Beim Spaziergang mit dem Hund

Schreck beim Gassigehen: Heike Becker begegnete im Wald bei Emmerichsrode ein Wolf

Das Bild zeigt Frank Pauleikhoff und Heike Becker auf einer Bank. In der Hand hält der Mann ein Handy, auf dem eine Wärmebildaufnahme zu sehen ist, die er vom Wolf gemacht hat.
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Nicht die erste Sichtung: Frank Pauleikhoff, ein Bekannter von Heike Becker, zeigt auf seinem Handy eine Wärmebildaufnahme, die er vom Wolf gemacht hat.

Der Schreck sitzt bei Heike Becker immer noch tief: Beim Spaziergang mit ihrem Hund im Wald bei Emmerichrode begegnete ihr ein - wie sie sagt - die Zähne fletschender Wolf.

Ludwigsau - Gemeinsam mit ihrem Schäferhund (Appenzeller Mix) spazierte die 54-Jährige vor Kurzem gegen 10 Uhr durch den Wald bei Emmerichsrode, als plötzlich ein Rascheln im Gestrüpp zu vernehmen war, wie sie berichtet.

Kurze Zeit später stand er zehn Meter vor ihr: Der Wolf. Etwas größer als ihr Hund. Die Zähne gefletscht. Heike Becker zögerte nicht lang und wollte den Anblick mit dem Handy festhalten. „Das würde mir ja sonst keiner glauben, dachte ich“, sagt sie in der Nachbetrachtung. Doch statt eines Fotos bleibt ihr nur der Schrecken. Denn prompt, als sie ihr Handy aus der Tasche genommen hatte, zog ihr Hund, der ebenfalls die Zähne fletschte, an der Leine und das Handy plumpste auf den Waldboden. Als sie es wieder in den Händen hielt, war der Wolf schon wieder im Dickicht verschwunden.

„Das war erschreckend“, sagt Heike Becker über ihre Wolfsbegegnung. „Jetzt gehe ich nicht mehr allein durch den Wald – auch nicht mit meinen Hunden.“ Neben dem Schäferhund besitzt sie noch einen Bayerischen Gebirgsschweißhund. Zuvor war sie fast jeden Tag mit den Hunden im Wald unterwegs.

Ihr Bekannter Frank Pauleikhoff, Jagdpächter von Oberthalhausen, kann ihre Sorge nachvollziehen. „Für mich ist es ein gruseliges Gefühl, zu wissen, dass der Wolf anscheinend nicht scheu ist“, erklärt der 50-Jährige. Auch er habe schon etliche Male in den Ludwigsauer Wäldern Wölfe gesichtet.

Mit einer Wärmebildkamera hat er sogar Videos gedreht vom Wolf bei der Wildschweinjagd. Doch so nah wie Heike Becker ist er ihnen noch nicht gekommen. „Ich sitze auf meinem Hochsitz, da bemerken mich die Wölfe nicht“, sagt Pauleikhoff.

Ihn besorgt das Wolfsaufkommen, das seit Anfang dieses Jahres immens zugenommen habe. „Ihm zu begegnen, ist mittlerweile Alltag.“ Pauleikhoff befürchtet, dass erst etwas Schlimmes passieren müsse, bevor die Politik Gegenmaßnahmen ergreift. Die „Der Wolf muss genauso reguliert werden wie sonstige Wild“, findet er. „Sonst haben wir hier bald Rudel.“

Dabei sei er nicht generell gegen den Wolf. Nur die unkontrollierte Ausbreitung, störe ihn. Bei Problemwölfen müsse man über einen Abschuss nachdenken, findet er. „Die sollten nicht im Dorf herumgeistern.“ (Paul Bröker)

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Verhaltenstipps für eine Wolfsbegegnung

1. Ruhe bewahren und sich langsam entfernen. Das gilt auch für Jogger und Radfahrer. Wer rennt, weckt den Jagdinstinkt.

2. Falls der Wolf einem folgt: Umdrehen, mit den Armen gestikulieren, klatschen, laut rufen. Nicht auf den Wolf zugehen. 3. Regeln einhalten, die auch ohne Wolf gelten: Auf den Wegen bleiben, Hunde anleinen. Das gilt insbesondere in der Brut- und Setz-Zeit (1. April bis 15. Juli). Hunde sind für Wölfe Konkurrenten. Angeleint sind sie und der Halter eine Einheit.

4. Pilzsammler sollten die Dämmerung zu meiden.

5. Wenn ein Wolf sich nicht vertreiben lässt und einem weiter folgt, langsam weggehen und anschließend das Wolfsmonitoring informieren (Telefon 0611/81 53 999). (czi)

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