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Alle Vorschläge für ICE-Trasse prüfen

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Von: Christine Zacharias

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Großes Interesse: Zur Infoveranstaltung der Bürger für Niederaula über eine möglicherweise geplante Schnellbahntrasse durchs Fuldatal waren viele Niederaulaer gekommen. Foto: Zacharias
Großes Interesse: Zur Infoveranstaltung der Bürger für Niederaula über eine möglicherweise geplante Schnellbahntrasse durchs Fuldatal waren viele Niederaulaer gekommen. Foto: Zacharias

Niederaula. Zu einer Informationsveranstaltung über eine mögliche Schnellbahntrasse durchs Fuldatal, vorbei an Niederaula, hatten die Bürger für Niederaula eingeladen. Sie befürchten, dass nach dem Aus für die geplante Geistaltrasse nun eine ICE-Strecke durchs Fuldatal wahrscheinlicher geworden sei -– mit den damit verbundenen Lärm- und Umweltproblemen. Die Sorge, so zeigte sich, ist durchaus begründet.

Die Rahmenbedingungen

Die Bahn braucht eine neue ICE-Trasse zwischen Fulda und Erfurt. Im neuen Bundesverkehrswegeplan (BVWP) 2030 steht dieses Vorhaben unter vordringlichem Bedarf. Ziel ist es zum einen, den Reiseverkehr zu beschleunigen, zum anderen, den Güter- und den Reiseverkehr zu entflechten. Die Strecke zwischen Hamburg und Frankfurt ist für den Güterverkehr massiv überlastet, vor allem im Bereich zwischen Fulda und Bebra. Das erläuterte Dr. Bernhard Knierim (Bahn für Alle), der als einer von drei Experten eingeladen war. Knierim wies außerdem darauf hin, dass der Ausbau der Bahntrasse durch das Haunetal, bisher die im Kreis favorisierte Variante, schwierig sei, weil die Strecke kurvig und das Tal eng sei. Die Anwohner seien zudem sehr stark durch Lärm belastet.

Die Fuldataltrasse

Eine ICE-Trasse durch das Fuldatal würde auf der Brücke bei Solms von der Strecke Richtung Hamburg abzweigen und weitgehend an der Wohnbebauung von Niederaula vorbei durchs Fuldatal führen. In Bad Hersfeld sollten die ICEs dann allerdings nicht auf dem bestehenden Gleis direkt am Kurpark vorbei fahren, sondern auf neuen Gleisen entlang der Autobahn oder der Bundesstraße 62. Betrachtet man den möglichen Korridor im Gebiet zwischen Langenschwarz, Kirchheim, Bad Hersfeld, Blankenheim und Wildeck wäre die Route durch das Fuldatal die kürzeste und naheliegendste Variante, erklärte Knierim. Sie würde weniger Natur verbrauchen, wäre kostengünstiger zu bauen und würde eine Anbindung an Bad Hersfeld ermöglichen.

Vor- und Nachteile

Einen Vergleich zwischen den Varianten Geistaltrasse und Fuldataltrasse stellte Carsten-Rainer Warninghoff (Hersfelder Eisenbahnfreunde) an. Nach Warningshoffs Berechnungen wäre nicht nur das Teilstück im Kreisgebiet deutlich kürzer, sondern auch die gesamte Fahrstrecke zwischen Fulda und Erfurt. Auf der Fuldataltrasse könnten die Züge durchgängig mit einer Geschwindigkeit von 160 km/h fahren. Der Energieverbrauch wäre über die Geistaltrasse fest doppelt so hoch. Für die Hersfelder Eisenbahnfreunde hat vor allem der regelmäßige ICE-Halt in Bad Hersfeld Priorität.

Die Tunnellösung

Dr. Joachim Dähn (Lärmschutzbeirat Bad Hersfeld, sieht vor allem die drohende Lärmbelastung durch eine Schnellbahnstrecke. Er schlägt eine Tunnellösung vor. Das sei zwar teuer, aber schließlich seien auch viele Menschen betroffen. Die Strecke würde dann bei Mengshausen im Tunnel verschwinden, bei Hilperhausen kurz wieder auftauchen und dann unter dem Johannesberg durch geführt werden.

Die Strategie

Nach dem Stuttgart-21-Debakel habe die Bahn für neue Projekte das sogenannte Dialog-Forum entwickelt, erklärte Dr. Bernhard Knierim. Dort würden Projekte mit allen Beteiligten so abgestimmt, bis eine akzeptable Lösung gefunden sei. In Südhessen funktioniere das für die Strecke Hanau-Würzburg ganz gut. Knierim empfahl allen Initiativen sich zusammenzuschließen und nicht gegeneinander zu arbeiten und ein solches Dialogforum zu fordern. Sie sollten alle Vorschläge prüfen und sich zudem für maximalen Lärmschutz stark machen.

Die Diskussion

Die Tunnellösung solle unbedingt geprüft werden, meinte Peter Göbel. Ebenso wie Bürgermeister Thomas Rohrbach sprach er sich jedoch für die Haunetal-Trasse aus. Andere Sprecher meinten, dass man von der Bahn durchaus einfordern könne, viel Geld für Tunnel auszugeben.

Von Christine Zacharias

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