Petards organisierten die erste Veranstaltung

Burgmauer war die Bühne: Breitenbacher Burg-Herzberg-Festival wird 50 Jahre alt

Gemeinsam Musik erleben: Auch wenn es regnet und alles im Schlamm versinkt – so wie im vergangenen Jahr – auf dem Burg-Herzberg-Festival wird generationenübergreifend gefeiert. Foto: Wilhelm Ditzel

Breitenbach/H.  Vor 50 Jahren organisierte die Band Petards das erste Festival auf  Burg Herzberg – nach langer Pause ging es 1991 weiter. 

Ein Festival für deutschen Pop und Avantgarde-Musik ins Leben zu rufen, das war 1968 das Ziel der Petards, einer erfolgreichen Popband aus der Region. Bands wie GuruGuru, Embryo oder Can traten dort auf und das Festival wurde schnell ziemlich groß.

Anfangs war die Bühne auf der Burgmauer, berichtet Gunther Lorz in einem Interview mit Popkultur Bayern, Das würde heute so nicht mehr genehmigt werden.

Als das Festival immer größer wurde, ließ es sich für die Musiker der Petards dann nicht mehr mit ihrer eignen musikalischen Karriere verbinden und so war 1972 schon wieder Schluss mit dem Festival auf der Burg.

Burg Herzberg Festival 1968: Hippies waren damals noch nicht dabei, aber viele Musikfans aus der Region. Die ersten Festivals fanden noch auf dem Burggelände statt. Auch in den 90ern trafen sich die Hippies noch an der Burg.

1991 ließ eine engagierte Gruppe von Musikfreunden um den Fuldaer Kalle Becker das Festival dann wieder aufleben. Wieder wuchs es sehr schnell. In den ersten Jahren trafen sich Musiker und Fans noch auf und vor dem Burggelände, überwiegend um Oldies zu hören. Guru Guru, Angela Browne, Kevin Coyne und Supercharge, Embryo, Cityund Louisiana Red, Birth Control, Wolf Mahn oder die Groundhogs sind nur einige Namen von Bands, die damals mit dabei waren.

Mit 300 Besuchern ging es 1991 los, 1996 waren es 3000 und das Gelände an der Burg platzte aus allen Nähten. Deshalb zog das Festival dann um ins Tal. Mittlerweile werden jedes Jahr so um die 11 000 Tickets verkauft.

Besonderheit des Burg-Herzberg-Festivals ist auch, dass es hier kein Problem ist, wenn unbekannte Bands einfach auf dem Zeltplatz „Freak City“ auftreten. Und wenn das gut ankommt, haben sie die Chance, beim nächsten Mal richtig dabei zu sein.

Georg Dusenberg war 1968 beim ersten Burg-Herzberg-Festival dabei

Burg Herzberg Festival: Impressionen vom Wochenende Teil 1

Interview mit Geschäftsführer Gunther Lorz

Geschäftsführer Gunther Lorz

Die Stimmung ist entspannt und familiär. Doch hinter dem Burg-Herzberg-Festival, das in diesem Jahr 50 Jahre alt wird und für das wieder knapp 11 000 Tickets verkauft worden sind, steht eine professionelle Organisation. Verantwortlich dafür ist Geschäftsführer Gunther Lorz.

Herr Lorz, wie kommt man auf die Idee, ein solches Festival zu veranstalten?

Gunther Lorz: Als ich das erste mal hier war, hatte ich einen Weinstand, war aber so angetan von dem Festival, dass ich irgendwann auch Mitarbeiter wurde. Und jetzt bin ich mittlerweile Geschäftsführer.

Was ist das besondere am Burg Herzberg Festival? 

Lorz: Es ist unglaublich, dass sich hier Jahr für Jahr so viele Menschen treffen, um einfach friedlich und fröhlich eine Woche miteinander zu verbringen. Normalerweise sind Festivals ja verschrieen als Saufparties und das ist beim Burg Herzberg-Festival so überraschend, dass das halt einfach eine friedliche Zusammenkunft ist. 

Wie hat sich das so entwickelt? 

Lorz: Es gibt genug Menschen, die einfach ein Bedürfnis nach diesem friedlichen Zusammensein haben. Und die finden sich hier immer wieder.

Ist dieses Festival für Sie persönlich Lebenseinstellung oder Job? 

Lorz: Es artet in einen Job aus, vor allem um diese Jahreszeit (lacht). Das kann man ja gar nicht auf die leichte Schulter nehmen. Ich versuche schon, das auch persönlich zu halten, aber wir sind natürlich auch die Schnittstelle zu den Behörden. Da ist mit Lebenseinstellung nicht soviel anzufangen.

Wie viele Helfer sind im Einsatz, um den reibungslosen Ablauf des Festivals zu gewährleisten? Sind das Profis oder Ehrenamtliche? 

Lorz: Rein rechtlich gesehen sind wir eine GmbH (eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung, Anm. d. Red.). Wir müssen jeden und alles bezahlen. Da darf niemand für umme arbeiten. Wir haben aber viel outgesourct. Das Kinderland, zum Beispiel, das sind über 40 Mitarbeiter, die kümmern sich im Grunde selbst darum, wer dort arbeitet. Auch die Security, das sind ebenfalls mindestens 40 Leute, die sich selbst rekrutieren. Wir sind insgesamt 250 Mitarbeiter aus den verschiedensten Bereichen. Das sind alles Profis oder Leute, die bei uns schon seit vielen, vielen Jahren arbeiten.

Wie wählen Sie die Bands aus? 

