Nach Breitenbach/H. kommt man nicht nur wegen der Musik

Hippie-Treffen am Herzberg: „Die Menschen machen das Festival“

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Darleen und Stacy-Melissa aus der Rhön (Bild rechts) sind wegen der Menschen auf dem Festival.

An den beiden ersten Tagen des größten europäischen Hippie-Treffens unterhalb der Herzberg-Burgruine waren die Konzerte heiß und die Temperaturen noch heißer.

Die wahren Stars waren überdiese einmal mehr die Festival-Besucher.

Das sehen auch die Stars auf den Bühnen so. „Wir spielen für die Sterne, für Extraterrestrische und für Euch“, sagte die sichtlich bestens gelaunte Sophie Hunger, Hauptact am Donnerstagabend, die schon nach drei Songs im Applaus von circa 6000 Fans und derjenigen, die es an diesem Abend wurden, förmlich badete: „Ich kann das gar nicht glauben, dachte immer, das sei eine Erfindung, aber Euch gibt es tatsächlich!“

Das Wetter ist, wie es ist: Auf dem Bild oben kühlt Arian Zuschauerinnen ab. Darleen und Stacy-Melissa aus der Rhön (Bild rechts) sind wegen der Menschen auf dem Festival.

„Wir freuen uns auf das Konzert von Bukahara, aber eigentlich sind wir wegen der Menschen hier“, sagen Darleen und Stacy-Melissa. „Wir kommen aus der Rhön und sind auch schon am Dienstag angereist, um möglichst viel von der einzigartigen Atmosphäre mitzunehmen, Menschen kennenzulernen und mit ihnen das alles hier zu teilen“, sagt Melissa, die ein Schild um den Hals trägt, worauf steht, dass sie kostenlos Umarmungen verteilt. Für beide ist es nicht der erste Festivalbesuch, für Stacy-Melissa bereits der siebte. 

Dass es beim Burg Herzberg Festival nicht nur um Musik – und erst recht nicht um alte Hippie-Mukke – geht, sieht man an Veranstaltungen und Einrichtungen wie gemeinsamen Yoga-Übungen, einem Poiworkshop, einem Fußballturnier und natürlich dem Lesezelt, dessen Programm für Literaturfans an Attraktivität dem Musikprogramm in nichts nachsteht. 

Grüßt die Hippies: Sophie Hunger zum Auftakt.

Hier wurde zur Eröffnung am Donnerstag mit dem „Lesen für Bier“ von Suse Bock-Springer und Nils Früchtenicht eindrucksvoll der Zusammenhang zwischen Trink- und Hochkultur demonstriert: Die Gäste konnten Texte jeglicher Art vom Teenager-Tagebuch bis zur Examensarbeit einreichen, die von den Beiden vorgelesen wurden. War die Interpretation besser als der Text, ging das Bier an die Vortragenden, war der Text besser, bekam es die Person, die ihn mitgebracht hatte.

Während in Deutschland alle vom Wetter reden, ist das unter Hippies kein Thema. Das wird akzeptiert, wie es ist. Auch von den Gastro-Betreibern. „Fünf Liter Mineralwasser habe ich heute schon getrunken“, sagt Rishi, der zwischen mehreren großen Pfannen mit indischem Essen hin und her agiert, „was soll’s, den Kunden schmeckt es, da macht die Arbeit Spaß.“ Und noch etwas fällt im Hippieland auf: Die Mode ändert sich rapide. Statt Grateful Dead-, Jimi Hendrix- und Santana-, tragen immer mehr Freaks Motörhead-, Iron Maiden- und Metallica-Shirts. Ein für die Programm-Planer nicht zu übersehendes Zeichen.

Von Willie Ditzel

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