Neuere Bands und jüngere Besucher

Freundliche Übernahme: Burg-Herzberg-Festival wird von einer neuen Generation geprägt

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ls vor 50 Jahren das Hippie-Movement und die Love & Peace Bewegung ihre Anfänge nahmen, dürften sich die Eltern von Leona, Roberto, Donat und Lisa (v.l.) gerade kennengelernt haben.

Generationen prallen beim Burg Herzberg Festival in Breitenbach/H. nicht aufeinander, sondern leben und feiern „in der Familie“.

Die Musik der neueren Bands und der Musikgeschmack der jüngeren Festivalbesucher haben sich zwar verändert, ihre Lebensentwürfe und Ideale aber verfolgen sie mit der gleichen Energie und Empathie wie ihre Eltern.

„Ich leite jetzt seit zehn Jahren die Polizeiwache hier auf dem Festival und es wird immer noch von Jahr zu Jahr schöner“, sagt Polizeioberkommissar Oliver Vogt am Samstagabend. „Ich freue mich, wenn ich sehe, wie junge Menschen sich hier verhalten und den Geist der Hippie-Generation weiter leben und ich freue mich auch, dass sich jedes Jahr mehr junge Kollegen freiwillig zum Wochenenddienst auf dem Festival melden, weil das, was hier passiert, für sie einen Stellenwert hat.“

In der Tat verhalten sich die Menschen in der großen Herzberg-Familie anders als andere. Auf dem Gelände mit seinen 11 000 Besuchern (plus Kinder bis 14 Jahre) sieht es nach drei Tagen sauberer aus als nach so mancher Sommernacht in irgendeinem Stadtpark. An den Gastroständen gibt es keine Plastikbecher, Plastikbesteck oder Strohhalme, manche Anbieter bitten sogar die Besucher, mit ihren eigenen Gefäßen zu kommen.

Lea Stier aus Fulda ist zum ersten Mal auf dem Festival mit ihrem Stand, an dem es vegetarische und vegane ‚Stullen’ gibt. Etwas für Feinschmecker. Lea hat Ernährungswissenschaften studiert und längere Zeit beim Kochpabst und Sternekoch Alfons Schubeck praktiziert, dessen Gewürzmischungen und Zutaten sie auch verwendet. „Früher habe ich an einem Bierstand gearbeitet und eigentlich immer davon geträumt, eines Tages mal mit einem eigenen Angebot hier zu stehen.“ Reich wird sie damit nicht, „aber ich kann meine Leute bezahlen und das, was ich hier mache, mache ich aus Leidenschaft und Liebe.“

„Fast sechs Stunden“ aus der Schweiz angereist ist Lotta und das bereits zum dritten Mal in Folge. „Beim ersten Mal vor zwei Jahren hat es viel geregnet, aber es war trotzdem schön“, sagt sie. Sie mag gute Rock- und Weltmusik, kommt aber nicht wegen einer oder mehrerer Bands. „Das Festival ist einfach gut so, wie es ist.“ Das findet auch Julia, noch minderjährig, die mit ihrer Mama Gaby über die Festivalwiese geht und Fotos macht. Die Familie besucht mehrere Festivals im Jahr, „aber dieses liebe ich einfach“, sagt Julia und fotografiert weiter. Man sieht sehr viele Töchter und Söhne „auf’m Berch“ mit ihren Eltern, und in Gesprächen entdeckt man dann die Gemeinsamkeiten – sogar zwischen Hippies und Hipstern: Was für die Älteren der Jam ist, ist für die Youngsters der Rave, die einen hatten/haben ihre Love & Peace-Bewegung, die Jüngeren engagieren sich bei Fridays for Future, Animal Rights Watch oder im LGBTQ Movement.

Dieser „Spirit“ lebt nicht nur für vier Festivaltage, sondern wird in die Welt getragen, weiter gelebt und bekommt im nächsten Jahr wieder neue Impulse. Das Burg Herzberg-Festival 2020 findet vom 30. Juli bis 2. August statt. Save the date! wd

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