Goldklumpen als Türstopper

Der erste Goldsucher der USA kam aus Neuenstein

+
Reed Gold Mine: Heute ist die Goldmine in der Nähe von Midland, North Carolina, ein Museum, in dem man nicht nur unterirdische Stollen erkunden, sondern auch selbst nach Gold suchen kann.

Neuenstein. Der erste Goldrausch in den USA wurde von einem Deutschen ausgelöst. Er stammte aus Neuenstein. Der Goldrush ereignete sich 1799 in North-Carolina.

Der erste Mann, der in den USA Gold gefunden hat, stammt aus dem Neuensteiner Ortsteil Salzberg. Die Geschichte ist so kurios, dass sie auf dem Kurznachrichtenportal Twitter die Runde machte.

Tatsächlich war es Conrad Reed, der Sohn von John Reed, der im Jahr 1799 das Gold fand. Der Zwölfjährige spielte mit Geschwistern an einem Bach und entdeckte einen gelben, glänzenden Stein im Bachbett. Den 17 Pfund (7,7 Kilogramm) schweren Stein brachte er mit nach Hause, wo er drei Jahre lang als Türstopper diente, bevor sein Vater ihn einem Juwelier zeigte. Der kaufte ihm das Gold für 3,50 Dollar ab, obwohl es einen Wert von 3600 Dollar gehabt hätte. Nach heutigen Preisen (36,11 Euro für 1 Gramm) wäre der Goldklumpen 278.000 Euro wert. Weitere Goldfunde machten aus Reed einen reichen Mann und entschädigten ihn für die erste Fehleinschätzung.

Goldklumpen: Unser Bild zeigt ein 4.1 kg schweres Gold Nugget, das im August 2016 in Australien gefunden wurde. Der Goldklumpen, den Conrad Reed 1799 im Bach fand, wog 7,7 Kilogramm. Er diente der Familie jahrelang als Türstopper.

Doch von Anfang an: Johannes Reith oder Ried, da gibt es unterschiedliche Angaben, war am 14. April 1759 als unehelicher Sohn von Anna Elisabeth Reith aus Salzberg und Johann Jakob Helmerich aus Niederneuenstein, einem Hof nordwestlich von Saasen und der Burg Neuenstein, geboren.

Die Familie Reith hatte seit mehreren Generationen in Salzberg und Raboldshausen gelebt und war arm. Johannes hat nie lesen oder schreiben gelernt und wurde 1773 in Raboldshausen konfirmiert. Als 16-Jähriger wurde Johannes Reith im Jahr 1776 für die Armee des Landgrafen Friedrich II von Hessen-Kassel rekrutiert, ob als Freiwilliger oder unter Zwang ist nicht bekannt, und nach Amerika geschickt, um die Engländer unter König George III, ein Schwager des Landgrafen, dabei zu unterstützen, die Rebellion in der Kolonie niederzuschlagen.

Das Militärleben hat Reith, wie vielen anderen Hessen auch, offenbar nicht gefallen. Am 21. Juni 1782 desertierte er von seinem Regiment in der Nähe von Savannah und schlug sich nach North Carolina durch, wo im damaligen Mecklenburg, dem heutigen Cabarrus County viele Deutsche lebten. Seinen Namen änderte er in John Reed.

Dort heiratete er ein Jahr später Sarah Kiser oder Kizer (früher Kaiser), die 21 Jahre alte Tochter einer der bekanntesten Familien in der Gegend. Die beiden bekamen neun Kinder und erarbeiteten sich eine profitable Landwirtschaft.

Doch dann passierte die Sache mit dem Goldklumpen. Im Gegensatz zu vielen anderen Farmern, die nach Goldfunden leichtsinnig wurden, ging Reed sehr konservativ an die Sache heran. Er führte seine Farm weiter, tat sich aber im Jahr 1802 oder 1803 mit drei Partnern zusammen, um das Edelmetall auf seinem Grundstück zu gewinnen. Schriftliche Unterlagen über diese Partnerschaft gibt es nicht. Alle Partner waren honorige Bürger: Sein Schwager Frederick Kiser, der Baptistenprediger James Love und Martin Phifer jr., ein aus der Schweiz stammender Geschäftsmann.

In der Goldmine wurden auch Sklaven als Arbeitskräfte eingesetzt. Reed war schließlich einer der größten Sklavenhalter der Region. Die Gewinne teilten sich die Partner zu gleichen Teilen. Immer wieder wurden große Goldklumpen gefunden mit Gewichten bis zum 28 Pfund (12,7 Kilogramm) deren Wert sich heute auf etwa 459.000 Euro beliefe. Die Reed-Goldmine galt bald als eine der reichsten in der Region.

John Reed starb am 28. Mai 1845, ohne noch einmal in seine Heimat zurückgekehrt zu sein. Drei Jahre zuvor hatte er die amerikanische Staatsbürgerschaft angenommen. Im Kirchenbuch von Salzberg findet sich jedoch ein Hinweis auf sein Beerdigungsdatum. Vermutlich hat jemand von seiner amerikanischen Verwandtschaft die deutschen Angehörigen informiert.

Quelle:

Stevenson, William. „John Reed.“ In Immigrant Entrepreneuership: German-American Business Biographies, 1720 to the Present, Vol. 1, herausgegeben von Marianne C. Wokeck. German Historical Institut.

Hintergrund:

Nach John Reeds Tod wechselte die Goldmine, in der seit 1831 auch unterirdisch goldhaltiges Gestein abgebaut wurde, mehrfach den Besitzer. 1912 wurde sie geschlossen. Das letzte große Goldstück (Nugget) war 1895 gefunden worden. Insgesamt sind alleine an Nuggets mehr als 45 Kilogramm Gold dort gefunden worden. Heute ist die Reed Goldmine ein Museum. Teile der unterirdischen Tunnel wurden restauriert. Ein Besucherzentrum zeigt Goldnuggets und historische Gerätschaften, und es gibt einen Film über den ersten Goldfund. Mit Veranstaltungen werden auch inhaltliche Schwerpunkte gesetzt. So gibt es einen Vortrag über die Sklavenarbeit in der Mine.

Hier gibt es Informationen zur alten Goldmine.

Kommentare