitzende Walter Freund am Sonntag über das Fehlen des SPD-Chefs.

Stattdessen war Timon Gremmels, seit 2017 Mitglied des Bundestages und dort unter anderem im Ausschuss für Wirtschaft und Energie tätig, aus Kassel angereist. Der konnte den hessischen SPD-Chef zwar würdig vertreten, nicht aber ersetzen, waren doch viele Gäste extra gekommen, um TSG zu treffen.

Zumindest nach außen hielt sich die Enttäuschung jedoch in Grenzen. Erst mit einiger Verspätung und nachdem das üppige Kuchenbuffet weitgehend geplündert war, konnte der Vorsitzende des SPD-Bezirks Hessen-Nord an das Mikrofon treten. Gremmels zeigte sich überrascht, dass an einem Sonntagnachmittag trotz des schönen Wetters so viele Besucher – über 100 hatte er gezählt – anwesend waren.

Timon Gremmels, MdB, war aus Kassel angereist, um den in Berlin weilenden ursprünglich angekündigten Thorsten Schäfer-Gümbel zu vertreten.

In einem Rückblick auf 100 Jahre SPD erinnerte Gremmels auch an die Reichstagswahl 1912, die Gleichstellung der Frauen und andere wichtige Ereignisse. Desweiteren ging er darauf ein, was es bedeute, in der heutigen Zeit Sozialdemokrat zu sein.

Begonnen hatte das Jubiläumsfest rund um das Gemeindezentrum der evangelischen Kirche mit einem Gottesdienst, den Pfarrer Werner Ewald ganz im Zeichen des Jubiläums gestaltet hatte. Nach dem gemeinsamen Mittagessen kündigte dann der zweite Vereinsvorsitzende Jens Opfer einen Festvortrag von Dr. Heinrich Nuhn an.

Fast 45 Minuten lang beleuchtete der gebürtige Niederaulaer Zeithistoriker und Pädagoge die ersten Jahre von der Gründung bis zu der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Nuhn berichtete von den Ängsten der Menschen, sich als Sozialdemokrat zu zeigen oder die Partei gar zu wählen, besonders auch, weil das eigentlich strenge Wahlgeheimnis immer wieder Lücken aufwies. Er berichtete von schikanösen und ruinösen Repressalien gegen Gastwirte, die Veranstaltungen der Sozis in ihren Räumen zuließen.

Nuhn versuchte, die Entwicklung der ersten Jahrzehnte in Niederaula mit denen des geografischen Umfeldes und deutschlandweit in Verbindung zu setzen. Das sei nicht leicht gewesen, sagte der Referent „denn es liegen nur wenige verlässliche Dokumente über die SPD in Niederaula vor.“

Mit einer ausführlichen Fotoschau aus vergangenen Tagen klang dann das Fest zu Musik von „Zweiklang“ aus; die waren kurzfristig für das angekündigte Eisenbahnblasorchester Bebra eingesprungen.

VON BERND LÖWENBERGER

Kommentare