Serie: Die Kirche im Dorf lassen

Gittersdorf: Eine Kirche, die Menschen Schutz bietet

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Das moderne Kirchenfenster zeigt den heiligen Geist, der in Gestalt einer Taube zur Gemeinde kommt.

Kirchen sind der Mittelpunkt eines jeden Dorfes. In unserer Serie stellen wir in loser Folge Gotteshäuser aus der Region vor – heute die Gittersdorfer Kirche.

„Als Kolumbus Amerika entdeckte, da hatte Gittersdorf schon seine Kirche!“, sagt Uwe Hohmann, der über 30 Jahre Kirchenvorstandsmitglied war, mit Genugtuung, ja mit gewissem Stolz.

Laut Untersuchungen der Holzjahresringe sei die Erbauungszeit des Fachwerkobergeschosses und der Dachkonstruktion auf das Jahr 1495 angesetzt worden.

Schmuck renoviert: Die alte Wehrkirche von Gittersdorf. 

Wahrscheinlich wurde die Dorfkirche aber bereits im 12. bis 14. Jahrhundert erbaut und steht umgeben von einer alten Trockensteinmauer inmitten des ehemaligen „Totenhofes“. Reste von Wehranlagen unter dem Dach deuten darauf hin, dass das Gebäude auch als Zufluchtsort für die Einwohner gedient hat.

Durch eine Spitzbogentür im Westen betritt man den saalartigen Gottesdienstraum. Unvermittelt geht der Blick zu drei großen, farbig gestalteten Fenstern im Altarraum. Diese Buntfenster wurden 2008 eingesetzt und zeigen bildlich die Trinität: Im mittleren Fenster „Gott, der barmherzige Vater, der den heimkehrenden Sohn umarmt“, im linken Fenster „Gott, der Sohn, im Licht der Auferstehung als Zeichen der christlichen Hoffnung“ und rechts „Gott, der heilige Geist, in Gestalt einer Taube zur Gemeinde kommend“.

Die bunten Fenster waren ein Wunsch der Kirchengemeinde und des Kirchenvorstands, die dafür in ganz vielen Aktionen mit großem Engagement Geld und Spenden sammelten.

Uwe Hohmann weist auf das alte Sakramentshäuschen hin.

Beim Gang durch das Kircheninnere weist Uwe Hohmann, der viele Jahre als Lektor wirkte, auch auf das Sakramentshäuschen in der Nordwand hin. „Hier wurde zu katholischen Zeiten der Behälter für das Gefäß mit der geweihten Hostie aufbewahrt“.

Betrachtet man die vielfältigen Glaubensmanifestationen der Kirche, so lassen sich alte Elemente neben moderner Gestaltung finden, und zwar in sehr geglückter Harmonie.

Da die älteste der beiden Glocken aus dem Jahr 1504 stammt, hat diese demzufolge bereits seit über 500 Jahren die Gitterdorfer zum Gottesdienst gerufen und ihnen bei den besonderen Anlässen im Leben geläutet.

Die altehrwürdige, im Jahr 2001 schmuck renovierte Kirche gehört zur evangelischen Kirchengemeinde Neuenstein – Amt Geis. Seit über zehn Jahren ist Pfarrer Michael Zehender für die Gemeinde zuständig. bm

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