Runder Geburtstag

Sport hielt sie jung: Waltraut Källner aus Friedlos wird 100

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Wird heute 100 Jahre alt: Waltraut Källner. 

Auch wenn man es ihr nicht ansieht: Ihren 100. Geburtstag feiert am 5. August Waltraut Källner aus Friedlos. 

Ob es daran liegt, dass ihre Ur-Ur-Ur-Großmutter Jahn nicht nur dem Turnvater Jahn, sondern auch dessen Bruder, Waltraut Källners Ur-Ur-Großvater Jahn, das „Sport-Gen“ vererbt hat, und dass es bis zu ihr weitervererbt worden ist?

Wie Turnvater Friedrich-Ludwig Jahn hat Waltraut Källner, die heute ihr 100. Wiegenfest feiert, immer gerne Sport getrieben. Dabei ist sie „einfach so“ immer älter geworden. Was ihr keiner glaubt, denn mit fast jugendlicher Leichtigkeit bewegt sie sich in ihrem hoch über Friedlos gelegenen Haus mit Garten und vom einen Ende des Dorfes zum anderen.

Sie erzählt voller Dankbarkeit, wie sich ihr ereignisreiches Leben gestaltet hat: Wie sie als Tochter des Pfarrers Waldemar Boden und dessen Ehefrau Jenny am 5. August 1919 in Groß-Walditz im niederschlesischen Kreis Löwenburg als zweites von drei Kindern auf die Welt gekommen ist, wie sie groß geworden ist, welche Schulen sie besucht hat, und wie es sich dann eines Tages im Zweiten Weltkrieg gefügt hat, dass Ernst Källner, ein guter Klassenkamerad ihres Bruders Walter, vor der Tür stand, um dem Gefährten einen Urlaubsbesuch abzustatten.

Schon bald freundeten sich auch Waltraut und Ernst an und im vorletzten Kriegsjahr läuteten die Hochzeitsglocken. „Ein neues Leben begann“, erinnert sich die Jubilarin in ihrem für die Geburtstagsfeier verfassten Gedicht. Leider nicht nur in positiver Hinsicht, denn Waltraut musste vor den heranrückenden Russen fliehen. Zunächst verschlug es sie nach Österreich, und dann, als Deutsche auch dort das Land verlassen mussten, nach Wiesbaden. In der Pension von „Tante Belly“ fand sie eine Bleibe, und bei den Amerikanern bald auch Arbeit. Lachend erzählt sie, wie sie unter anderem als blondes „Candy-Girl“ in einem Kino Süßwaren verkaufte. Als ihr Ehemann Ernst aus Gefangenschaft heimgekehrt war, gründete sie zusammen mit ihm ein Puppentheater, mit dem die beiden rund um Wiesbaden auftraten. Gleichwohl absolvierte Ernst in Weilburg auch eine Lehrerausbildung, um der jungen Familie, die sich im Laufe der Zeit um die Kinder Christine und Karin vergrößerte, eine sichere Grundlage zu schaffen. Nach bestandenem Examen hieß es „Ab nach Meckbach!“, wo Källners herzlich aufgenommen und die jungen Töchter immer wieder mit Schmeckewöhlerchen versorgt wurden.

Nach der Berufung von Ernst zum Rektor der 1968 in Friedlos fertiggestellten Mittelpunktschule, ließ sich die Familie im „Hasendorf“ nieder. Die Jubilarin gründete eine Kinder-Gymnastikgruppe, und im Laufe der Jahre rief sie in Friedlos, Mecklar und Meckbach mit großem Erfolg Damen-Gymnastikgruppen ins Leben. Noch immer bestehen herzliche Verbindungen.

Nach ihrem Rezept für ein langes und glückliches Leben befragt, sagt die Jubilarin, der heute auch vier Enkelsöhne gratulieren: „Viel Bewegung, eine gute Lebenseinstellung, viel mit Menschen reden und immer wieder ein Ziel vor Augen haben!“ Für Waltraut Källner ist das diesen Sommer der erstmalige Besuch von Lanz, der Heimat der Jahns, wo sie sich im westlichsten Zipfel Brandenburgs das Stück Elbland anschauen möchte, das ihr ihre Mutter vererbt hat. (apl)

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