Wochenendporträt

Ganz oder gar nicht: Peter Schütrumpf verlässt die Kommunalpolitik in Ludwigsau

 Peter Schütrumpf  sitzt auf einer Bank im Schilde-Park.
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Keine Zeit für Langeweile: Auch nach seinem Ausscheiden aus der Kommunalpolitik hat Peter Schütrumpf viel zu tun. Auf die Bank im Schilde-Park hat er sich nur für das Foto gesetzt.

Nach knapp 40 Jahren in der Kommunalpolitik, davon 30 Jahre als Vorsitzender der Gemeindevertretung Ludwigsau, hat sich Peter Schütrumpf jetzt zurückgezogen.

Niederthalhausen – Peter Schütrumpf ist kein Mann für halbe Sachen. „Entweder ich mache es, oder ich lasse es“, sagt der 71-Jährige. Deshalb ist Schütrumpf bei der Kommunalwahl auch nicht mehr angetreten. Dabei saß er fast 40 Jahre für die SPD im Parlament, davon 30 Jahre als Vorsitzender der Gemeindevertretung von Ludwigsau. „Ich wollte jetzt nicht noch eine Legislaturperiode auf den hinteren Bänken dranhängen“, begründet Schütrumpf seinen Rückzug – trotz vieler Bitten von politischen Weggefährten. Ganz oder gar nicht eben ...

Peter Schütrumpf lebt noch heute in seinem Eltern- und Geburtshaus, einem Bauernhaus mit 2000 Quadratmetern Grundstück in Niederthalhausen. Nach der Volksschule beginnt er mit 14 Jahren eine Lehre als Schriftsetzer, weshalb er zuletzt auch beim Hessentag als „Gautschmeister“ fungierte. Mit dieser Zeremonie werden junge Drucker und Setzer freigesprochen.

Als gelernter Schriftsetzer trat Peter Schütrumpf beim Hessentag als Gautschmeister auf und sprach junge Drucker und Schriftsetzer frei.

Schütrumpf arbeitet nur kurz in diesem Beruf und wechselt mit 20 Jahren zum Bundesgrenzschutz, wo er 40 Jahre bleibt. Er ist Spieß, packt zu in einer Festnahme-Hundertschaft, und er ist lange Zeit Personalrat in Bad Hersfeld und später bei der Bundespolizei in Hünfeld.

In die Kommunalpolitik kommt er nicht ganz freiwillig: „Der damalige SPD-Fraktionschef Peter Gossmann hat mich in die Kneipe in Friedlos bestellt und gesagt: Wir brauchen einen Vertreter aus Niederthalhausen – Du machst das jetzt.“ Das war 1981.

Gleich in seiner zweiten Sitzung unter Bürgermeister Wilfried Blum muss er mitentscheiden über den möglichen Bau eines Atomkraftwerks in der Fuldaaue bei Mecklar. „Ich war dagegen und habe politisch stets gegen AKWs gekämpft“, sagt Schütrumpf. Als Bundespolizist muss er zur selben Zeit in Wackersdorf, Gorleben oder an der Startbahn-West Dienst tun – bei den großen Demonstrationen dieser Zeit – obwohl er mit dem Herzen oft bei den Demonstranten war. „Das macht für mich Demokratie aus“, sagt Schütrumpf. Für ihn habe es dabei keine moralische Zwickmühle gegeben. Und so sieht er auch die heutigen Proteste in der Pandemie kritisch. „Alle schreien, aber ich finde keinen Schuldigen.“

Seit dem 15. April 1991 ist er als Nachfolger von Ernst Kellner Vorsitzender der Gemeindevertretung in Ludwigsau. Damals hat er sich die Hessische Gemeindeordnung mit Kommentierung bestellt und durchgelesen. „Ohne Arbeit geht es nicht.“ Die nötige Disziplin habe er im Elternhaus gelernt. Und auch in der Gemeindevertretung hat Peter Schütrumpf immer wieder mit Protesten zu tun.

Gebeutelt vom Verkehr

Seine Heimatgemeinde ist gebeutelt vom Verkehr jeder Art: Bahntrassen, Stromtrassen, Gastrassen und die Bundesstraße beschäftigen unter seiner Leitung immer wieder das Parlament. Mit seiner natürlich Autorität und viel Fachkompetenz sorgt er immer wieder dafür, dass auch die hitzigsten Debatten nicht entgleisen. Oft reicht schon ein strenger Blick des Mannes mit dem markanten, gezwirbelten Schnurrbart, um erhitzte Gemüter wieder zur Raison zu bringen.

„Ich kann verstehen, wenn Menschen entmutigt oder verdrossen sind, aber für Radikalisierung habe ich kein Verständnis“, stellt er unmissverständlich klar. Heute machten die sozialen Medien aber oft die demokratische Streitkultur kaputt. Doch auch früher sei die Kommunalpolitik oft turbulent gewesen, so auch im „Müllparlament“, dessen Vorsitzender er zeitweise war. Da wurde zuweilen auch nicht mit persönlichen Angriffen gespart.

„Wer in der Kommunalpolitik Dank und Anerkennung erwartet, der kann nur enttäuscht werden“, sagt schrumpf nüchtern. Dabei weiß er wohl schon, wie hoch geschätzt und geachtet er weit über die Grenzen seiner Heimatgemeinde hinaus ist.

Im politischen Ruhestand wird ihm trotzdem nicht langweilig. Er ist im DRK, bei der freiwilligen Feuerwehr und als Vorsitzender der Seniorengruppe der Bundespolizei weiter aktiv. Und dann ist da noch Gerda, seine Ehefrau, mit der er eine Tochter hat. „Meine Frau trägt einen riesengroßen Anteil an meiner Arbeit und hat mir viele Stunden der Abwesenheit verziehen.“ Denn sie weiß ja: Ihr Peter macht keine halben Sachen ... (Kai A. Struthoff)

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