Lorz: Dafür haben wir zwei Booker. Die machen sich da Gedanken. Das ist eine Wissenschaft für sich und ich bin froh, dass ich das nicht bin (lacht). Die müssen dann auch mit der Kritik leben, wenn’s den Leuten nicht gefällt. Aber dieses Jahr gefällt’s den Leuten wieder.

Kommen jedes Jahr andere Bands oder gibt es welche, die Jahr für Jahr wiederkommen? 

Lorz: Götz Widmann oder Orange sind Bands, die fast jedes Jahr auftreten und nach denen sehr gefragt wird. Und wenn Klaus der Geiger spielen will, dann tritt er auf.

Liegt der Schwerpunkt auf internationalen oder deutschen Künstlern? 

Lorz: Es ist schon international. Ursprünglich wurde das Festival 1968 ja von den Petards gegründet, um die deutsche Popmusik zu promoten. In der Mitte der 1990 waren wir ein reines Oldie-Festival. Jetzt sind wir eigentlich auf dem Weg, die deutsche Popmusik wieder zu pushen. Viele deutsche Bands treten auf: Selig, Sarah Lesch, Orange, Captain Peng. Da sind wir auf einem guten Weg, uns auch wieder um die deutsche Popmusik zu kümmern. Aber halt nicht das, was man überall im Radio hört. Es gibt so viele gute Bands, da haben wir gar nicht genug Platz dafür. 

Ist das Festival inzwischen größenmäßig an seine Grenzen gekommen?

 Lorz: Ja. Wir haben dieses Jahr noch eine Tageskasse, aber das hängt damit zusammen, dass das Wetter trocken ist. Wir haben jedes Jahr immer etwa die gleiche Anzahl von Besuchern und verkaufen so um die 11 000 Tickets. Und da kommen noch die Kinder dazu, die ja kein Ticket haben und freien Eintritt. Kinder sind auf dem Festival omnipräsent. Es gibt keinen Platz auf dem Gelände, wo man kein Kind sieht. Das hat, wie ich finde, einen sehr positiven Einfluss auf die Erwachsenen. Man kann auch nüchtern albern sein – das lernen wir von den Kindern.

Wie ist denn die Resonanz bei den Einheimischen? 

Lorz: Dadurch, dass wir letztes Jahr abgesoffen sind und die Leute auch in Breitenbach geparkt haben, haben sich viele persönliche Kontakte ergeben. Man kann so ein Festival nicht veranstalten, wenn die Gemeinde und der Bürgermeister nicht dahinterstehen. Die meisten finden es schön und kommen dann auch mal gerne.

Aber der größte Teil der Besucher kommt von weiter her, oder? 

Lorz: Ja, aus ganz Deutschland und Europa. Da sind viele Skandinavier dabei und auch viele Schweizer. Die sind andere Preise gewohnt, für die sind wir ein Schnäppchen.

Welche Musik hören Sie persönlich am liebsten? 

Lorz: Ich spiele selber in einer Band – Hell-O-Matic – und wir sind letztes Jahr in Wacken aufgetreten. Ich bin mehr der Metal-Fan. Auch die Metaller sind freundliche Menschen (lacht).

Was machen Sie denn, wenn das Festival vorbei ist? 

Lorz: Das nächste Festival vorbereiten. Vor und nach dem Festival geht Urlaub gar nicht. Man muss das alles erst mal abwickeln und im Oktober beginnt der Vorverkauf fürs nächste Festival. Das geht so in einem durch. 

Das Burg-Herzberg-Festival findet auf den Koppeln von Pferdezüchter Walter Robert statt

Zur Person

Gunther Lorz (50) ist Geschäftsführer der Herzberg Festival GmbH und ist seit 1994 dabei. Erst hatte er einen Weinstand, dann war er Mitarbeiter an der Kasse, seit 2004 ist er Geschäftsführer.

Das Burg Herzberg Festival 2018: Das Programm

Love and Peace heißt es wieder vom 26. bis zum 29. Juli beim Burg Herzberg-Festival das unterhalb der Burg bei Gehau stattfindet.

 Bereits am Montag werden die ersten Festivalbesucher anreisen, die zunächst auf einem Gelände namens „Neue Heimat“ campieren können. Ab Dienstag ist dann Freak City, das Festivalgelände geöffnet. 

Zum 50. Geburtstag gibt es am Mittwoch, 25. Juli, ein besonderes Konzert in der evangelischen Kirche von Breitenbach. Peter Hammill wird ab 20 Uhr dort singen und musizieren. Der 69 Jahre alte Hammill ist in vielen musikalischen Stilen zuhause und bekannt für seine anspruchsvollen Texte. 

Am Donnerstag beginnt das eigentliche Programm um 13.30 auf der Mainstage mit Yossi Fine & Ben Aylon - Blue Desert. Zu hören sind bis 2.30 Uhr unter anderem Kettcar, Simo und My SleepingKarma. 

Freitags geht es weiter mit Mokoomba, Käptn Peng & Die Tentakel von Delphi sowie Motorpsycho. Am Samstag spielen unter anderem Selig, The Waterboys und Orange. Am Sonntag ist Götz Widmann zu hören und zum Abschluss die Herzberg Blues Allstars. 

Daneben gibt es die Freakstage die Mentalstage und das Lesezelt. Der Vorverkauf ist abgeschlossen. Vor Ort gibt es noch wenige Tickes für 155 Euro, ansonsten Tageskarten.

Das vollständige Programm finden Sie

hier

. (zac)

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Quelle: HNA

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