Laufen, bis die Sonne kommt

Nachtwanderungen durch das Rotkäppchenland von Schloss Neuenstein bis Homberg

Unterwegs im dunklen Wald: 23 Kilometer bergauf und bergab legen die Nachtwanderer zurück. Das Foto von Matthias Hucke zeigt Gruppe vom 29. Juni an einem der vielen Aufstiege. Fotos: RKL

Neuenstein. Vier Nachtwanderungen zwischen Schloss Neuenstein und der Hohenburg über Homberg/Efze hat der Tourismusverband Rotkäppchenland in diesem Jahr angeboten. 

Unser Reporter Bernd Löwenberger sprach mit der Geschäftsführerin Heidrun Englisch, die selbst eine Tour begleitete, über Fakten und Erfahrungen:

Start aller Touren in den Vollmondnächten 29. und 30. Juni und 27. und 28. Juli war jeweils das Schloss Neuenstein. Nachdem die eigenen Autos an dem Treffpunkt in Homberg (für die Heimfahrt) abgestellt worden waren, man per Bus den Start erreicht und nach einer deftigen Stärkung noch den Sonnenuntergang bewundert hatte, ging es für die jeweils 35 Wanderfreunde gegen 22 Uhr auf Schusters Rappen endlich auf die rund 23 Kilometer lange Strecke. Nach einem kurzen Bergabstück wartete dann bereits die erste Herausforderung, ein langer, steiler Aufstieg zum so genannten Predigerstuhl, mit 508 Metern der höchste Punkt der Tour, etwa auf halber Strecke zwischen Startpunkt und dem ersten Etappenziel Wallenstein.

Bis dahin ging es dann nur bergab bis auf 324 Meter, etwa 30 Meter niedriger als der Startpunkt in Neuenstein. Etwa gegen Mitternacht trafen alle von zwei bis drei erfahrenen Wanderführern geleiteten Gruppen hier ein. Im „Strandbad Nr. 1“ verhalfen in einer kleinen Pause in idyllischer Atmosphäre alkoholfreie, dafür aber vitaminreiche und stärkende Smoothies zu neuer Kraft.

Die war dringend nötig, denn bis zum nächsten Ziel, dem Wildpark Knüll musste, wieder in einem teilweise steilen Anstieg, ein 460 Meter hoher Bergrücken überwunden werden. Hier kamen die Gruppen gegen zwei Uhr morgens an und eine nächtliche Führung durch den Park verlängerte den Weg zum Ziel. Die Gruppen am 29. Juni und 27. Juli erlebten hier eine spannende Wolfsfütterung, für die beiden Gruppen an den jeweiligen Folgetagen war das aus Gründen der artgerechten Tierhaltung leider nicht möglich. Nach einem starken Kaffee als Motivationsschub ging es danach auf die letzte Etappe.

Schwere Strecke: Mittels eines großen Profil-Banners erklärte der Tourführer Matthias Hucke (rechts), der die Strecke auch ausgearbeitet und festgelegt hatte, schon mal, was da auf die Wanderer zukam. Gehalten wurde das Banner von Manfred Englisch und (verdeckt) Daniel Teppe.

Nach einem Stückchen bergab und einem Stück bergauf wartete dann die größte – zunächst mehr mentale – Kraftprobe auf die meisten Teilnehmer. Als der Wald den Blick auf die Homberger Burg frei gab, war die fast zum Greifen nah. Davor aber lag das tiefe Tal der Efze. Also hieß es erst mal Abstieg bis an den Fluss, den tiefsten Punkt der Tour mit 212 Metern und dann noch einmal gut einen Kilometer wirklich steil bergauf bis auf 346 Meter. Im Vergleich zu Startpunkt entsprach das einem Verlust von zehn Höhenmetern, erschöpft aber glücklich und zufrieden ob der eigenen Leistung erreichten alle Teilnehmer die Burg, wenn auch nicht immer vor Sonnenaufgang, aber auch dann entschädigte der herrliche Ausblick für die Strapazen, und selten hätte ein Frühstück so gut geschmeckt wie an diesem Morgen, haben die meisten Wanderer erzählt.

Jede Tour war anders, hatte ihre eigene Stimmung und wurde von den Teilnehmern höchst unterschiedlich wahrgenommen, weiß Heidrun Englisch aus vielen durchweg positiven Erfahrungsberichten. Gemein war allen Touren gutes Wetter. Besonders im Juli war es sehr warm. Und alle Touren sind ohne Zwischenfälle verlaufen, auch wenn auf Grund der schwierigen Strecke manch einer an seine Grenzen kam.

Glühwürmchen und Geheul

In der Nacht des 30. Juni berichten viele von ungezählten Glühwürmchen, die sie durch den Wald begleiteten und von dem unvergesslichen Heulen des Wolfsrudels im Wildpark. Die Mondfinsternis am Abend vorher hat indes bei den Wandersleuten nur wenig Eindruck hinterlassen können.

Wer jetzt das Gefühl hat, etwas versäumt zu haben, der kann sich auf nächstes Jahr freuen, auch da sollen wieder einige Nachtwanderungen angeboten werden.

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