Zum Tag der Organspende

Wie ein neues Leben: Karin Raucheger aus Mecklar hat eine Spenderniere

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Dialyse: Menschen, bei denen die Nieren nicht mehr richtig arbeiten, müssen ihr Blut regelmäßig durch Dialyse reinigen lassen.

Heute ist der bundesweite Tag der Organspende. Karin Raucheger aus Mecklar hat eine Spenderniere. Nach einem langen Leidensweg ist es für sie wie ein neues Leben. 

Bad Hersfeld/Mecklar – Rund 9 700 Menschen stehen derzeit auf der Warteliste für eine Organspende, etwa 8 000 von ihnen warten auf eine neue Niere.

Was das bedeutet, weiß Karin Raucheger aus Mecklar ganz genau. Und sie weiß, was es bedeutet, eine neue Niere zu erhalten: Im März dieses Jahres ist ihr die Niere eines verstorbenen Organspenders transplantiert worden. „Ich freue mich auf mein neues Leben und fühle mich viel freier und belastbarer“, sagt die heute 57-Jährige.

Sie ist den Angehörigen des Verstorbenen, eines 60-jährigen Mannes, unendlich dankbar, für ihr Einverständnis, weil sie nun ohne Dialyse leben kann und neue Perspektiven hat.

2007 versagten bei der damals 45-Jähigen, die schon als kleines Kind Nierenprobleme hatte und immer wieder unter schweren Nierenbeckenentzündungen litt, die Nieren wegen einer seltenen Erkrankung der Nierenkörperchen. Seitdem ist sie auf eine Nierenersatztherapie angewiesen. Im KfH-Nierenzentrum Bad Hersfeld ließ sie sich damals für die Heimdialyse schulen: Sechs Jahre lang führte sie zuhause die Peritonealdialyse (Bauchfelldialyse) durch. Dabei wird eine Zuckerlösung durch den Bauch gepumpt und die Giftstoffe über das Bauchfell abgegeben. „Der Vorteil ist, dass man sich die Zeit frei einteilen kann und nicht in die Klinik muss“, erklärt Karin Raucheger.

Spenderorgan wurde abgestoßen

2013 erhielt sie eine Spenderniere, die jedoch aufgrund einer starken Immunreaktion bereits nach einer Woche abgestoßen wurde. Karin Raucheger war nicht nur enttäuscht, sondern auch ein Jahr lang richtig krank. Und es machte ihr zu schaffen, dass das wertvolle Organ, auf das sie so lange gewartet hatte, dadurch verloren war.

Dass das transplantierte Organ abgestoßen werden kann, sei das große Risiko bei Organverpflanzungen, weiß Karin Raucheger. Im Gegensatz zu Herz- oder Lungentransplantierten, für die das das Todesurteil bedeute, gebe es für Nierenpatienten immer noch die Möglichkeit der Dialyse. Die nutzte auch sie, diesmal aber aus medizinischen Gründen als Hämodialyse im KfH-Nierenzentrum Bad Hersfeld.

Dialyse: Menschen, bei denen die Nieren nicht mehr richtig arbeiten, müssen ihr Blut regelmäßig durch Dialyse reinigen lassen. Foto: Tyler Olson / Fotolia

Das bedeutet, dreimal in der Woche mehrere Stunden zur Blutwäsche ins Nierenzentrum. „Danach ist man völlig erledigt. Den Tag kann man eigentlich abschreiben“, sagt Raucheger. Auch an den Sonntagen, wenn sich das Gift, das durch die Nieren nicht mehr ausgeschieden werden konnte, wieder in ihrem Körper gesammelt hatte, konnte sie nicht viel anfangen. Blieben also drei Tage zum Leben.

Karin Raucheger will nicht klagen. Die Behandlung im Nierenzentrum sei wirklich gut und sowohl die Ärzte als auch die Pflegekräfte hätten sich ganz hervorragend um sie gekümmert, sagt sie. Dennoch seien es einfach verlorene Tage gewesen.

Heute geht Karin Raucheger nur noch zu den turnusmäßigen Nachsorgeuntersuchungen. Neben der neu gewonnenen Freiheit und Selbstbestimmung freut sie sich auch, dass sie wieder genügend trinken darf – Nierenkranke dürfen nur etwa einen halben Liter Flüssigkeit pro Tag zu sich nehmen – und nicht mehr auf so viele Lebensmittel verzichten muss. Dialysepatienten dürfen zum Beispiel kaum Salat oder Obst essen, Pommes sind ebenso wenig empfehlenswert wie Joghurt oder Suppen.   (Dieser Beitrag wurde mit freundlicher Unterstützung und Informationen von Christiane Schmidt vom KFH erstellt)

Hintergrund: 

Das KfH-Nierenzentrum und das Kuratorium KfH

Im KfH-Nierenzentrum Bad Hersfeld (www.kfh.de/bad-hersfeld) wird die umfassende nephrologische Versorgung von Patienten sichergestellt. Im Vordergrund der nephrologischen Sprechstunde steht die Prävention und Früherkennung chronischer Nierenfunktionsstörungen sowie möglicher Folgeerkrankungen. 

Auch die kontinuierliche Nachbetreuung der nierentransplantierten Patienten erfolgt im Rahmen der nephrologischen Sprechstunde. Darüber hinaus werden chronisch nierenkranken Patienten alle Dialyseverfahren angeboten: Mit der Peritoneal- und der Hämodialyse stehen dabei zwei grundsätzlich gleichwertige Behandlungsmöglichkeiten zur Wahl. Das gemeinnützige KfH Kuratorium für Dialyse und Nierentransplantation e.V. steht für eine qualitativ hochwertige und integrative nephrologische Versorgung nierenkranker Patienten und wurde vor 50 Jahren gegründet. 

Ein Schwerpunkt der KfH-Arbeit liegt seitdem auf der Förderung der Organspende bzw. Nierentransplantation; 1984 gründete das KfH die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO), die heute die Koordinierungsstelle für Organspende in Deutschland ist. Das KfH bietet auch in Rotenburg am Herz- und Kreislauf-Zentrum und in Heringen in Nierenzentren Dialyseplätze an. Die Rotenburger Einrichtung stand noch 2018 auf der Kippe. (zac/sis)

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