Irmgard Schmidt will die Tradition in Ehren halten

Neues Buch über die Tracht in Ludwigsau

Das Bild zeigt Irmgard Schmidt aus Friedlos (vorne). Sie hat ein Buch über die Tracht im Besengrund geschrieben. Unser Bild zeigt sie mit dem Vorstand des Hersfelder Geschichtsvereins, der historische Trachtenteile in Händen hält. Alle Mitglieder sind geimpft und trugen deshalb keine Masken.
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Irmgard Schmidt aus Friedlos (vorne) hat ein Buch über die Tracht im Besengrund geschrieben. Unser Bild zeigt sie mit dem Vorstand des Hersfelder Geschichtsvereins, der historische Trachtenteile in Händen hält. Alle Mitglieder sind geimpft und trugen deshalb keine Masken.

Irmgard Schmidt hat ein ein Buch über „„Die fast vergessene Tracht aus Ludwigsauer Dörfern“ geschrieben. Herausgeber ist der Hersfelder Geschichtsverein.

Bad Hersfeld/Ludwigsau – Für Trachten begeistert sich Irmgard Schmidt schon seit Jahrzehnten. Jetzt hat sie ihr Wissen, ihre Notizen und zahlreiche Fotos in einem Buch mit dem Titel „Die fast vergessene Tracht aus Ludwigsauer Dörfern“ veröffentlicht, das der Hersfelder Geschichtsverein in seiner Reihe „Hersfelder Geschichtsblätter“ herausgegeben hat.

Irmgard Schmidt kam 1968 mit ihrer Familie nach Friedlos. Für die Volkshochschule gab sie Sportkurse in der Besengrundhalle in Tann und lernte so viele Kinder, Jugendliche und auch Erwachsene kennen. Da sie befreundet war mit der Volkstänzerin Brigitte Ruppel, kam sie auf die Idee, auch in Ludwigsau eine solche Gruppe ins leben zu rufen. Das Interesse war groß. „Es kamen Kinder und Jugendliche aus fast allen Dörfern in Ludwigsau“, erzählt Schmidt.

Für sie war klar, dass die Volkstanzgruppe in der bodenständigen Tracht auftreten sollte. Sie bat die Mitglieder, Trachten von zuhause mitzubringen und war begeistert, welche Schätze da auftauchten. Zu diesem Zeitpunkt gab es noch einige ältere Frauen, die noch in Tracht – im Volksmund „buarsch“ genannt – gingen. In den Familien waren noch reichlich Trachten von den Vorfahren vorhanden. Denn auch, wenn das Tragen der Tracht in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts aus der Mode gekommen war, wurden die meist handgenähten Stücke in Ehren gehalten.

Sie waren aus guten, haltbaren Stoffen gefertigt und hielt ein Leben lang, erfuhr Schmidt. Die Sonntagstrachten wurden auch nicht gewaschen, sondern im März zum Lüften nach draußen gehängt. Flecken wurden mit Kaffeesatz eingerieben und so entfernt. Nur die einfache Arbeits- und Alltagstracht konnte gewaschen werden.

In Ludwigsau sprach es sich bald herum, dass Irmgard Schmidt Interesse an Trachten hatten. Immer wieder wurde sie eingeladen und durfte sich „Uromas“ Kleiderschrank mit den Trachtengewändern ansehen. Viele Menschen waren froh, dass sie die geschätzten, aber nicht mehr gebrauchten Kleidungsstücke, „die stolze Tracht“ an Schmidt und ihre Volkstanzgruppe übergeben konnten.

Zunächst im eigenen Haus, wo sie mehrere Schränke mit den wertvollen Gewändern füllte, und dann in der Besengrundhalle sammelte sie die alten Trachten. Und sie fand eine Reinigung, die die oft hundert Jahre alten Kleidungsstücke reinigen konnte. Bis heute tritt die Volkstanzgruppe RSV Ludwigsau-Tann in Originaltrachten auf, die allerdings durch einige neue Teile ergänzt wurden. Vieles musste auch umgeändert werden. „Die Menschen früher waren viel dünner und die Frauen von der harten Arbeit und den vielen Schwangerschaften ausgemergelt“, erzählt Schmidt.

In ihrem Buch berichtet sie, wie die Trachten sich entwickelten, welche Stoffe verwendet wurden, welche Trachten zu welchem Anlass getragen wurden und wie die Trachten sich im Laufe der Zeit veränderten. Sie erzählt auch von den Spinnstuben als Kennenlernbörse, von fliegenden Händlern und Trachtenschneiderinnen. Wertvolle Informationen erhielt sie in Gesprächen mit den letzten Trachtenträgerinnen, die sie auch in der traditionellen Kleidung fotografierte.

Dem Hersfelder Geschichtsverein sei es ein Anliegen, die Geschichte und das Brauchtum der Region zu bewahren, erläuterte dessen Vorsitzende Ingrid Waldeck. Die Veröffentlichung von Irmgard Schmidt ist Band 9 der Geschichtsblätter.

Das Buch „Die fast vergessene Tracht aus Ludwigsauer Dörfern“ in der Reihe „Hersfelder Geschichtsblätter“ ist für 7,50 Euro im örtlichen Buchhandel, bei der Hersfelder Zeitung und bei der Autorin erhältlich. (Christine Zacharias)

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