Wer nicht aufpasst, hat verloren

Hattenbacher reagierte richtig auf einen Betrügeranruf

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Um 50.000 Euro zu gewinnen, sollte Meik Thierling zunächst 900 Euro Gebühren bezahlen: Statt auf die Forderung einzugehen informierte der Hattenbacher richtigerweise die Polizei.

Hattenbach –Der Anrufer versprach Meik Thierling einen hohen Geldgewinn, doch dann kam das dicke Ende nach. Er sollte erst mal 900 Euro zahlen.

Wer aus Berlin wohl etwas von ihm wollen könne, fragte sich Meik Thierling, als kürzlich sein Telefon klingelte und auf dem Display eine ellenlange Nummer mit Vorwahl 030 aufleuchtete.

Kurz darauf verkündete ihm eine angenehme Frauenstimme, er habe ja an einem Gewinnspiel teilgenommen und sie könne ihm nun mitteilen, dass er gewonnen habe. Exakt 49.999 Euro. Schon morgen könnte ihm ein Notar das Geld überbringen. Für Transport, Bearbeitung und Steuern falle allerdings eine Gebühr von 900 Euro an. Für diesen Betrag müsse er daher bei Aldi oder Lidl „noch heute“ einen sogenannten Ukash- oder Paysafe-Code kaufen und man werde sich morgen wieder bei ihm melden.

„Das ganze klang sehr professionell und auch an Gewinnspielen habe ich hin und wieder teilgenommen“, sagt Thierling. Auch dass keine privaten oder Kontodaten abgefragt wurden, empfand er positiv. Trotzdem traute er dem Frieden nicht. Tatsächlich kam am nächsten Morgen der avisierte Anruf, wieder – angeblich – aus Berlin. Man könne in einer Stunde bei ihm sein und ihm den Gewinn auszahlen, meldete sich diesmal ein Mann – eine Stunde von Berlin nach Hattenbach, wie soll das gehen, überlegte Thierling – man brauche aber zunächst den Cashcode. „Selbst wenn ich einen solchen Code gekauft hätte, ich hätte ihn nie und nimmer weiter gegeben“, sagt der Hattenbacher. Er schlug dem Anrufer stattdessen vor, das Geld zu überbringen und die Gebühren dann von dem Gewinn zu bezahlen.

Wieder sehr professionell und überzeugend habe der Anrufer erklärt, warum dies aus verschiedenen Gründen nicht möglich sei. Ohne Cashcode sei eine Gewinnauszahlung nicht möglich und man werde sich nochmal bei ihm melden. Thierling hat keine 900 Euro bezahlt und hat keinen Gewinn erhalten, und wenn mal wieder eine Berliner Vorwahl auf seinem Telefondisplay erscheint, dann geht er einfach nicht ran. Der 49-Jährige hat den Vorfall der Polizei gemeldet, und der ist die Masche wohl bekannt.

Was wäre wenn?

Nehmen wir mal an, Thierling hätte sich auf den Deal eingelassen. Dann wären seine 900 Euro futsch gewesen und bestenfalls hätte er nie wieder von den Tätern gehört. Oft aber bauen die Betrüger immer mehr Druck auf, indem sie unter verschiedenen Vorwänden immer weitere Zahlungen bis zur angeblichen Gewinnauszahlung fordern. Weigert sich der Betrogene irgendwann zu zahlen, drohen die Täter nicht selten mit saftigen Bearbeitungsgebühren, Inkassobüros und Strafanzeige.

Tipps von der Polizei

„Seien sie misstrauisch, wenn sie angerufen werden, und legen sie einfach auf, sobald der Gesprächspartner, Geld von Ihnen fordert“ warnt das Polizeipräsidium Osthessen ganz allgemein.

„Leider gibt es immer wieder Menschen, die auf die Betrüger reinfallen“, sagt Pressesprecher Manfred Knoch, „so wie kürzlich ein 59-Jähriger aus Cornberg und eine 83-Jährige aus Bebra, die um je 900 Euro per so genannter Steam-Karte betrogen wurden.“ Offenbar breiteten sich die verschiedenen Betrugsmaschen wellenförmig über das Land aus. Deshalb sei es wichtig, in jedem Fall umgehend die Polizei zu informieren, auch unter der Notrufnummer 110 und Anzeige zu erstatten. „Nur wenn wir von den Betrugsversuchen erfahren, können wir die Bevölkerung warnen“, sagt Knoch. Wegen der Vielfalt der unterschiedlichen Betrugsmaschen lägen belastbare Zahlen kaum vor, weiß der Beamte und weil sich viele Menschen schämten, wenn sie den Betrügern auf den Leim gegangen seien, gebe es mit Sicherheit eine hohe Dunkelziffer.

Besonders günstige Schnäppchen, Fremde die Geld oder Wertgegenstände abholen wollen, die Abfrage persönlicher Daten oder Vorauszahlungen jeglicher Art seien immer Anzeichen für mögliche betrügerische Absichten, warnt die Polizei.

Auch die Verbraucherzentralen warnen vor Telefontricks, wie beispielsweise so genannten Ping-Calls. Hier klingelt das Telefon nur ganz kurz. Ruft der Angerufene die angezeigte Nummer zurück, kann sich das deutlich auf der nächsten Telefonrechnung widerspiegeln.

Andere Anrufer wollen nur ein „Ja“, etwa mit so banalen Fragen wie: „Hören sie mich?“ Dieses Ja wird aufgezeichnet und dient anschließend in einem manipulierten Telefonmitschnitt als Zustimmung zum Kauf eines Autos oder Abschluss teurer Abos. Auch wenn dies am Ende keine rechtskräftigen Verträge sind, kann es jede Menge Ärger für den Betroffenen mit sich bringen.

VON BERND LÖWENBERGER

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