„Ja, ich werde antreten“

Niederaulas Bürgermeister Thomas Rohrbach im Sommerinterview

Herzlich willkommen: Ein Stück weit nach Normalität in Coronazeiten sehnt sich auch Niederaulas Bürgermeister Thomas Rohrbach. So freut er sich darüber, dass die Betreuung im Niederaulaer Kindergarten wieder begonnen hat. Besonders gelungen findet er das beschriftete weiße Laken, das alle Kinder farbenfroh begrüßt.
+
Herzlich willkommen: Ein Stück weit nach Normalität in Coronazeiten sehnt sich auch Niederaulas Bürgermeister Thomas Rohrbach. So freut er sich darüber, dass die Betreuung im Niederaulaer Kindergarten wieder begonnen hat. Besonders gelungen findet er das beschriftete weiße Laken, das alle Kinder farbenfroh begrüßt.

Im Sommerinterview spricht Thomas Rohrbach über seine erneute Kandidatur als Bürgermeister in Niederaula und die aktuelle Lage in der Marktgemeinde.

Gehen Sie am 1. November eigentlich zur Bürgermeisterwahl und werden ein Kreuz hinter Ihren Namen setzen?

(lacht) Ja, das werde ich tun.

Also werden Sie kandidieren?

Ja. Ich werde antreten. Generell möchte ich zu Ende bringen, was ich angefangen habe. Es ist kein einfaches Umfeld. Dennoch habe ich viel Freude im Job.

Und wann haben Sie das entschieden?

Ich habe das mit meiner Familie entschieden. Und es steht danach nicht zur Debatte, dass ich nicht antrete.

Themawechsel: Wie ist die Marktgemeinde Niederaula bisher durch die Corona-Krise gekommen?

Aktuell merkt man die Auswirkungen noch nicht in der Stärke, wie das in den Folgejahren der Fall sein wird. Wir werden beispielsweise bei der Gewerbesteuer die Ansätze wohl erreichen, aber nicht übertreffen. Der große Einbruch wird analog der Finanzkrise von vor zehn, elf Jahren dann in den Folgejahren 2021 und 2022 kommen. Dann muss man schauen, wie es sich darstellt, wenn das Land den Rotstift ansetzt und sich Gewerbesteuer sowie Einkommensteuer rückläufig entwickeln werden. Dann wird es irgendwann kritisch.

Zu welchen internen Veränderungen im Verwaltungsablauf hat Corona geführt?

Wir gehen bewusst damit um und haben in gewissem Maß auch Homeoffice mit eingebunden, um die Mitarbeiter in den einzelnen Büros auseinanderzuhalten. Das betrifft auch die Kläranlage und die Wassermeister, sodass wir an den neuralgischen Punkten immer ein Back-up zur Verfügung haben. Aus dem Rathaus selbst haben wir den Publikumsverkehr herausgehalten. Wer ein dringendes Anliegen hat, der kann herkommen und wird entweder durchs offene Fenster bedient oder auch reingelassen. Für die reine Laufkundschaft bleibt die Tür aber weiter verschlossen.

Wie ist es denn aktuell um die Gemeindefinanzen bestellt?

Wir werden rückläufige Einnahmen haben, aber dennoch ein vernünftiges Jahresergebnis erzielen. Wir müssen jetzt abwarten, was bei der Steuerschätzung herauskommt. Der Einkommensteueranteil wird durch die viele Kurzarbeit sicherlich noch einmal etwas nach unten gehen. Aber da liegen uns noch keine verlässlichen Zahlen vor. 2020 werden wir wie gesagt noch einigermaßen über die Runden kommen.

Liegen derzeit einzelne Projekte auf Eis?

Wir haben in der Bauverwaltung derzeit 80 Projekte laufen, die sich in den unterschiedlichsten Stadien befinden. Es werden immer wieder mal gewisse Dinge diskutiert, auch während der Sitzungen unserer Gremien, aber es wurden noch keine Projekte gänzlich gestrichen.

Niederaula ist mit Blick auf das Gewerbegebiet ja ein riesiger Wirtschaftsstandort. Wie geht es den Unternehmen?

Die Betriebe haben manchmal unseren Rat im Umgang mit speziellen Corona-Situationen gesucht, obwohl wir den so nicht abliefern können, wie es beispielsweise die Gesundheitsämter tun können.

