Abfertigungsstelle im Internationalen Postverteilzentrum wurde 2008 eingerichtet

Kokain in Filzstiften: Zehn Jahre Zoll in Niederaula

+
Dreister Versuch: Sehr seltene, streng geschützte Kakteen aus Mexiko entdeckten die Zöllner in Niederaula 2013. Sie waren in eine Folklore-Puppe eingenäht. 

Niederaula. Ob Kokain in Filzstiften oder Kakteen in Folklore-Puppen: Die Mitarbeiter des Zolls im Postverteilzentrum in Niederaula haben schon so einiges entdeckt.

Jede Menge Arbeit haben die Mitarbeiter des Zolls, die seit zehn Jahren in der Abfertigungsstelle arbeiten, die das Hauptzollamt Gießen im Oktober 2008 im Internationalen Postverteilzentrum (IPZ II) der Deutschen Post AG in Niederaula eingerichtet hat.

Anfangs wurden dort wöchentlich mehr als 20 000 Briefsendungen und Päckchen aus aller Welt zollamtlich abgefertigt. Seitdem steigt die Anzahl der Sendungen, die vom Zoll abgefertigt werden, kontinuierlich an.

Waren es 2008 noch 800 000 Postsendungen, sind es mittlerweile nahezu vier Mal so viele pro Jahr. Jetzt vor Weihnachten steigt die Zahl noch einmal besonders an.

„Dabei macht uns besonders die Zunahme der beanstandeten Päckchen zu schaffen“, sagt Michael Bender, der Pressesprecher des Hauptzollamtes Gießen. „Hier verzeichnen wir jährlich einen Anstieg von 25 Prozent.“ Der Großteil dieser Sendungen entstammt dem sogenannten E-Commerce und kommt aus China.

Immer wieder werden Waren über das Internet bestellt, die in Deutschland nicht einfuhrfähig sind. Hierauf haben die Zollbediensteten ein besonderes Augenmerk.

Die Liste der nicht erlaubten Waren wird dabei von Arzneimitteln angeführt. Mehr als 50 000-mal fanden die Zöllnerinnen und Zöllner in Briefen vor allem Potenzmittel, aber auch andere Medikamente, deren Einfuhr verboten ist.

In den letzten drei Jahren nehmen besonders Einfuhren von Waren zu, bei denen die Produktsicherheit nicht gegeben ist. Etwa wenn das CE-Zeichen fehlt oder gefälscht wurde. Davon betroffen sind im Internet gekaufte Elektro- und Technikteile, Spielzeug und Werkzeug.

Sie werden vom Zoll aus dem Verkehr gezogen, weil sie eine Gefahr für den Nutzer darstellen können. „Den überwiegenden Teil der aus Asien kommenden Elektroteile müssen wir aus dem Verkehr ziehen“, sagt Michael Bender.

Aber auch andere verbotene Dinge, wie Waffen, Rauschgift oder unter Artenschutz stehende Tiere oder Pflanzen fischen die Zöllner zunehmend aus den Postsendungen.

So beispielsweise Teile eines Sprengsatzes, die eine komplette Räumung des Gebäudes nach sich zogen. Bei einer durch die Staatsanwaltschaft sofort veranlassten Wohnungsdurchsuchung beim Empfänger stellten Ermittler des Landeskriminalamtes dann Kriegswaffen sicher.

Immer wieder haben die Zöllner es auch mit kuriosen und raffinierten Verstecken zu tun: So fanden sie Kokain in Filzstiften versteckt, Marihuana als Tee verpackt, Tabletten in DVD-Hüllen eingeschweißt oder Anabolika in Spielzeug versteckt.

Dreist war auch der Versuch eines vermeintlichen Kakteenliebhabers, der in Mexiko illegal entwendete und wegen ihrer Seltenheit unter strengstem Schutz stehende, Kakteen in einer Folklore-Puppe eingenäht einschmuggeln wollte. Er scheiterte an den aufmerksamen Zöllnern in Niederaula. Einige der Kakteen überleben bis heute in einem Botanischen Garten. 

Informationen zu Zöllen

Der Zoll bietet für Verbraucher die kostenlose App „Zoll und Post“ an. Diese kann helfen herauszufinden, in welchen Fällen sich ein Kaufpreis durch Steuern und Zölle eventuell noch erhöht. Informationen zur Einfuhr von Postsendungen finden sich auch auf www.zoll.de. (red/zac)

Kommentare