„Einige Stimmen mehr sind das Ziel“

Bürgermeisterwahl in Niederaula: Interview mit Amtsinhaber Thomas Rohrbach

Die zweite Heimat von Niederaulas Bürgermeister Thomas Rohrbach: In seiner Freizeit und zu Fußballspielen des SV Niederaula ist er oft auf dem Sportgelände anzutreffen. Auf dem satten Grün des Spielfelds ist dieses
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Die zweite Heimat von Niederaulas Bürgermeister Thomas Rohrbach: In seiner Freizeit und zu Fußballspielen des SV Niederaula ist er oft auf dem Sportgelände anzutreffen. Auf dem satten Grün des Spielfelds ist dieses

Zur Bürgermeisterwahl am 1. November in Niederaula tritt Rathauschef Thomas Rohrbach gegen den Ersten Beigeordneten Gerhard Eckstein an. Der Amtsinhaber im Interview:

Herr Rohrbach, die Marktgemeinde ist zerstritten wie nie, Sie selbst sind heftigen auch persönlichen Angriffen ausgesetzt. Warum treten Sie noch mal an?

Die Marktgemeinde Niederaula, in der ich groß geworden bin, liegt mir sehr am Herzen. Wir haben in den vergangenen Jahren viel bewirkt, wir haben viel gebaut, wir haben viel in die Infrastruktur investiert – diesen Weg will ich entsprechend weitergehen. Mein Wunsch ist es natürlich, wieder politisch konstruktiv und sachlich mit den Gremien zusammenzuarbeiten. Das ist in den vergangenen Jahren oft hinten heruntergefallen.

Wäre es für die Gemeinde nicht besser, einen ortsfremden Bürgermeister zu bekommen, der politisch alles wieder befrieden könnte?

Es ist die Entscheidung der verschiedenen politischen Richtungen, ob sie jemand ortsfremden nominieren, oder ob sie an dem Bewährten festhalten wollen. Sicherlich wäre das eine interessante Lösung gewesen, aber ich glaube, die Lager sind aktuell so weit auseinander, dass es auch für einen Kandidaten von außerhalb schwierig werden würde. Denn auch er müsste rechtlich betrachtet eine klare Kante zeigen. Bei uns dreht sich derzeit alles um ein Hauptthema.

Das ist der Punkt: Der Streit zwischen den Vertretern von Bürgerliste, CDU, Grünen und Ihnen als Bürgermeister über die Straßenausbaubeiträge ist noch nicht beigelegt. Wie wollen Sie in einer neuen Amtszeit hier den Dorffrieden herstellen?

Bei dem viel zitierten Dorffrieden muss man sehen, wer eigentlich für den Unfrieden gesorgt hat. Ich war gegen wiederkehrende Beiträge, weil die zu verwaltungsintensiv sind. Die einmaligen Straßenbeiträge mussten wir seinerzeit aufgrund einer Auflage der Kommunalaufsicht zur Haushaltsgenehmigung einführen. Wir haben dann nach der Satzung veranlagt – dazu sind wir gesetzlich verpflichtet. Jetzt geht es darum, eine Lösung zu finden. Zwischenzeitlich hat es für ein Jahr eine Verringerung der Anliegeranteile gegeben. Mittlerweile sind die Straßenbeiträge gänzlich abgeschafft. Jetzt will man freiwillig etwas zurückzahlen. Das war übrigens mein Vorschlag aus dem Gemeindevorstand, um die Belastungen für die Bürger etwas abzumildern. Parallel dazu hat dann die Listenverbindung die rückwirkende Änderung der Satzung auf den Weg gebracht und jetzt will sie eine Rückzahlungssatzung. Das macht schon finanzielle Unterschiede aus, ob man eine Million Euro oder aber drei Millionen Euro zurückerstatten muss. Das ist rechtlich alles doch sehr bedenklich. Jetzt müssen wir schauen, wie das Verwaltungsgericht urteilen wird, da ich gesetzlich verpflichtet war, zu widersprechen.

