Renaturierung kann beginnen

Ein neues Bett für den Meckbach in Ludwigsau

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Einen in eine Rinne eingezwängten Meckbach soll es schon bald nicht mehr geben: Heinrich Wacker (Mitte) erläutert Meckbachs Ortsvorsteher Mathias Fey (von links), TenneT-Bürgerreferent Reemt Bernert, Erstem Beigeordneten Friedhelm Eyert, TenneT-Projektleiter Ekkehart Bethge und Bürgermeister Thomas Baumann, wie das Gewässer gestaltet werden soll.

Ludwigsau. Der kleine Meckbach in Ludwigsau wird renaturiert. Das Geld dafür stammt aus Ausgleichszahlungen für den Bau von Stromtrassen und Windrädern.  

Wenn schon hingenommen werden muss, dass mit der 380-kV-Höchstspannungsleitung Wahle-Mecklar eine weitere Stromleitung quer durch Ludwigsau gebaut wird, dann macht es Sinn, die vom Stromnetzbetreiber TenneT für Eingriffe in Natur und Landschaft gezahlte „Entschädigung“ nicht irgendwo in Hessen, sondern in Ludwigsau in Naturschutzmaßnahmen zu investieren.

Eine entsprechende Absichtserklärung hatten Stromnetzbetreiber und Gemeinde im vergangenen Jahr unterzeichnet. Bei einem Ortstermin in Meckbach erläuterten jetzt Bürgermeister Thomas Baumann und Ekkehart Bethge, TenneT-Projektleiter für Planung und Genehmigung für den hessischen Abschnitt der Höchstspannungsleitung, wie der von TenneT gezahlte Ausgleichsbetrag von 543 000 Euro und der von der Firma Juwi anlässlich der Errichtung des Windparks Klosterstein gezahlte Betrag von 100 000 Euro am und im Gewässer Meckbach und damit für Natur und Bürger eingesetzt werden sollen.

Hier war die Natur schon selbst aktiv. Foto:  Apel

Derzeit fließt der Meckbach in der Ortslage Meckbach fast überall „reguliert“, vor allem in betonierten Halbschalen. Von Anlandungen abgesehen ist er damit so gut wie tot. Um die ökologische Qualität des Gewässers neu zu entwickeln, sollen mit dem zur Verfügung stehenden Geld Flachwasserbereiche angelegt werden. Darüber hinaus soll der renaturierte Meckbach insbesondere im Bereich des Spielplatzes „Am Wasser“ Erlebnisqualität erhalten. Wie Bürgermeister Thomas Baumann und der Rotenburger Landschaftsplaner Heinrich Wacker erläuterten, wird der Meckbach im Spielplatzbauabschnitt, dem ersten von vier Bauabschnitten, ab Anfang September auf einer Fläche von 803 Quadratmetern völlig neu angelegt.

Zwischen den beiden vorhandenen und bestehen bleibenden Straßendurchlässen soll er sich wieder viel mehr schlängeln und verschiedene Zonen wie Niedrigwasserrinne, Mittelwasserlauf und Uferböschung aufweisen. Daneben erhält er Kolk, Blocksteine und kleine Inseln, sodass er sich besser ausbreiten und mit gefahrlosen Flachwasserzonen Wasserspielplatz-Teil des Spielplatzes werden kann.

In den weiteren Bauabschnitten soll mithilfe von Renaturierungsmaßnahmen auch eine Verbesserung des Hochwasserschutzes für die Ortslage Meckbach erreicht werden. Wie Heinrich Wacker berichtete, werden im gesamten Einzugsbereich des Gewässers zwölf Kleinstrückhaltebecken und weitere Puffer angelegt, die bei Starkregen den Wasserabfluss in die Ortslage auf etwa die Hälfte drosseln: „Damit werden das Gewässer selbst, der Uferbereich und die Lebensräume auch besser vor einem Abschwemmen geschützt.“

Bürgermeister Baumann, der für seinen – auch anderen Gemeinden Wege für „Ausgleichsmaßnahmen vor Ort“ eröffnenden Einsatz – großes Lob von TenneT-Projektleiter Bethge erhielt, betonte: „Unser langfristiges Ziel ist es, dem ganzen Meckbach – von der Quelle bis zur Mündung in die Fulda – wieder einen naturraumtypischen Verlauf zu geben und schlimme Hochwasser zu verhindern!“

Von Wilfried Apel

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