Montagsinterview: Sitzungspräsident Uwe Seel über Karneval und Humor im Alltag

„Keine halben Sachen“

So kennen ihn die Narren im Jossatal: Seit 15 Jahren führt Uwe Seel beim als Till Eulenspiegel beim Niederjossaer Karneval durchs Programm. Archivfoto: Maaz

Hersfeld-Rotenburg. Die Wochenenden vor Rosenmontag sind die heiße Phase des Karnevals. Auch in zahlreichen Orten im Landkreis herrscht dieser Tage wieder närrisches Treiben. Wir sprachen mit Uwe Seel, der seit 15 Jahren beim SV Niederjossa im Till-Eulenspiegel-Kostüm durch das Programm führt.

Unsere Region gilt nicht als klassische Faschingshochburg. Wie sind Sie da zum Karnevalisten geworden?

Uwe Seel: Über den Fußball beim Sportverein Niederjossa, der ja auch Ausrichter des Karnevals ist. Als ich 1983 begonnen habe, hier zu spielen, war die Karnevals-Truppe ja schon aktiv. Einige Fußball-Kollegen von mir haben damals gesagt: „Mensch, wir wollen gerne einen Programmpunkt beisteuern. Mach doch mit.“

Erinnern Sie sich noch an Ihren ersten Bühnenauftritt?

Seel: Das war im Jahr 1985. Wir haben mit drei Leuten die Hitparade ins Leben gerufen. Ich war als Peter Maffay dabei. Damals hatte ich ja noch längere Haare.

Bei Ihnen geht es am kommenden Wochenende hoch her. Wann haben Sie mit den Vorbereitungen begonnen?

Seel: Das ist unterschiedlich. Unsere Showtanz-Mädels sind schon seit dem frühen Herbst dran und bereiten ihre Auftritte vor. Das Männerballett lässt es lockerer angehen. Da muss nicht alles akkurat sein – im Gegenteil. Ich finde, da darf es ruhig auch etwas schräg sein. Das macht ja ein Männerballett aus. Die lassen sich schon Zeit und haben zum Jahresbeginn mal drüber nachgedacht, was sie machen könnten.

Haben Sie ein Erfolgsrezept für eine gute Büttenrede?

Seel: Eine gute Büttenrede sollte einen gewissen hausgemachten Eigenanteil haben und sich auf dörfliche Ereignisse und Menschen beziehen. Es ist auch nicht von Nachteil, das Publikum mit einzubinden. Ich beginne einen Satz und jeder im Publikum kann ihn ohne Skript beenden:

Karneval in Joss der ist famos, die Stimmung heut’ ist riesen… (...groß).

In Niederjossa wird im 40. Jahr gefeiert, Sie selbst stehen seit 15 Jahren an der Spitze. Gehen nach so langer Zeit nicht die Ideen aus?

Seel: Nein. Jeder hat natürlich den Ansporn, im nächsten Jahr wieder etwas Neues zu präsentieren. Das macht immer noch großen Spaß. In den Karnevalswochen besuchen wir natürlich auch andere Faschingsveranstaltungen, zum Beispiel in Niederaula, Neukirchen, Kerspenhausen oder Kleba. Das sind schon stressige Tage – positiver Stress – und man holt sich natürlich auch neue Anregungen.

Die Figur des Till Eulenspiegel nimmt traditionell die Politiker aufs Korn. Wie hoch ist auf kommunalpolitischer Ebene, wo man die meisten potenziellen Opfer persönlich kennt, die Hemmschwelle?

Seel: Wir versuchen, uns aus der politischen Szene rauszuhalten. Wenn etwas aus der Kommunalpolitik präsentierenswert wäre, dann hat das unser Chronist natürlich auf der Scheibe. Ansonsten sollen das diejenigen übernehmen, die politisch direkt vor Ort sind.

Also werden die Zuschauer keine Witze über Straßenbeiträge oder die Bürgermeisterwahl hören?

Seel: (lacht) Nein, da werden wir uns in Niederjossa mal galant raushalten. Das überlasse ich den Narren in Niederaula, die sind näher dran.

Wie sieht es jenseits der Karnevalsbühne aus? Sind Sie auch im Alltag ein humorvoller Mensch?

Seel: Ja, auf alle Fälle. Eine gewisse Leichtigkeit ist gut, wenn man sich mit den Alltagsproblemen auseinandersetzt. Das Leben ist schwer genug. Da hilft es, wenn man eine Frohnatur ist – auch wenn das bei mit nicht so ausgeprägt ist, wie bei meinem Schwiegervater, der gebürtiger Kölner war.

Haben Sie zum Schluss vielleicht einen Tipp, wie Karnevalsmuffel doch noch Gefallen am närrischen Treiben finden?

Seel: Oh, da gibt es gar keinen Tipp. Meine ganz persönliche Meinung: Es gibt keine halben Sachen beim Karneval. Entweder, man mag ihn oder man mag ihn nicht. Ein kleiner Ansporn für alle, die noch unsicher sind: Vielleicht schaffen wir es am 14. und 15. Februar in Niederjossa ja, sie für den Karneval zu begeistern.

Von Jan-Christoph Eisenberg

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