Auch die Suche nach einem neuen Standort für das Feuerwehrgerätehaus in Niederaula zeigt die kommunalpolitische Zerrissenheit. Wie wird es bei diesem so notwendigen Projekt weitergehen?

Wir haben versucht, Lösungen zu finden, bevor der Technische Prüfdienst im Jahr 2019 geprüft hat. Wir haben dann den Kindergarten ausgelagert und in der dortigen Leimenkaute parallel in der Bauleitplanung eine Fläche geschaffen, die in unserem Eigentum ist und wo Baurecht gegeben ist.

Es hat den Anschein, als trete die Listenverbindung bei diesem Thema auf die Bremse?

Wir werden bis zum Jahresende unsere Schulden halbiert haben – und das innerhalb von sechs Jahren. Trotzdem haben wir noch eine gewisse Liquidität. Man könnte vermuten, dass diese Liquidität erhalten bleiben soll, um möglicherweise Straßenbeiträge rückerstatten zu können. Dafür müssen wir positive Abschlüsse vorweisen können und dürfen dies nicht über Kredite finanzieren.

Aber auch die Sicherheit der Bürger muss gewährleistet sein...

Wir haben eine hoch motivierte Feuerwehr mit ständigem Personalzuwachs. Wir haben mal mit 40 angefangen und haben jetzt über 60 Aktive. Die sind top ausgebildet und warten jetzt alle auf die entsprechenden Räumlichkeiten. Und wir haben hier die Möglichkeit, auf einer gemeindlichen Fläche zu bauen. Aber auch weitere Standorte, wo möglicherweise Anschaffungskosten in nicht unbeträchtlicher Höhe beziehungsweise auch Abrisskosten entstehen werden, werden aktuell in Betracht gezogen. Die Standorte in der engeren Auswahl sind irgendwo alle händelbar, aber das ist alles auch eine Geld- und Zeitfrage, weil das Verfahren wegen einer benötigten Bauleitplanung länger dauern würde. Wir werden bei einem anderen Standort als der Leimenkaute bis August 2021 nur schwer auf die Prioritätenliste des Landkreises mit einer fertigen Planung kommen.

Glauben Sie wirklich, dass Sie mit den Vertretern von Bürgerliste, CDU und Grünen inhaltlich zum Wohle der Marktgemeinde zusammenarbeiten können?

Zunächst müsste ich am 1. November die Bürgermeisterwahl gewinnen. Und dann kommt im März die Kommunalwahl. Da jetzt schon irgendwelche Prognosen auszusprechen, halte ich für recht schwierig und verfrüht. Zur Zusammenarbeit: Ich biete zum Beispiel bei den Haushaltsberatungen immer an, mich in die Fraktionssitzungen einzuladen. Das wird von der SPD regelmäßig angenommen. Von der Bürgerliste bin ich in den vergangenen viereinhalb Jahren zu einer Sitzung eingeladen worden. Ich stehe dort gerne Rede und Antwort. Aber in puncto Feuerwehrstandort hatte sich die Bürgerliste wohl schon recht früh festgelegt, diesen keinesfalls an der Leimenkaute haben zu wollen. Und das, obwohl sich das Planungsteam mit den Führungskräften der Feuerwehr, auch aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten, für den Standort Leimenkaute entschieden hat.

Weil die Zusammenarbeit mit der Listenverbindung offensichtlich nicht funktioniert, müssen Sie doch hoffen, dass die Kommunalwahl im März die Machtverhältnisse in der Gemeindevertretung zu Ihren Gunsten verändern wird?

Das wäre die Idealvorstellung. Aber leider ist die Kommunalwahl erst nach der Bürgermeisterwahl, sodass ich mir nicht erst das Parlament aussuchen kann und dann die Entscheidung treffen kann, ob ich mich zur Wahl stelle. Zunächst steht also die Bürgermeisterwahl im Vordergrund und dann schauen wir mal, wie die nächsten fünf Monate verlaufen.

Mit Gerhard Eckstein tritt der Frontmann Ihrer ärgsten Widersacher gegen Sie an. Wie schätzen Sie Ihren Gegenkandidaten ein?

