Randy Joseper und John Kinsman aus den USA besuchten Bauern aus der Region

Farmer auf Milch-Mission

Kämpfen gemeinsam für einen fairen Milchpreis: BDM-Kreisverbandsvorsitzender Klaus Vetter mit den Kollegen aus den Staaten, Randy Joseper und John Kinsman (von links). Foto: Auel

Breitenbach. 7000 Kilometer sind sie gereist, um ihre deutschen Kollegen im Kampf gegen die großen Molkereien und unfaire Preise zu unterstützen: Die amerikanischen Farmer Randy Joseper (59) und John Kinsman (83) aus dem US-Bundestaat Wisconsin. Sie touren gerade durch Deutschland, um Milchbauern über die prekäre Lage der Milchwirtschaft in den Vereinigten Staaten zu informieren. Sie folgten gern der Einladung von Klaus Vetter, Kreisverbandsvorsitzender des Bundes Deutscher Milchviehalter (BDM), nach Breitenbach.

Zusammenarbeit gefragt

Bei gemütlicher Stammtischatmosphäre im Gasthof Jossatal in Oberjossa stand trotz leichter Sprachbarrieren schnell fest: „Wir müssen zusammenarbeiten, um etwas zu erreichen.“ Wie auch in Deutschland schließen sich in Amerika die Milchbauern zu Vereinigungen zusammen, um sich gegen die Industrie wehren zu können.

Dasselbe Lied

John Kinsman ist Delegierter von Nordamerika für die weltweit vertretene Vereinigung „Via Campesina“ und lebt mit seiner Familie und 36 Kühen auf seiner Farm in den Hügeln von Wisconsin. „Ich bin mein Leben lang Bauer gewesen, doch so schlecht ging es uns nie“, klagt er. Monopolistische Systeme, ignorante Politiker und eine falsche Preispolitik seien der Grund dafür: „Unser Milchpreis richtet sich nicht nach Angebot und Nachfrage, wir haben zwei Firmen, die eigentlich durch ein spezielles System die Preise einfach festlegen können“, so Kinsman weiter.

Die aktuelle Regelung geht sogar soweit, dass dieser Preis umgehend auch in Europa übernommen wird. Somit sei eine gesunde Preispolitik auch in Deutschland unmöglich.

Auf die Frage, wie US-Präsident Barack Obama zu dem Thema stehe, sagte Randy Joseper: „Ich denke, er bemüht sich darum, uns zu helfen. Allerdings sind die Verantwortlichen im Landwirtschaftsministerium immer noch die selben wie unter Bush - so viel wird sich also wohl nicht ändern.“

Chance auf faire Preise

60 Prozent der amerikanischen Milchproduzenten sind - so wie Randy Joseper und John Kinsman - Kleinbauern. Gut ein Viertel davon sind organisiert.

„Die Schere geht bei uns immer weiter auseinander. Kleine Betriebe werden immer schwächer, während die großen immer mehr Macht bekommen“, berichten die beiden Farmer. Wie auch die deutschen Milchproduzenten haben die Amerikaner eingesehen, dass ihre einzige Chance auf faire Preise und gerechtere Behandlung in der Hand des Verbrauchers liegt. „Wir brauchen gute Öffentlichkeitsarbeit und müssen das Interesse für einen fairen Milchpreis wecken. Jeder Verbraucher hat das Recht auf ein Lebensmittel, das mit Würde produziert wurde“, sagte Kinsman zum Abschluss der kleinen internationalen Milchkonferenz in Oberjossa.

Von Juri Auel

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