Kreistag diskutiert die 380-KV-Trasse: Werden Störche besser geschützt als Menschen?

Schwarz lackierte Fischreiher

Hersfeld-Rotenburg. Ob es im Wald von Ludwigsau nun schützenswerte Schwarzstörche oder nur schwarz-lackierte Fischreiher gibt, wie der FWG-Abgeordnete Dr. Kurt Schreiner – freilich nicht ganz ernst gemeint – unterstellte, konnte der Kreistag nicht abschließend klären. Dennoch wurde engagiert über einen Antrag Schreiners debattiert, der heftige Kritik am Vorgehen des Regierungspräsidiums (RP) in Sachen Trassenverlauf der 380-KV-Leitung übte.

„Die Bevölkerung soll mit ‘kann-Bestimmungen’ ruhig gestellt werden, und die Behörden gehen rücksichtslos gegen die Interessen der Bevölkerung vor“, wetterte Schreiner. Seine Kritik entzündete sich am Umgang des RP, der die von Ludwigsau favorisierte alternative Wald-Tangente nicht geprüft habe (wir berichteten).

Dem widersprach der Grüne Jörg Althoff. „Es fällt mir schwer den Regierungspräsidenten der CDU zu loben, aber er hat die Bürgerinitiativen einbezogen und gehört“, sagte Althoff. In dem jetzt geplanten Parallelverlauf der neuen und der bereits vorhandenen Trassen lägen große Vorteile, weil beide von der Wohnbebauung abgerückt werden sollen. Statt dies zu akzeptieren „zaubert Ludwigsau eine neue Waldtangente aus dem Hut“. Althoff, der selber Forstwirt ist und in Biedebach lebt, versicherte, es gebe in der Region unter Naturschutz stehende Schwarzstörche und bot Schreiner an, ihm die Horste zu zeigen. Ähnlich äußerte sich auch SPD-Fraktionschef Manfred Fehr. Er stellte fest, das „Abrücken“ der bestehenden Leitungen habe die Akzeptanz für das Projekt im Rohrbachtal gesteigert, weil die Bevölkerung entlastet werde.

Unzufrieden mit dem Verfahren zeigte sich CDU-Fraktionschef Herbert Höttl. Trotz aller Anhörungen sei man keinen Schritt weiter gekommen. Auch er verlangte, dass alle Trassenvorschläge geprüft werden müssen, betonte aber, dass der Kreistag selbst keine Einflussmöglichkeiten habe.

Sein Parteifreund Walter Glänzer, Bürgermeister der ebenfalls tangierten Gemeinde Neuenstein: „Wir werden alles versuchen, um unsere Vorschläge umzusetzen“, kündigte er an. Das Schutzgut Mensch müsse mit dem der Natur gleichgestellt werden. Dies sei das legitime Recht der Gemeinde Ludwigsau.

An Ausschuss überwiesen

Antragssteller Schreiner will sich mit den Aussagen des RP nicht zufrieden geben. „Ludwigsaus Vorschläge müssen geprüft werden“, fordert er. Die Trassenbetreiber von TenneT wollten Geld verdienen und richteten ihre Planungen ganz daran aus, kritisierte er. Einstimmig wurde Schreiners Antrag auf SPD-Vorschlag an den zuständigen Ausschuss des Kreistages überwiesen. (kai)

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