Frohe Botschaft für Menschen in den Dörfern

Im Himmelfahrtsmobil unterwegs durch Neuenstein

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Ganz nah bei den Menschen: Theologiestudentin Lea Müller und Pfarrer Michael Zehender machten aus der Corona-Not eine Tugend und verkündigten die Himmelfahrtsbotschaft im Geistal „mobil“. Unser Bild zeigt sie bei Familie Rudolf und Elisabeth Böttcher am Sportfeld. 

Pfarrer Michael Zehender ist einer der Pfarrer, die auf die ihnen anvertrauten Menschen zugehen. Die sich etwas einfallen lassen.So war es auch am Himmelfahrtstag.

Um kurz vor halb zehn macht Zehender sich auf dem Pfarrhof mit der Obergeiser Theologiestudentin Lea Müller, die zur gleichen Zeit auf den landeskirchlichen Onlinekanälen mit Pfarrerin Maike Westhelle in einer vorproduzierten Videoandacht zu sehen ist, auf zur diesjährigen Himmelfahrtstour. „In den vergangenen Jahren sind die Leute immer zum Eisenberg gewandert oder gefahren, um dort Gottesdienst zu feiern und dem Himmel ganz nahe zu sein“, berichtet er. „Dieses Jahr ist das angesichts der vielen, coronavirusbedingten Einschränkungen nicht möglich, und deshalb bringen wir die Himmelfahrtsbotschaft zu den Leuten nach Hause.“

Wie das geht? An gleich dreizehn gut sichtbaren Stationen in Obergeis, Aua, Untergeis und Gittersdorf macht der Gemeindehirte mit seinem als „Himmelfahrtsmobil“ ausgestatteten Auto mit der Trompete spielenden Lea Müller Halt, um zu singen und „kurz und kräftig“ zu verkündigen, um was es beim Feiertag Christi Himmelfahrt geht. Erste Station ist der Pfarrhof, wo den beiden Boten Gottes Ehefrau Corinna Zehender mit Sohn Johannes sowie – auf einem benachbarten Balkon – Sieglind Möhl zuhören und sich über das morgendliche Treffen freuen. „Da berühren sich Himmel und Erde“, spielt Lea, und der gut aufgelegte Pfarrer intoniert voller Freude alle drei Strophen.

„Seid alle herzlich gegrüßt, wir verkündigen Euch die frohe Botschaft heute vor Ort. Lasst Euch an Jesu letzte Begegnung mit seinen Jüngern erinnern und an seinen Auftrag, in alle Welt zu gehen und die frohe Botschaft zu verbreiten.“ Weiter betont Zehender: „Gerade heute soll uns bewusst werden, dass wir alles vor Gott bringen können, Fröhliches und Schweres, überall sind wir mit ihm verbunden.“

Nächste Station ist das Backhaus, wo sich Thilo Hoffmann mit seinen Kindern Jonas und Melina über das kreisweit einmalige Duo freut: „Das ist ein Super-Team, und die ganze Aktion ist irgendwie auch eine Super-Kombination aus kirchlichem Himmelfahrtstag und weltlichem Vatertag!“ Am Sportfeld steht Familie Rudolf, und auch Elisabeth Böttcher, eine der Aktivsten der Gemeinde, ist beglückt über den Besuch.

So geht es immer weiter, am Brunnen vorbei in Richtung Aua und dann nach Untergeis und Gittersdorf. Am Ende resümiert Pfarrer Zehender: „Es war einfach wunderbar. Viele Menschen standen vor der Tür, im Vorgarten oder auf dem Balkon und haben der Himmelfahrtsbotschaft andächtig gelauscht. Es gab Applaus, lächelnde Gesichter, winkende Menschen an den Straßenrändern. Für mich war es eine ganz intensive Erfahrung: Kirche kommt zu den Menschen und bringt ihnen die frohe Botschaft und den Segen direkt nach Hause.“

Von Wilfried Apel

Mit Abstand verbunden

Auch in der Bad Hersfelder Stiftsruine wurde Himmelfahrt gefeiert, wenn auch in ungewohnter Form:

„Nur gucken, nicht anfassen – nur gucken, atmen und staunen“, mit diesem Satz leitete Pfarrer Frank Nico Jaeger seine Ansprache im Himmelfahrtsgottesdienst in der Stiftsruine ein. Und dieser Satz kennzeichnete auch die äußere Situation während des Gottesdienstes: Knapp 70 Besucherinnen und Besucher hatten sich eingefunden, um mit Abstand und Mundschutz, aber immerhin unter freiem „offenem“ Himmel gemeinsam Christi Himmelfahrt zu feiern.

Jaeger rief die Gemeinde dazu auf, staunend innezuhalten, das wohltuende Gefühl dabei auszukosten und mit mehr „Luftigkeit im Sinn“ auf die Welt zu blicken. Auch das Stiftsruinengefühl an sich war ungewohnt für die Jahreszeit, zu der in den Vorjahren bereits Bühne und Bestuhlung für die Festspiele aufgebaut und auch die Probenarbeit für die Festspiele bereits in vollem Gang waren. 

Stiftsruine pur und mit Abstand: Vikar Philipp Huber (links) begrüßte die Besucherinnen und Besucher des Himmelfahrtsgottesdienstes.

So gab es „Stiftsruine pur“, den besonderen Ort zur besonderen Zeit: Stühle für die Gottesdienstbesucherinnen und -besucher kamen nur vereinzelt zum Einsatz und die eindrucksvolle Architektur mit den charakteristischen Bögen, durch die der blaue Himmel leuchtete, kam besonders gut zur Geltung, auch wenn die Sprecher gelegentlich gegen den lautstarken Protest der benachbarten Nilgänse ankämpfen mussten. 

Auch der Satz „Der offene Himmel ist in uns, auch und gerade jetzt“ – mit dem Vikar Philipp Huber, der gemeinsam mit Pfarrer Holger Grewe den liturgischen Rahmen setzte, die Besucher begrüßt hatte, bekam dabei eine ganz neue Bedeutung. Anja Staab, Wilfried Radick und Michael Brossart vom Posaunenchor des CVJM und der Evangelischen Kirche in Bad Hersfeld begleiteten den Gottesdienst in sicherem Abstand von der hinteren Empore aus.

Gesungen wurde, wie auch in den anderen Gottesdiensten in den evangelischen Kirchen der Region nicht. Trotzdem wurde spätestens in den Fürbitten deutlich, dass das Herstellen der Verbundenheit in der Distanz ein wichtiges Anliegen des Gottesdienstes war.

Von Ute Janßen

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