Zuhause fühlen, wo alle anders sind

Burg-Herzberg-Festival: Die Hippies sind schon da, am Donnerstag beginnt die Musik

Lieben Elton John, Jimi Hendrix und Bier: Dominik, Mark, Dave und Simon aus Niederaula und Haunetal.

Am Donnerstag beginnt das Burg-Herzberg-Festival. Als erste Band spielt ab 13.30 Uhr "Love Machine". Viele Hippies sind jedoch schon vor Tagen angereist.

Ganz versunken spielt der junge Mann auf seiner Gitarre. Die Augen geschlossen, summt er leise vor sich hin. Um ihn herum sitzen auf alten Sofas und Sesseln, oder einfach auf dem Gras, viele Menschen. Junge und Ältere, viele bunt gekleidet, alle ganz entspannt, und summen mit. Vor der sengenden Sonne schützt sie ein großes Zeltdach.

Nur wenige Meter entfernt spielen ein paar Jungs aus Wiesbaden Karten. Insgesamt sind sie mit 14 Leuten angereist und freuen sich daran, gemeinsam unterwegs zu sein. 

Hier sind sie alle anders, freuen sich die Hippies aus Rheine, Angelika, Luca und Peter.

Das Burg-Herzberg-Festival ist nicht nur einfach ein Musikereignis, es ist ein Lebensgefühl. Luca, Peter und Angelika aus Rheine sind schon seit Montagabend da. „Das machen wir immer so, um hier ganz langsam reinzuwachsen“, erklärt Luca. „Man fühlt sich hier wie zuhause“ – nicht so wie in Rheine, sondern angekommen, wie bei Freunden. Er sei seit 2014 jedes Jahr dabei, erzählt Peter, weil er sich sofort in das Festival verliebt habe. Man könne hier mit jedem gleich einen Klönschnack halten. „Hier sind sie alle anders“, bestätigt Angelika, und dann flanieren die drei, vor der Sonne geschützt mit bunten Tüchern und Käppies, die Hauptstraße auf dem Festivalgelände entlang, offen für Gespräche und neue Bekanntschaften.

Lieben Elton John, Jimi Hendrix und Bier: Dominik, Mark, Dave und Simon aus Niederaula und Haunetal.

Dominik, Marc, Dave und Simon hatten keine so lange Anreise. Sie kommen aus Niederaula und Haunetal und besuchen das Festival, seit sie alt genug dazu sind. „Wir lieben Elton John, Jimi Hendrix und Bier“, erzählen sie.

Refugium: Helmut kommt seit 1995 zum Herzberg.

Helmut dagegen ist ein ganz alter Herzberg-Hase. Er hat seit 1995 kein Festival verpasst. Er sieht es als Refugium und als eine utopische Gesellschaftsvorstellung, zumindest für einige Tage. Er schätzt die Solidarität miteinander und auch, dass man sich umeinander kümmert – und auch um die Umwelt.

Das tut gut: willkommene Erfrischung aus dem Wasserkanister.

Auf dieses Umweltbewusstsein setzen auch die Organisatoren. Denn wegen der Trockenheit herrscht inzwischen Waldbrandwarnstufe 3, das heißt, es darf in der Nähe des Waldes nicht gegrillt werden. Geschäftsführer Gunter Lorz ist zuversichtlich, dass sich die Besucher daran halten werden – so wie sie auch nicht unnötig über das Gelände fahren, weil dann alle anderen eingestaubt werden. Regelmäßig Wasser versprühen, um den Staub zu binden, das sei leider nicht möglich, bedauert Lorz. Es sei ohnehin schon schwierig genug gewesen, 600 000 Liter Wasser in den Gemeinden in der Umgebung zu bekommen. In Folge der Trockenheit ist vielfach das Wasser knapp.

Den heißen Tag entspannt im Schatten verbringen Bente, Simon und Annika. Sie treffen sich jedes Jahr auf dem Burg-Herzberg-Festival. Fotos: Max Hebentanz/Christine Zacharias " Weitere Fotos gibt es auf hersfelder-zeitung.de

Das Gemeinschaftsgefühl schätzen auch Bente, Simon und Annika. Sie kommen aus Hamburg, Marburg und Kiefersfelden und haben sich vor Jahren auf dem Festival kennengelernt. Jetzt treffen sie sich dort immer wieder. Sie schätzen die Loslösung vom Egoismus. „Hier sorgt jeder für alle und nicht nur für sich selbst“, sagt Simon. Im wirklichen Leben ist er übrigens ganz seriös Schulleiter.

Von Christine Zacharias und Max Hebentanz

Burg-Herzberg-Festival: Die Hippies sind schon da

Kommentare