Bereichert an fremdem Honig

Imker Ahmed Tilli wurden neun Bienenvölker gestohlen

+
Ahmed Tilli (rechts) aus Aua ist traurig, dass ihm Honig und Bienenstöcke gestohlen worden sind. Imkerkollege Adam Fischer (links) unterstützt ihn.

Neun Bienenvölker sind dem Imker Ahmed Tilli Aus dem Neuensteiner Ortsteil Aua an zwei verschiedenen Standorten gestohlen worden. 

Die Imkerei ist Ahmed Tillis große Freude. Mit Hingabe und auch Talent kümmert er sich um seine Bienenvölker, hegt und pflegt sie, achtet darauf, dass es ihnen gut geht und dass sie keine Krankheiten haben. „Er behandelt seine Bienen geradezu zärtlich“, erzählt Adam Fischer, der seit 30 Jahren mit dem in Aua lebenden Türken kurdischer Abstammung befreundet ist und ihm auch das Imkerhandwerk vermittelt hat. Auch sein erstes Bienenvolk hat Tilli von Adam Fischer erhalten.

Nun ist Ahmet Tilli traurig und entsetzt. Neun seiner Bienenvölker sind im Zeitraum zwischen Ende März und Ende April an zwei verschiedenen Standorten bei Saasen gestohlen worden, mitsamt den Beuten. An einem dritten Standort in der Gemarkung Obergeis waren 15 von 22 Bienenvölker verschwunden, keine einzige Biene war mehr zu finden, auch keine Brut.

Es ist nicht das erste Mal, dass Ahmet Tilli bestohlen wurde. Vor einem Jahr hatte jemand aus einem Bienenstock bei Aua fast alle vollen Honigwaben entnommen und durch leere Waben ersetzt. „Da können nur Fachleute am Werk gewesen sein“, vermutet Fischer. Er ist empört darüber, dass jemand die Anständigkeit und Gutmütigkeit seines Freundes ausnutzt, um sich zu bereichern.

Ahmed Tilli hat offensichtlich eine Vermutung, wer ihm da geschadet haben könnte. „Aber das habe ich nicht mit eigenen Augen gesehen. Da will ich niemanden verdächtigen“, sagt Tilli. Dieses Grundprinzip, niemanden auf einen Verdacht hin zu beschuldigen, hat er von seinem Vater übernommen, erzählt er. Dabei wäre es relativ einfach, seine Bienenbeuten zu identifizieren. Ahmet Tilli hat sie selbst gebaut und mit einigen typischen Kleinigkeiten versehen, anhand derer sie sofort zu erkennen wären. Doch Tilli sieht keine Möglichkeit, bei einem Bekannten nachgucken, ob der vielleicht seine Bienen gestohlen hat, ohne ihn offen zu verdächtigen. Und das will er nicht.

„Ich bin immer mit allen gut ausgekommen“, erzählt der alte Herr, der jahrzehntelang als Aushilfe gearbeitet hat und nun in Rente ist. Durch eine Umarmungsgeste verdeutlicht er, wie gut das Verhältnis zu allen Kollegen und Bekannten war. Nachts liegt Ahmet Tilli nun oft wach und muss weinen, weil es ihn so belastet, dass jemand ihm Böses will.

Für Tilli ist die Imkerei nicht nur ein geliebtes Hobby, sie ist auch ein Nebenerwerb. Denn von seinen wenigen hundert Euro Rente und den geringen Einkünften seiner Frau können die beiden gerade so leben. Sie wollen aber auch den in der Türkei lebenden Sohn und dessen Familie unterstützen.

Auf Adam Fischers Rat hin hat Ahmed Tilli den Diebstahl, der sich vermutlich während eines Krankenhausaufenthaltes Ende März/Anfang April ereignete, inzwischen bei der Polizei angezeigt (wir berichteten). Der Schritt an die Öffentlichkeit fällt ihm nicht leicht, doch er hofft, dass sich vielleicht jemand findet, der den Diebstahl beobachtet hat und sich bei der Polizei meldet. Als zusätzlichen Anreiz für Zeugen hat Adam Fischer eine Belohnung ausgesetzt. Die soll der- oder diejenige erhalten, der Hinweise gibt, die zur Aufklärung des Diebstahls beitragen.

Hintergrund: Bienenbeute

Bienenbeute bezeichnet die reine Behausung der Bienen ohne Bewohner. Zum Bienenstock wird die Bienenbeute erst, wenn Bienen eingezogen sind. Die Beute gehört, neben der Honigschleuder, zu den wichtigsten Handwerkzeugen des Imkers. Die meisten Bienenbeuten bestehen aus mehreren Modulen, sodass einzelne Waben herausgenommen werden oder der Innenraum aufgeteilt werden kann, um ein Volk zu teilen. Bienenbeuten sind häufig Holz- der Kunststoffkisten.(Quelle: honig-und-bienen.de) zac

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare