Gelungene Premiere

Kleinanzeigen-Krieg bei Klarteckst auf der Hermannsbühne

Jubelnden A

Mit einem brillanten Stück feierten brillante Schauspieler eine brillante Premiere auf der Hermannsbühne im Theater-Treff der Laienspieltruppe „Klarteckst“ in Breitenbach/H.

„Der Teufel liest auch Kleinanzeigen“ heißt die Komödie in drei Akten von Bernd Spehling und hier – so kurz wie möglich – der Inhalt: Der Lufthansa-Pilot Marcel Freiherr von Hohenstein (Stefan Pistor) hat unverhofft einen Tag frei und will diesen zu einem ausgiebigen Schäferstündchen mit der bereitwilligen und fordernden Stewardess Natalie (Carina Becker) bei sich zu Hause nutzen.

Dort, weil die gerne trinkende Ehefrau Gracia (Ute Pistor) sich mit ihren Freundinnen gerade auf Sylt vergnügt. Hier wittert der erfahrene Theaterbesucher bereits einiges „Action-Potenzial“. Erst aber kommt Nachbar und Anzeigen-Fetischist Alfons Weidenhofer (Falk Stolle) ins Spiel. Der als Verfasser missverständlicher Kleinanzeigen berüchtigte Alfons hat, obwohl ihm Ehefrau Charlotte (Margret – Meggie – Eiler) das unter Scheidungsandrohung verboten hat, eine Anzeige „Bohnern klappt hinten und vorne nicht – suche Austausch mit Gleichgesinnten“ aufgegeben, und – damit die Ehefrau nichts merkt – die Adresse des vermeintlich leer stehenden Pilotenhauses als Treffpunkt angegeben.

Statt intimer Zweisamkeit bringen damit skurrilste Interessenten die Stewardess um ihr Vergnügen und den Piloten in kaum beherrschbare Turbulenzen. Da ist Wilko Kumpelsbach (Andreas Höhne), der seinen Kuhstallboden auf Hochglanz bohnern will, Beate Schnarkenheimer (Vanessa Alberts), Vertreterin für autonom fahrende Bohnermaschinen, Klaus Bernhard alias Klaus-Bärbel (Matthias Akva) ein Interessent mit „speziellen“ Vorlieben, die mystische Agathe Heiden (Laeticia Martin), die zum Glauben Mahatmas bekehren will, und irgendwo dazwischen tauchen auch noch der alles kaputt reparierende Handwerker Harri Eins (Heinrich Nuhn) und die begriffsstutzige Putzfrau Pauline (Brunhilde Höhler) auf, und natürlich kommt – wie von den Besuchern befürchtet – die Ehefrau viel zu früh nach Hause.

Was die Klarteckstler unter der Regie von Martin Jatho aus dieser Gemengelage auf die Bühne gebracht haben ist ausgesprochen sehens- und hörenswert. Mit großer Spiellaune, Gestik, Mimik und reichlich Wortwitz begeistern die Schauspieler ihr Publikum, sorgen immer wieder für herzhaftes Gelächter und heftigen Zwischen- und Szenenapplaus.

Die Protagonisten „spielen“ nicht, sie sind eins geworden mit ihren Rollen. Hier steht niemand nur auf der Bühne. Immer sind alle dabei, durchleben ihre Schicksale, sind eingebunden mit ihren Emotionen in die Situationen, seien sie noch so befremdlich oder surreal.

Präzise gesetzte Licht- und Toneffekte steigern die Wirkung und Geräusche und Dialoge aus dem „Off“ setzen bei den Besuchern ein Kopfkino in Gang, wie man es – selbst unter Inkaufnahme eines größeren Skandals – auf kaum einer Theaterbühne real umsetzen könnte, schon gar nicht auf der Provinzbühne einer Laienschauspielgruppe. Dass dabei Laeticia Martin, Matthias Akva und Andreas Höhne ihr Theaterdebüt geben, fällt dem Publikum nicht auf, ebenso wenig wie die zahlreichen Probleme während der Probenzeit. Mehrfach mussten die Rollen neu- oder umbesetzt werden. Erst eine Woche vor der Premiere hat Vanessa Alberts ihre Rolle übernommen und in dieser kurzen Zeit ihren Text nie und nimmer lernen können. So lässt man sich einen genialen Trick einfallen. Während die Schauspielerin auf der Bühne agiert, sitzt Meggie Eiler davor und intoniert den Text. „Full-Playback auf der Theaterbühne – in dieser Form vielleicht sogar eine Weltpremiere“, mutmaßt Jatho.

Stefan Pistor feierte seinen 60. Geburtstag auf Bühne.

Noch eine Notiz am Rande: Als sich am Ende aus dem tosenden Beifall in dem voll besetzten Saal langsam ein „Happy Birthday“ zum 60. Geburtstag von Stefan Pistor entwickelt, da muss selbst ein gestandener Mann und jahrelanger Theaterprofi ein Tränchen unterdrücken.

Dass dann Erfolg und Geburtstag in der extra langen Nacht ausgiebig gefeiert werden, versteht sich von selbst und wer jetzt neugierig geworden ist und schnell noch ein paar Restkarten ergattern möchte, findet alles Wissenswerte unter: www.klarteckst.de

Skurrile Begegnungen statt intimer Zweisamkeit

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