„Eine Chance fürs Wahnsinnsprojekt“

SPD-Mehrheit spricht sich für Ortsumgehungsvariante für Friedlos aus

Friedlos. Einigkeit herrschte bei den Ludwigsauer Gemeindevertretern, als es darum ging, etwas für die Sicherheit der in Friedlos die Bundesstraße 27 überquerenden Fußgänger zu tun.

Auf Antrag der BfL, den der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Wolfgang Weber kurz begründete, soll der Gemeindevorstand prüfen, inwieweit der Ordnungsbehördenbezirk Hersfeld-Rotenburg nach Wegfall des „Blitzers“ am nördlichen Ortseingang von Friedlos verkehrsüberwachende Maßnahmen in den Ampelbereichen „Bahnhof“ und „Apotheke/Arztpraxen“ ausführen kann. Die BfL hatte an die Installierung von „fototechnischen Anlagen“ gedacht.

Auch mit Blick auf den seit fast 40 Jahren geforderten Bau der Ortsumgehung Friedlos, der laut Verkehrsminister Tarek Al-Wazir „nicht zum prioritären Projektierungskontingent bis 2021“ gehört, war man sich dem Grunde nach einig, dass etwas getan werden muss.

Sowohl Heino Stange, der weit ausholte, detailliert auf alle Planungsprozesse einging und eine erneute Demonstration auf der B 27 anregte, als auch Heinrich Fink beklagten den Ist-Zustand. Uneins waren sie sich lediglich bei der Bewertung der aktuell favorisierten Umgehungsvariante 6.3.

Diese würde in Bad Hersfeld in Höhe von Schade und Sohn vom Überführungsbauwerk B 27/Bahn leicht ansteigend an den Giegenberg herangeführt, von dort aus in einer Kurve B 27 und Bahn überqueren, auf der dann zu verlegenden Fulda beziehungsweise im Fuldatal weitergeführt bis nach Friedlos-Nord/Höhe Abzweigung Besengrund-Landesstraße, wo sie erneut über die Bahn hinweg an die bestehende B 27 angeschlossen würde.

Fink sprach von einem „rund 70 Millionen Euro teuren, verschlimmbessernden Wahnsinnsprojekt“. Demgegenüber ordnete er die mit drastischen Eingriffen in die Bausubstanz verbundene Umgehungsvariante 4 als zwar hochproblematisch, aber bis zu einem gewissen Grade realistisch ein. Bei ihr würde die zwischen Bahn und B 27 befindliche Häuserzeile komplett so „verwendet“, dass für Lärmschutz gesorgt werden könnte. „Da muss man mit den Eigentümern reden. Wenn sie nicht mitmachen, gibt es keine Umgehung!“, resümierte der langjährige Vorsitzende der örtlichen Bürgerinitiative gegen den B-27-Lärm.

Letztendlich wurde bei Stimmenthaltung der BfL der von der SPD eingebrachte Antrag, eine baureife Planung der Ortsumgehungsvariante 6.3 zu erarbeiten und im Projektkontingent 2017 bis 2021 unterzubringen, verabschiedet. „Manchmal haben nur Wahnsinnsprojekte eine Chance auf Umsetzung“, sagte Peter Schütrumpf (SPD), der Vorsitzende der Gemeindevertretung. (apl)

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