Oldtimer-Serie: Alte Schätzchen: Die Ente – Ein Kultauto für Generationen

Eddie Knaus aus Hattenbach hat einen Citroen 2CV restauriert

Fahren wie Gott in Frankreich: Eduard Knaus mit seiner grünen Ente, die er komplett neu restauriert hat. Markant sind vor allem die Scheinwerfer. Fotos: Hartmut Wenzel

In unserer Serie stellen wir Schrauber aus dem Landkreis und ihre Oldtimer vor. Heute: Eduard Knaus aus Niederaula-Hattenbach.

Für Fahrzeuge der Marke Citroën ist Eduard „Eddie“ Knaus in Niederaula so etwas wie eine Institution. Schließlich war der 77-Jährige, bevor er sich in Hattenbach mit einer eigenen Werkstatt und Lackiererei selbstständig machte, viele Jahre bei der Citroën-Vertretung Schlitt in Niederaula, auch als Meister.

Er kennt sich aus mit den Besonderheiten dieser Fahrzeugmarke, insbesondere mit dem Chassis, dass das Fahren „wie Gott in Frankreich“ – so ein Werbespruch – ermöglichte. Besonders bei einem Typ kann ihm so schnell keiner etwas vormachen: dem Citroën 2CV, auch Ente genannt. Wobei „2CV“ für „deux chevaux“ (zwei Pferde) steht. Denn Knaus hat eine Ente bis auf die buchstäblich letzte Schraube auseinandergenommen. Und wieder zusammengebaut. „Das Fahrzeug dürfte heute so viel mehr wert sein, als es der Neupreis war.“

Es ist schon eine Weile her, da hat Knaus die Ente, Baujahr 1987, im Prinzip vor der Verschrottung gerettet. In mühevoller Kleinarbeit hat er das Auto damals fast ein Jahr lang aufgepäppelt und auch in der Ursprungsfarbe Grün wieder lackiert.

Der Clou ist die Anhängerkupplung. Damals ist es kurz vor Jahresende fertig geworden und damit war das Auto so etwa wie ein Weihnachtsgeschenk für die Familie. Angemeldet ist die Ente ausschließlich in den Sommermonaten. Dann wird sie mit großer Freude gefahren, genau wie eine zweite Ente in Rot, die er ebenfalls restauriert hat. Alle Reparaturschritte hat Knaus mit der Kamera dokumentiert und in einem Fotobuch detailliert festgehalten. „Darauf kann man nicht nur bei kleineren Schäden zurückgreifen, man sieht auch die einzelnen Zwischenschritte beim Aufbau.“ Zur „Entenkundschaft“ bei Schlitts gehörte auch einst die HZ, die für einen Umzug eine „Zeitungsente“ fuhr, die im entsprechenden Outfit lackiert war.

Zunächst wurde das Fahrzeug – die ersten Pläne und Prototypen gab es in den 30er-Jahren, zur Serienreife gelangte es aber erst nach dem Krieg – belächelt. So schrieb ein Journalist beim Pariser Autosalon: „Eine Konservendose – Modell freies Campen für vier Personen“. Andere unkten, der Erfinder werde auch einen Büchsenöffner mitliefern. Und der nächste schrieb, dass das Fahrzeug Wackeleigenschaften wie ein „hässliches Entlein“ besitzen würde. Der Name wurde zum Programm. Ursprünglich war schon in den 60er-Jahren geplant, die Serienproduktion einzustellen. Dass das Fahrzeug zum Kultobjekt, zum puren Lebensgefühl für Generationen wurde – damit hatte keiner der Ingenieure gerechnet.

Es war das Fahrzeug der Hippies, der Flower-Power-Bewegung. Und die Ente war ein Stück Politik. Hinter den leichten Seitentüren mit Anti-Atomkraft-Aufklebern saßen viele Studenten und nicht selten auch Prominente. Nicht nur bei Open-Air-Konzerten konnte das Dach geöffnet werden – die Ente sorgte gleichzeitig für das Cabrio-Feeling. Sie war obendrein umweltfreundlich und spritsparend, fuhr aufgrund der niedrigen Kubikzahl steuerbegünstigt. Erst 1990 wurde die Produktion eingestellt. Die letzten Charleston-Enten liefen in Portugal vom Band.

2002 wurde die Ente zum „Auto des 20. Jahrhunderts“ gekürt. Nur fünf bis sieben Liter Normalbenzin verbrauchte der luftgekühlte Zweizylinder-Boxermotor, der die Frontachse antrieb. Überdies ist die Ente eines der letzten Autos, die man noch mit einer Handkurbel starten konnte. Das Prinzip der Fahrwerksfederung kann Knaus aus dem Kopf auf ein Blatt Papier zeichnen. „Das sind die Räder mit der Einzelradaufhängung, die durch Federn in der Mitte verbunden sind und die gegeneinanderstehen. Es ist mir kein einziger Fall bekannt, dass eine Ente umgekippt ist.“ Er interessiert sich weiterhin aber für eine Enten-Weiterentwicklung.

Denn für die gibt es einen Elektromotor, den man aber extra einbauen muss. Allerdings ist die Ente für ihn ohne ihren speziellen Sound kaum vorstellbar.

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