Andacht auf dem Eisenberg

Mit Traktoren durch ganz Neuenstein gepilgert

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Eine Pilgerreise mit Traktoren durch alle Neuensteiner Ortsteile und mit einer Andacht auf dem Eisenberg hatte die Vikarin des dortigen Kirchspiels, Dorothee Becker, für Palmsonntag organisiert. Statt an Bord des hinter ihr stehenden vollklimatisierten High-Tech-Treckers absolvierte sie die fast sechsstündige Fahrt bei eiskalten Temperaturen als Beif ahrerin auf dem alten Deutz von Erich Möhl ohne Kabine an der Spitze des Konvois.

Eine Pilgerreise mit Traktoren durch alle Neuensteiner Ortsteile hatte Vikarin Dorothee Becker für Palmsonntag organisiert. Auf dem Eisenberg gab es eine Pause mit Andacht.

Wenn sie schon zu Ehren des triumphalen Einzugs von Jesus in Jerusalem pilgerten, dann hätte ihnen der liebe Gott, oder zumindest sein Gehilfe Petrus, ein angenehmeres Wetter spendieren können. Aber nein, mit Temperaturen im unteren einstelligen Bereich, trübem Himmel und einer steifen Brise wurde der klerikale Traktorkonvoi am Sonntagmittag auf dem Gipfel des Eisenbergs nicht gerade freundlich empfangen.

So war wohl das Wetter schuld, dass sich statt der angemeldeten mehr als 40 Teilnehmer nur rund 30 Traktoren am Vormittag des Palmsonntags in Neuenstein-Obergeis zu der christliche Rundfahrt durch die Ortsteile der Kommune auf den Weg machten. Quer durch Untergeis, vorbei an der Kulturscheune Gittersdorf erreichte der Pilgerzug gegen Mittag den Eisenberg.

Weil man dem Herren in unserm Kreis nicht näher kommen kann als auf dem 636 Meter hohen Berg – zumindest solange man „bodenständig“ bleibt – wurde hier eine Fahrpause mit einer kleinen Andacht von Vikarin Dorothee Becker eingelegt. Die Vikarin hatte die Pilgerreise mit einigen Helfern auch vorbereitet und organisiert, nachdem in Anlehnung an das kreisweite Traktorpilgern vor zwei Jahren immer wieder Anfragen aus dem Kirchspiel an sie heran getragen worden waren. Bereits im November vergangenen Jahres hatten die Vorbereitungen begonnen und Pfarrer Michael Zehender ließ die Vikarin mit der zur Ausbildung gehörenden Organisation einer Großveranstaltung gewähren.

Auch am Sonntag hielt er sich vornehm zurück. Dass ihm aber die Teilnahme mit einem geliehenen Schlepper und damit seine ersten Erfahrungen als Traktor-Pilot reichlich Freude bereiteten, zeigten das nicht endende Lächeln in seinem Gesicht und der Glanz in seinen Augen. Erleichternd kam für den Mann der Kirche hinzu, dass „sein“ Traktor über eine beheizbare Kabine verfügte, ein Luxus, der den meisten anderen Teilnehmern verwehrt blieb.

Der Weg zurück führte dann über Salzberg, Raboldshausen, Saasen, einem Umweg über Mühlbach nach Aua und von dort zu dem Ausgangspunkt in Obergeis. Hier fand dann nach fast sechs Stunden in der evangelischen Kirche ein Gottesdienst statt. Begleitet von Posaunenchor und Orgel stellte Dorothee Becker noch einmal den Palmsonntag in den Fokus, den Einzug Jesus in die Heilige Stadt auf einem Esel, die laut Johannesevangelium frenetische Begrüßung mit Palmwedeln, auf der Straße ausgebreiteten Kleidungsstücken und dem jüdischen Jubelruf „Hosianna“. Und schließlich stellt der letzte Sonntag vor Ostern auch das Ende der Fastenzeit dar und läutet die Karwoche, oder auch „Stille Woche“ ein, die acht Tage später am Ostersonntag endet. Ob, wann, wie und wo die unterkühlten Traktoristen ihre Körper wieder auf normale Betriebstemperatur brachten und damit gegebenenfalls auch einer aufkeimenden Erkältung entgegen wirkten, wurde leider nicht näher kommuniziert ... (lö)

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