Aktion der Milchviehhalter

Bauern: „EU-Geld wird verpulvert“

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Protestaktion: Mit einem Gebläse verwirbelten die Landwirte Milchpulver, um auf die hohen Lagerbestände hinzuweisen, die auf den Markt drängen und so die Preise drücken. 

Fulda/Breitenbach/H. Zur Absicherung von Milcherzeugerpreisen hat Klaus Vetter (Breitenbach/H. ) vom Landesteam Hessen im Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM)  bei der Aktion unter dem Motto „Marktverantwortung statt Pulver-Irrsinn“ eine Mengendisziplin in der Milcherzeugung gefordert.

Die Aktion fand am Rande des Auftritts von Bundeskanzlerin Angela Merkel in Fulda statt, die die Milcherzeuger kritisch begleiteten. Mit einem großen Gebläse wurde in einer Gemeinschaftsaktion der BDM-Kreisteams Hersfeld-Rotenburg, Fulda und Vogelsberg auf dem Gelände des Hofes Claus Hillenbrand in Fulda-Lehnerz Milchpulver in die Luft gewirbelt, um symbolisch auf den Abbau von sich mittlerweile 360 000 Tonnen angehäufter Interventionsware und zusätzlicher Bestände in der privaten Lagerhaltung aufmerksam zu machen.

Die bisherige Strategie der Milchkrisen-Bekämpfung für Milchviehhalter habe fatale Folgen und sei dem Steuerzahler nur schwer zu vermitteln. EU-Geld werde regelrecht verpulvert, um in der Krise riesige Pulvermengen einzulagern. Noch weit über die akute Krise hinaus würden diese auf die Milchpreise drücken und den Bauern „wieder auf die Füße fallen“.

Die Milchkrise im vorletzten und vergangenen Jahr sei zwar vorüber und die Erzeugerpreise für Milch hätten sich erholt, betonten die Redner. Zahlreiche Betriebe gaben jedoch die Produktion des „weißen Goldes“ auf, anderen half die Politik mit Liquiditätsdarlehen. Jetzt könnten die Milcherzeuger mit einem Preisniveau von um die 36 Cent je Liter Rohmilch zwar ihre Direktkosten bestreiten und notwendige Reparaturen vornehmen, an eine notwendige Rücklagenbildung, die Weiterentwicklung der Betriebe oder die Rückzahlung der Finanzhilfen sei aber nicht zu denken.

Der angehäufte Milchpulverberg stehe dem entgegen und müsse schnell marktunschädlich abgetragen werden. Es müssten Voraussetzungen geschaffen werden, damit sich ein Szenario wie zuletzt nicht wiederhole. Sollte sich ein EU-Milchüberangebot wieder einstellen, wäre dies fatal.

Deshalb forderten Vetter und Jestädt in Krisenphasen Milchmengen einzudämmen statt übermäßig einzulagern, die Milchpulverberge jetzt unschädlich abzubauen sowie das bestehende EU-Sicherheitsnetz dauerhaft um die Möglichkeit der Milchmengenreduktion in schweren Krisen zu erweitern.

Es habe sich gezeigt, dass die Milchverarbeitungs- und Ernährungsindustrie im Krisenfall nicht guten Willens sei, Handlungsbereitschaft gegenüber den Landwirten zu zeigen, wodurch die Bauern das Marktrisiko alleine tragen müssten.

Eine sich so wiederholende Situation schwäche die Milchviehbetriebe weiter und damit auch vitale ländliche Räume sowie die Pflege der Kulturlandschaften. Es gelte auch, der Landjugend eine wirtschaftlich nachhaltige Perspektive zu geben. (bh)

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