Das Machtloser Platt

Waltraud Viehmann setzt sich für die Mundart ein

Vor der großen Bücherwand in ihrem Wohnzimmer präsentiert die gebürtige Machtloserin Waltraud Viehmann-Moritz ihr neues Platt-Wörterbuch „Quer dorch de Godde“.
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Vor der großen Bücherwand in ihrem Wohnzimmer präsentiert die gebürtige Machtloserin Waltraud Viehmann-Moritz ihr neues Platt-Wörterbuch „Quer dorch de Godde“.

„Quer durch den Garten hieß in ihrer Kindheit eine Suppe, in der alles Gemüse drin war, was so im Garten greifbar war“, erläutert Waltraud Viehmann den Titel ihres Büchleins.

Machtlos - Gut ein halbes Jahr lang hat die 76-Jährige Worte, Begriffe, Redewendungen und Ausdrücke aus ihrer Heimat und ihrer Jugend gesammelt. „Überall lagen Notizzettel“, berichtet Viehmann. „Wenn mir etwas einfiel, habe ich es aufgeschrieben und die Zettel in einer Schrankschublade gesammelt.“ Verwandte in dem kleinen, abgeschiedenen Örtchen, das die heute in Bad Hersfeld lebende Hobbyschreiberin immer noch gerne besucht, hätten beim Sammeln, beim Finden der Bedeutungen und bei der „Übersetzung“ geholfen.

Herausgekommen ist ein Büchlein mit kleinen Geschichten, an denen der Leser testen kann, ob er die Mundart versteht – zum Glück wird die Übersetzung mitgeliefert – und einer großen Menge Machtloser Begriffe. Die sind fein säuberlich geordnet nach verschiedenen Themengebieten wie „Ohziewerk on doss Dremrem“ (Kleidung), Bloasekopp on Källemensch“ (Schimpfwörter für Männer, Frauen und Kinder) oder „bann und bo“ (wann und wo) und viele mehr und innerhalb der Kategorien alphabetisch sortiert. Selbst Kenner der Materie und iengeflaischde Plattschwatzer werden hier Begriffe finden, die ihnen unbekannt oder zumindest seit langer Zeit in den Tiefen des Gedächtnisses verschollen sind.

Angefangen mit dem Schreiben hat Waltraud Viehmann-Moritz nach dem Tode ihres Mannes Ende der 90er Jahre. „Ich habe mir damals einfach alles von der Seele geschrieben und bemerkt, dass mir das guttut und dass es mir Spaß macht“, erzählt sie. Später hat sie eine Schreibgruppe in Gudensberg besucht und 2009 eine eigene Schreibgruppe in dem Bad Hersfelder Mehrgenerationenhaus initiiert.

Aus dieser Zeit stammen die Bücher „Gleich hinterm Sternenzelt“ und „Fährtensucherinnen“. Viehmann liebt die deutsche Sprache und besonders das Platt, das manchmal sehr derb, aber auch sehr feinfühlig und differenziert sein kann. „Mit zunehmendem Alter wird die Heimatliebe wieder lebendiger und größer“, begründet sie unter anderem ihre Motivation für das Schreiben dieses Büchleins.

Gerne wäre die heimatverbundene Sprachliebhaberin wieder nach Machtlos gezogen, ihr Lebenspartner wohnt aber lieber in der Stadt. Zu kaufen gibt es das kleine aber feine Büchlein für 9,80 Euro in der Hoehlschen Buchhandlung oder bei der Autorin direkt unter der E-Mail-Adresse: viehwa@jahoo.de

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