Meine Frage zielte mehr auf die wirtschaftliche Situation ab...

Wir sind sehr logistisch geprägt. Da hat es sicherlich bei einigen Probleme in den Abläufen gegeben. Aber letzten Endes war die Logistik bisher nicht so sehr beeinträchtigt. Das sieht man ja auch mit Blick auf Amazon. Die Lieferdienste und Onlinehändler haben durch Corona ja eher einen Aufschwung erlebt. Was ja auch der Blick auf die Börsenkurse bestätigt.

Und wie sieht es bei den Handwerksbetrieben vor Ort aus?

Die sind schwer zu bekommen und und weiterhin ausgebucht. Wir haben viele Unternehmen, was sich in der Gewerbesteuer positiv ausdrückt. Und wir hoffen, dass alle Unternehmen einigermaßen gut durch die Krise kommen. Wir sind aktuell in Gesprächen mit potenziellen Investoren, die bei der Entwicklung von Gewerbegebieten immer am Anfang stehen. Auch die wurden nicht auf Eis gelegt, sondern werden weiter vorangetrieben. Mit dem Ziel, in zwei oder drei Jahren Vollzug zu melden, um dem dann hoffentlich wieder eintretenden Wirtschaftsaufschwung Rechnung tragen zu können.

Wie sehr hat sich Ihr persönliches Leben durch Corona verändert?

Da zu Beginn der Corona-Krise fast alle Termine abgesagt waren, habe selbst ich mehr Zeit gehabt, um die Gartenhütte, die schon vor zwei drei Jahren neue Farbe erhalten sollte, endlich zu streichen. Wir sind momentan auch am Sportplatz dran, dort gewisse Maßnahmen umzusetzen. Ich habe eigentlich immer wenig Zeit, die ich auf dem Balkon verbringe. Aber derzeit sitze ich dort schon öfters als in den Jahren zuvor.

Wie verbringen Sie den Sommer?

Ursprünglich war ja die Bürgermeisterwahl für Mitte September angesetzt. Daher war auch kein Sommerurlaub geplant. Da sich der Wahltermin nun auf den 1. November verschoben hat, wird es für mich auch keinen Urlaub in den Herbstferien geben. Der ist auch gestrichen. Ich werde also die meiste Zeit an der Arbeit verbringen. Und vielleicht partiell etwas zuhause tun. Auch auf dem Balkon muss noch etwas gestrichen werden. Das versuche ich samstags einzutakten.

Wie geht es in der Gemeindepolitik nach der Sommerpause weiter?

Wir haben verschiedene Bauleitplanverfahren, die zum Abschluss gebracht werden müssen. Wir versuchen, das Gewerbegebiet weiter voranzutreiben. Und wir haben in den Gremien bereits erörtert, dass im Bereich der Feuerwehr in Niederaula der Neubau eines Gerätehauses unumgänglich ist. Aktuell ist es aber schwierig, einen Konsens zu finden. Das hat sich in den jüngsten Planungsausschusssitzungen auch gezeigt. Eigentlich soll in der nächsten Sitzung der Gemeindevertretung die Frage des Standorts für eine neue Feuerwache geklärt werden.

Wenn Sie sich aktuell etwas wünschen dürften, was wäre das?

Dass wir irgendwann einmal vernünftig und in Ruhe miteinander arbeiten und Niederaula gemeinsam voranbringen. Und nicht immer diese Grabenkämpfe im Hintergrund.

Zur Person

Der Niederaulaer Thomas Rohrbach (49) ist seit dem 1. Februar 2009 Bürgermeister der Marktgemeinde Niederaula. 2014 wurde er mit großer Mehrheit (73,6 Prozent) wiedergewählt. Während seines Fachabiturs im Bereich Wirtschaft und Verwaltung in Bebra absolvierte er in 1987 bereits ein Jahrespraktikum in der Niederaulaer Gemeindeverwaltung. Der gelernte Bankkaufmann, der zuletzt die Filiale der VR-Bank an der Dudenstraße in Bad Hersfeld leitete, war überdies von 2001 bis 2009 Mitglied der Niederaulaer Gemeindevertretung. Thomas Rohrbach engagiert sich unter anderem im SV Niederaula. Er ist verheiratet und hat drei Söhne. rey

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare