300 Meter unter dem Meer

Karl-Heinz Knott fuhr mit dem Motorrad zum Halbmarathon nach Norwegen

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Mit Startnummer 4235 ging Karl-Heinz Knott in den Halbmarathon durch den Tunnel in Stavanger. Am Ende kam er auf Platz 3108 und brauchte mit zwei Stunden und 20 Minuten fast doppelt so lang wie der Sieger.

Karl-Heinz Knott aus Salzberg ist mit dem Motorrad nach Norwegen gedüst, 21 Kilometer durch einen Tunnel gerannt und dann 1250 Kilometer wieder nach Hause gefahren.

Karl-Heinz Knott aus Neuenstein ist mit dem Motorrad nach Norwegen gedüst, dort 21 Kilometer durch einen Tunnel gerannt und dann die 1250 Kilometer wieder nach Hause gefahren.

Kürzlich wurde der Ryfastløpet Marathon zur Einweihung des 14,3 Kilometer langen Ryfylketunnels und des 5,7 Kilometer langen Hundvågtunnels in der westnorwegischen Küstenstadt Stavanger ausgetragen. 

„Als ‘der weltweit erste unterseeische Marathon’ sei das Ereignis in der längsten unterseeischen Straßentunnelanlage der Welt beworben worden“ erzählt Knott „und als ich davon erfahren habe, war mir sofort klar: Da muss ich dabei sein und ich habe mich umgehend angemeldet“.

Bei Dauerregen mit Motorrad nach Norden

Am Donnerstagmorgen wird die BMW K 1300 S startklar gemacht und bei Temperaturen im einstelligen Bereich und Dauerregen geht’s ab Richtung Norden. In Hirtshals am nördlichen Ende Dänemarks endet nach 870 Kilometern die erste Etappe. 

Am nächsten Morgen geht es erst mal mit der Fähre nach Kristiansand, ehe die restlichen knapp 400 Kilometer bis zum Ziel unter die Räder genommen werden. Ankunft Stavanger: Freitagabend. Es regnet, aber es bleibt noch Zeit die Rennunterlagen und die Startnummer abzuholen.

Beim Frühstück am Samstagmorgen trifft der 56-Jährige einen Mitstreiter aus Hamburg. Dann geht es bei strahlendem Sonnenschein und drei Grad plus zu Fuß zum Tunnelportal. Jetzt ist Warten angesagt. Immer 500 Läufer starten im Fünf-Minuten-Abstand. Alles ist perfekt organisiert. Um 12.42 Uhr beginnt für den Salzberger die Reise. 

Die knapp sechs Kilometer durch den kleinen Tunnel sind mehr zum Einlaufen. Danach gibt es 500 Meter Frischluft mit Anfeuerung von ungezählten Zuschauern und dann geht es in die lange Röhre. Zehn Kilometer gleichmäßig bergab. Schlecht für die Knie und Waden. Und man muss aufpassen, dass man nicht zu schnell wird. Kräfte gut einteilen ist oberstes Gebot.

Die eintönige Tunnelwand bietet keinerlei optische Reize. Alle zwei bis drei Kilometer gibt es einen Verpflegungsstand und Dixi-Klos. Zwei Bands sind installiert. Ihre Beats schallen kilometerweit durch den Schacht. Knott hat seine eigene Musik in den Ohrstöpseln. 

Von Klassik bis Rock, aber immer mit antreibendem Rhythmus. Zwischendurch mahnt der Verstand. Jeder der 400 Meter bergab muss auf dem letzten Drittel der Strecke wieder erklommen werden. Mit 292 Metern unter dem Meer ist dann der tiefste Punkt erreicht. Knott sucht sich Mitstreiter. 

Am liebsten solche, die geringfügig langsamer sind als er. Auf- und Überholen fördert die Motivation. Dass er selbst eingeholt wird ignoriert er einfach. Er überholt seinen „Kumpel“ aus Hamburg, der zehn Minuten vor ihm gestartet ist. 

Ein weiterer Motivationsschub. Und dann kommt der Anstieg. Fünf Kilometer, sieben Prozent und mehr Steigung. Immer mehr Teilnehmer stehen, kauern oder sitzen am Streckenrand. Andere haben ihr Tempo auf Sonntagnachmittagspaziergang reduziert.

Kurz vor der Aufgabe ein Schimmer Tageslicht

Drei Kilometer vor dem Ziel müssen die Ohrstöpsel raus. Die Musik motiviert nicht mehr, sie nervt nur noch. Kurz vor der Aufgabe, der erste Schimmer Tageslicht. Nur eine Fata Morgana? Wunschdenken? Nein, noch ein paar Minuten weiter und das Licht am Ende des Tunnels ist sichtbar. 

Der Körper mobilisiert die letzten Reserven und jetzt weiß Knott, er hat es geschafft, er wird das Ziel erreichen, egal wie weh die letzten Meter tun. Am Ende belegt er Platz 3108 mit einer Zeit von 2:21:41, eine Stunde und zwölf Minuten hinter dem Sieger aus Äthiopien. 

Wie schwer der Lauf war, zeigt, dass von den 7500 Startern nur 5330 in die Wertung kommen, als Letzter ein Norweger mit vier Stunden und 46 Minuten.

Auf der Shuttle-Fähre zurück trifft er einen Mann, der an der Planung des Tunnels beteiligt war und der berichtet ihm, dass es diesen Marathon wahrscheinlich nicht noch einmal geben wird. Ein Grund mehr stolz zu sein und der Teilnehmerplakette einen ganz besonderen Platz in der Trophäensammlung zukommen zu lassen. (lö)

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