Bisher vergeblich

Von der Netcom vergessen: Gewerbegebiet Obergeis wartet aufs schnelle Internet

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Modernes Gebäude, lahmes Netz: Der Geschäftsmann Fritz Stang aus Obergeis wartet seit Jahren auf schnelles Internet für sein Firmengebäude in Obergeis im Gewerbegebiet „Am Koppelstück“. Fotos: Christine Zacharias

Aktualisiert am 8. März um 13.30 UhrObergeis - Obwohl ein Multifunktionsgehäuse quasi direkt vor der Haustür steht, wartet eine Firma in Obergeis bisher vergeblich aufs schnelle Internet. 

FritzStang hat die Nase voll. Seit Jahren wartet er auf einen schnellen Internetanschluss für sein Firmengebäude im Gewerbegebiet „Am Koppelstück“ in Obergeis – bisher vergeblich.

Gebaut hat Fritz Stang vor fünf Jahren. Vor zwei Jahren dann wurde im Zuge des Breitbandausbaus in Nordhessen, der von den Landkreisen getragen wird, auch für Neuenstein schnelles Internet in Aussicht gestellt. Am 6. Juni 2017 schloss Stang einen Vertrag über einen Telefon- und Internetanschluss mit der Firma Netcom in Kassel ab, die nach der Verlegung der Kabel die Anschlüsse übernehmen sollte. Das 280 Meter Luftlinie von seiner Firma entfernt liegende Multifunktionsgehäuse (MFG) ging am 21. Juli 2017 in Betrieb.

Danach passiert erst einmal gar nichts. Immer wieder rief Stang bei Netcom an, erinnert er sich. Immer wieder wurde ihm versichert, man werde sich um sein Anliegen kümmern und es weitergeben. Doch das ist offensichtlich nicht geschehen. Auf Nachfrage räumt die Netcom Kassel ein: „Leider hat Netcom den Vertrag erst am 17. Juni 2018 bearbeitet, dafür bitten wir um Entschuldigung.“

In der Zwischenzeit hat Stang erst einmal seinen Vertrag mit der Telekom verlängert, er wollte schließlich nicht gänzlich ohne Telefon und Internet, auch wenn es langsam ist, dastehen. Und er griff zu, als schließlich die Telekom ihm im Herbst 2018 einen Internetanschluss anbot. Was Stang nicht wusste und was die Telekom ihm nicht sagte, war, dass seine Firma nicht an das neu verlegte Breitbandkabel angeschlossen werden sollte, sondern an deren Hauptverteiler, der sich 5,3 Kilometer entfernt in Raboldshausen befindet. Als der Telekom-Techniker ihm mitteilte, dass der Anschluss wenig Sinn mache, da mit einer maximalen Bandbreite von 2 MBit/s zu rechnen sei, verzichtete Stang dankend. Seitdem wird er in den Unterlagen von Telekom und Netcom als Anschluss-Verweigerer geführt. „Ich habe nichts verweigert, der Telekom-Techniker ist von selber wieder gegangen“, ärgert sich Fritz Stang. Ungezählte Anrufe bei der Netcom blieben ohne Ergebnis.

Von der Netcom Kassel kann er nun auch nicht mehr über das MFG in der Nachbarschaft mit den erhofften bis zu 50MBit/s versorgt werden, erklärt deren Pressesprecherin.

Das Multifunktionsgehäuse (MFG) fürs schnelle Inte rnet liegt etwa 230 Meter Luftlinie von Fritz Stangs Firma entfernt. Die Baukosten bis dorthin muss er selber tragen.

Letzte Möglichkeit für Fritz Stang ist nun, so die Netcom, auf eigene Kosten eine Glasfaserleitung zum MFG legen zu lassen. „Dadurch wären dann auch mehr als 50 MBiT/s möglich. Das habe ein Mitarbeiter der Netcom ihm am 4. Februar mitgeteilt, sagt die Pressesprecherin. „Mit mir hat niemand gesprochen“, sagt Fritz Stang. „Es kann doch nicht sein, dass ich hier im Gewerbegebiet ein erschlossenes Grundstück kaufe und jetzt selbst für die Bauarbeiten zahlen muss“, ist der Unternehmer empört.

Wenn er bei der Netcom anruft, wird ihm mitgeteilt, man werde sein Anliegen weitergeben und sich kümmern. Passiert ist nach wie vor nichts.

So reagiert Netcom:

 „Wir nehmen in unsere Verantwortung, viel zu spät reagiert zu haben. Wir übernehmen aber nicht die Verantwortung, dass Herr Stang Internet von der Telekom bezieht“, heiß es in einem Schreiben von Pressesprecherin Heidi Hamdad. Sie sagt, Netcom habe nach dem Sommer 2018, also mehr als ein Jahr nach dem Vertragsabschluss, mehrfach und dokumentiert versucht mit Fritz Stang Kontakt aufzunehmen, um eine mögliche Lösung für ihn zu erarbeiten. Darauf habe Stang nicht reagiert „Insofern wurde er, anders als Ihre Überschrift lautet, nicht „Von der Netcom vergessen““, meint die Pressesprecherin. Als einzige Lösung könne man ihn nun lediglich anbieten, dass er selbst die Kosten für seinen Anschluss an das näher gelegene MFG zu tragen habe. (zac)

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