Nach Urlaub in Tirol

Corona-Quarantäne: Zu zweit ganz allein zu Haus

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Einkaufen ist nicht nötig: Vor ihrer Rückkehr aus dem Zillertal habe die Hemels Proviant für die Zeit zu Hause besorgt. Auch die Zeitung kommt noch jeden Tag.

Nach einem Urlaub in Tirol haben sich Silvia und Karl-Heinz Hemel für zwei Wochen in freiwillige Quarantäne begeben.

Wer hat sich nicht schon mal gewünscht, mehr Zeit zu Hause verbringen zu können. Doch wenn man dann plötzlich gezwungen ist, zu Hause zu bleiben, sieht das Ganze plötzlich anders aus. Wir haben mit Silvia Hemel gesprochen, die vorsorglich in Corona-Quarantäne weilt.

Eine Verabredung mit Bekannten in Südtirol hatten Silvia und Karl-Heinz Hemel aus Obergeis in weiser Voraussicht abgesagt. Einem Aufenthalt im Zillertal, wo die beiden Obergeiser eine Ferienwohnung besitzen. schien zunächst jedoch nichts entgegenzustehen. Nun befinden sich Silvia und Karl-Heinz Hemel für 14 Tage in Quarantäne, vorsorglich und freiwillig sozusagen. Denn in der Zwischenzeit wurden beispielsweise auch im Skigebiet Zillertal-Arena Beherbergungsbetriebe und Bergbahnen geschlossen.

Silvia Hemelaus Obergeis

„Als wir losgefahren sind, galt die Region noch nicht als Risikogebiet“, berichtet Silvia Hemel, die vielen als Leiterin der Bad Hersfeld Tafel und Bahnhofsmission bekannt ist. Als sie bei einem letzten Restaurantbesuch am vergangenen Donnerstag dann aber auf die bevorstehenden Schließungen aufmerksam gemacht worden seien und wenig später der Aufruf von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn kam, dass sich Rückkehrer aus Italien, Österreich und Spanien für zwei Wochen freiwillig in Quarantäne begeben sollen, hätten sie sich der Situation natürlich angepasst.

Karl-Heinz Hemelaus Obergeis

Aus dem Zillertal wurde noch Proviant mitgenommen. Nach der Rückkehr in die Heimat meldeten sich die Hemels dann gleich beim Gesundheitsamt und wenig später sei schon ein Rückruf gekommen. Ein Corona-Test sei indes nicht für notwendig erachtet worden, erzählt Silvia Hemel. Denn: „Wir hatten und haben keine Symptome.“ Sollten doch noch welche auftreten, stelle sich das Ganze natürlich anders dar.

Die Hemels halten sich im Haus oder im Garten auf, das Grundstück verlassen sie nicht. Die Nachbarn sind informiert und hätten auch sofort angeboten, für sie einzukaufen, was dank des Proviants aus dem Zillertal und Vorräten im Haus wie Bauernbrot aus dem Obergeiser Backhaus und der obligatorischen Stracke im Keller aber nicht nötig sei. „Wenn es trotzdem an der Tür klingelt, können wir durch ein Fenster in der Nähe, aber mit ausreichend Abstand kommunizieren“, so Silvia Hemel. Um sich selbst mache sie sich im Übrigen weniger Sorgen, sie fürchte vielmehr, unabsichtlich Überträger des Virus zu sein und will andere nicht gefährden. Zum Thema „Hausarrest“ hat sie deshalb auch eine klare Meinung: „Ich würde mir wünschen, dass es andere auch so machen. Alles andere ist unverantwortlich.“

Ihr Mann appelliert ebenfalls an alle, die sich in einer ähnlichen Situation befinden, zu Hause zu bleiben. Und betrachtet die selbst auferlegte Quarantäne ganz pragmatisch: „Wenn wir dazu beitragen können, die Bundesgesundheit stabil zu halten, tun wir das.“ Noch haben die Hemels genug zu tun und bisher weder Langeweile, noch Streit. Wie es dann in ein paar Tagen aussehe, müsse sich noch zeigen ...

„Ich versuche, abzuarbeiten, was bisher liegen geblieben ist und was geht“, sagt Silvia Hemel. Auch ihr Mann, der normalerweise im Außendienst tätig ist, arbeitet derzeit im Homeoffice. „Wir sind positiv eingestellt, haben Bücher und drei Fernseher“, verrät die Tafel-Leiterin lachend. Dank Telefon, E-Mail und WhatsApp sei auch Kommunikation heutzutage zum Glück kein Problem. Nächsten Samstag sei die Quarantäne nach 14 Tagen hoffentlich vorbei. „Dann habe ich einen Friseurtermin.“(nm)

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