Interview: Burg-Herzberg-Geschäftsführer Gunther Lorz über sein Festival im Jahr vor dem großen Jubiläum

Burg-Herzberg-Festival: „Das Publikum war morbide“

Spielte mit seiner Band auch schon selbst auf dem Festival: Geschäftsführer Gunther Lorz. Foto: privat

Breitenbach/H. Nur wenige Monate nach dem Summer of Love im Jahr 1967 mit dem berühmten Monterey Pop Festival begannen im beschaulichen Breitenbach am Herzberg die Planungen für etwas, was 1968 so etwas wie das deutsche Woodstock werden sollte. Und das noch ein Jahr vor dem Original. Kurz vor dem großen Jubiläum sprachen wir mit dem Organisator, Geschäftsführer und Teilhaber des Burg-Herzberg-Festivals, Gunther Lorz.

Herr Lorz, im kommenden Jahr wird das Festival 50 Jahre alt. Spüren Sie die Gefahr einer Midlife-Crisis?

Gunther Lorz: Die haben wir zum Glück schon überwunden. Ab Mitte der 90er-Jahre waren wir für eine Zeit ein reines Oldie-Festival und eigentlich war ja schon früher das Konzept, auch jungen Bands eine Chance zu geben. Wir gehen jetzt wieder mehr in diese Richtung, auch wenn wir natürlich einen Act im Kaliber von Patti Smith dabei haben müssen.

Wie erklärt sich Ihnen denn, dass Jahr für Jahr tausende Menschen in die nordhessische Einöde pilgern, obwohl es in Deutschland inzwischen Festivals wie Sand am Meer gibt? 

Lorz: Erstens mit dem Publikum, zweitens mit der Friedlichkeit. Wir haben Gäste, die kommen seit 1968 und haben noch nie eine Schlägerei erlebt. Viele unserer Gäste genießen es, sich mal für eine Weile aus der Ellenbogen-Gesellschaft auszuklinken. Die Sehnsucht, einfach so zu sein, wie man will – das macht den Herzberg aus. Dazu kommt natürlich, dass wir eines der wenigen Festivals sind, das den Besuch mit Kindern fördert.

Ist es für Sie schwieriger, Künstler zu engagieren, wenn man davon ausgehen muss, dass kaum einer von denen wissen wird, wo Breitenbach liegt? 

Lorz: Wir haben da schon immer Glück gehabt. Zum Beispiel Patti Smith in diesem Jahr, der hat es beim letzten Mal einfach super gefallen, sodass sie gerne wiederkommt. Gerade aus den USA werden wir öfter direkt kontaktiert, weil Bands bei uns spielen wollen. In Amerika müssen die Künstler in bestuhlten Hallen spielen. Wenn sie tanzende Leute vor der Bühne haben wollen, dann müssen sie nach Europa kommen. Und da sind wir eine Top-Adresse, egal ob das jetzt Steppenwolf oder die Temptations sind. Die freuen sich über unser Hippie-Publikum.

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