Ich kenne den Gerhard Eckstein ja schon länger, da er in vielen Vereinen und auch im Zweckverband Kindergarten als stellvertretender Vorsitzender aktiv ist. Wir haben bis zu seinem politischen Eintritt ein gutes und normales Miteinander gepflegt. Wir haben uns auch bei den Straßenbeiträgen ausgetauscht und er hat mir mitgeteilt, dass er sich auf eine Seite schlagen werde. Und das hat er dann auch getan, indem er bei der Bürgerinitiative und der Bürgerliste Verantwortung übernommen hat. Die Zusammenarbeit ist von beiden Seiten sehr zurückhaltend. Auch weil er bereits juristisch gegen mich vorgegangen ist und politische Konsequenzen gefordert hat. Unser Vertrauensverhältnis ist sicher gestört. Das muss ich so sagen. Im Gemeindevorstand führen wir jedoch sachliche Diskussionen. Da sind andere seiner Mitstreiter eher die aggressiveren. Eine vertrauensvolle Zusammenarbeit, wie ich sie mir von einem Ersten Beigeordneten wünsche und so wie er sie sich im Umkehrschluss von mir erwartet, ist so leider nicht gegeben.

Was tun Sie, wenn Sie am 1. November nicht wiedergewählt werden?

Zunächst wäre ich dann noch einige Zeit im Amt und hätte auch noch ein paar Tage Urlaub. Das Amt ist Letztenendes nur geliehen. Mit einer Niederlage muss ich umgehen können. Ich wäre zunächst sicherlich enttäuscht, aber das Leben geht weiter. Ich gehe aber davon aus und bin auch zuversichtlich, einige Stimmen mehr als mein Mitbewerber erlangen zu können, die ich für den Sieg benötige.

Zur Person

Der Niederaulaer Thomas Rohrbach (49) ist seit dem 1. Februar 2009 Bürgermeister der Marktgemeinde Niederaula. 2014 wurde er mit großer Mehrheit (73,6 Prozent) wiedergewählt. Während seines Fachabiturs im Bereich Wirtschaft und Verwaltung in Bebra absolvierte er in 1987 bereits ein Jahrespraktikum bei der Niederaulaer Gemeindeverwaltung. Der gelernte Bankbetriebswirt, der zuletzt die Filiale der VR-Bank an der Dudenstraße in Bad Hersfeld leitete, war überdies von 2001 bis 2009 Mitglied der Niederaulaer Gemeindevertretung. Thomas Rohrbach engagiert sich unter anderem im SV Niederaula. Er ist verheiratet mit Melanie Rohrbach. Die beiden haben drei Söhne – Julian (20), Laurin (17) und Milan (14).

Rohrbachs Ziele kurz zusammengefasst

• Erhalt der geschaffenen Finanzstruktur und weiterer Schuldenabbau

• Interkommunale Zusammenarbeit

• Sicherung und Ausbau der Wasserver- und Abwasserentsorgung

• Die Verwaltung als bürgernaher Dienstleister

• Niederaula als familienfreundliche Kommune über attraktive Wohngebiete vorantreiben

• Aktiver Klima- und Naturschutz

• Breitbandausbau mit Gigabitstrategie

• Verbesserung des Schul- und Sportstandortes Niederaula

Leserfragen: Was möchten Sie von den Bewerbern wissen?

Die in der Vergangenheit gut besuchten Wahlforen unserer Zeitung müssen dieses Jahr aufgrund der Corona-Pandemie leider ausfallen. Wir geben Ihnen, liebe Leser und Leserinnen, trotzdem die Gelegenheit, den Kandidaten Fragen zu stellen. Senden Sie diese bitte bis zum 23. Oktober 2020 per E-Mail an redaktion@hersfelder-zeitung.de. Bitte geben Sie in der E-Mail nicht nur an, an wen sich Ihre Frage richtet, sondern auch Ihren Namen und Ihren Wohnort. Und: Die Fragen sollten nicht bereits in unseren Interviews gestellt worden sein. Ihre Fragen und die Antworten der Kandidaten werden dann in der HZ veröffentlicht. 

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