Die Sonne war mit ihnen

Das 50. Burg Herzberg Festival war mehr als je zuvor ein Fest der Toleranz und Liebe

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Mareike und Ellie haben alles richtig gemacht. Viel trinken und zwischen den Konzerten immer mal wieder abkühlen - so wurde das 50. Burg Herzberg Festival zu einem viertägigen Urlaub unter Gleichgesinnten.

Breitenbach/H. 12.000 Hippies aus ganz Europa schlugen in den vergangenen Tagen am Fuße der Burg Herzberg in Freak City ihre Zelten auf und feierten eine große Party.

Breitenbach/H. „Anno 2018 waren sie wieder da, die Wandervögel, zogen dahin, auf Wallfahrt...“ zum „Berch“ mochte man in Anlehnung an den alten Song von Franz Josef Degenhardt sagen, als am Wochenende 12 000 Hippies aus ganz Europa am Fuße der Burg Herzberg in Freak City ihre Zelten aufschlugen und die Party ihren Lauf nahm.

Der Liedermacher prangerte 1971 zur Blütezeit der ersten Hippie-Bewegung in seinem Song unterschwellig an, dass die Blumenkinder nach dem Motto „Friede, Freude, Eierkuchen“ kritiklos und unter Einnahme gewisser Substanzen in einer Parallelwelt leben würden.

Wie drastisch sich das geändert, ja nahezu ins Gegenteil verkehrt hat, konnte man die vergangenen vier Tage zum 50. Geburtstag des größten europäischen Hippie-Treffens auf und vor den Bühnen erleben. Man hatte stellenweise den Eindruck, dass die dritte Hippie-Generation mehr für den Frieden in der Welt, für Völkerverständigung, Rassen- und Geschlechter-Gleichheit und natürlich die Ökologie tut, als die Politiker.

Geändert hat sich auch der Kleidungsstil. 50 bis 60-Jährige laufen heute in Ramones-Shirts herum, die Jüngeren tragen Shirts von Metal-Bands. Das Festival-Programm bedient sie mit Hip-Hop und Stoner-Rock, mit Bands, die beweisen, dass man zeitkritische Themen durchaus in tanzbare Musik verpacken kann.

Denn natürlich ist man zusammen gekommen, um zu feiern und unter Gleichgesinnten eine gute Zeit zu haben. „Ich kann dir gar nicht sagen, wie gut es uns hier geht“, sagt Marco, der seinen dreijährigen Sohn auf der Schulter trägt. Nadine, die von der Schwäbischen Alb nach Mittelhessen gekommen ist, kannte das Festival bisher nicht. Schon nach ein paar Stunden fühlt sie sich in Freak City zuhause und strahlt, umarmt nach einem kurzen Gespräch einen Menschen, den sie vorher nicht kannte. Man hat festgestellt, dass man auf einer Wellenlänge liegt. Sie posiert vor dem riesigen Banner, auf dem ein Fotograf Menschen aus der Festival-Geschichte in Portaits mit dem Peace-Zeichen festgehalten hat. Mit Menschen wie ihr wird diese Geschichte weitergehen.

Ein neuer Trend ist auch, dass viele Hippies gegen 19 Uhr ins Bett gehen... ...um gegen 23 Uhr wieder aufzustehen und dann bis in die frühen Morgenstunden vor den Bühnen weiter zu tanzen. Vielleicht gibt es ja schon bald eine Techno-Stage. Würde jedenfalls passen.

Und was sagt dazu Arno Dittrich, der mit seiner Band The Petards vor 50 Jahren das erste Burg Herzberg Festival veranstaltet hat? „Es ist ein wahnsinnig gutes Gefühl, alle Jahre wieder zu erleben, dass der Gedanke, dass die Lebensentwürfe für die wir rebelliert haben, überlebt haben und hoffentlich weiter zu einer besseren Welt beitragen.

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