B 27 und Schnellbahn

Ludwigsauer Gemeindevertreter einig: Umgehungen endlich bauen

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Wie lange wird das Mecklarer Bahnhofsgebäude noch in Betrieb sein? Die im Zuge der Neuplanung der Strecke Fulda-Gerstungen angestellten Überlegungen zur Errichtung eines Fernbahnhofs im Raum Mecklar/Reilos/Friedlos hat die Ludwigsauer Gemeindevertretung einstimmig zurückgewiesen, da sie weder im Interesse der Gemeinde noch des Landkreises lägen. 

Die  Ludwigsauer Gemeindevertreter waren sich einig: Das Land Hessen soll dafür sorgen, dass die Ortsumgehungen von Friedlos und Mecklar endlich gebaut werden. 

Auch wenn sich die alten Recken des Ludwigsauer Gemeindeparlaments bei ihrer jüngsten Sitzung zum gefühlt wer-weiß-wie-vielten Male mit dem Dauerthema B 27 auseinandersetzten, stimmten doch fast alle von ihnen einem SPD-Antrag zu, mit dem der Hessische Verkehrsminister Tarek Al-Wazir aufgefordert wird, den Bau der im Bundesverkehrswegeplan als vorrangig eingestuften B-27-Ortsumgehungen Friedlos und Mecklar in die Prioritätenliste des Landes Hessen „zusätzlich aufzunehmen“.

Angesichts von nur drei Millionen Euro Landesmitteln für die Unterhaltung des kreisweit 334 Kilometer langen Landesstraßennetzes geißelte Frank Sandrock, der seit rund vier Monaten amtierende Vorsitzende der SPD-Mehrheitsfraktion, die auch in der Region ablesbare Benachteiligung des ländlichen Raums. Während in den Städten massiv in neue Infrastruktur investiert werde, werde auf dem Land noch nicht einmal die Substanz erhalten. Es fehle an Geld und an Nachhaltigkeit: „Das ist ein schwarz-grüner haushaltspolitischer Offenbarungseid!“

Da sich die Ludwigsauer Gemeindevertretung bei der Ortsumgehung Friedlos auf die Variante 6.3 (in Bad Hersfeld von der bestehenden B 27 vom Giegenberg aus in östlicher Richtung über Bahn und Fulda, dann östlich der Fulda weiter in Richtung Reilos und etwa in Höhe der Besengrund-Landesstraße wieder zurück auf die bestehende B 27 führend) festgelegt habe, sei es angesichts von regelmäßig auftretenden Verkehrsproblemen und damit einhergehenden Umweltbelastungen an der Zeit, dass die Landesregierung etwas für Ludwigsau tue – was sie bei einem Haushaltsplus von einer Milliarde Euro auch könne. Ähnlich scharf schoss Sandrocks Vorgänger Rainer Koch, der anprangerte, dass das Land nicht in der Lage sei, eine fundierte Planung auf den Weg zu bringen, was zur Folge habe, dass zur Verfügung stehendes Geld nicht abgerufen werden könne.

Für die „Bürger für Ludwigsau“ (BfL), die sich bei der Abstimmung über den SPD-Antrag enthielten, stellte deren Fraktionsvorsitzender Heinrich Fink fest, dass die Finanzierung der B 27 und der Ortsumgehungen Sache des Bundes sei. Demzufolge laufe der Antrag ins Leere. Viel sinnvoller sei es, einen „Seiteneinstieg“ für den Bau der Ortsumgehungen zu suchen und für den Fall, dass ein Teil der Neubaustrecke Fulda-Gerstungen der Bahn von Bad Hersfeld aus durch das Fuldatal geführt werde, für eine abgestimmte Planung zwischen Bahn und Straße einzutreten.

Kein ICE-Halt auf der grünen Wiese

Völlig einig war sich das Ludwigsauer Parlament in Sachen Fernbahnhof Bad Hersfeld. Sowohl Sandrock als auch der Fraktionsvorsitzende der Wählergruppe Ludwigsau (WGL), Wolfgang Weber, bezeichneten die Planung eines außerhalb der Kreisstadt im Ludwigsauer Fuldatal neu anzulegenden Halts – so wie auf einer Planungsskizze eingezeichnet –als ökonomisch und ökologisch „unsinnig“, weil er mit zusätzlicher Infrastruktur an die Innenstadt und den bestehenden Bahnhof von Bad Hersfeld angebunden werden müsse. Daraus ergebe sich ein erheblicher Zeitnachteil, sodass einem etwaigen Halt „die Qualität eines Überholbahnhofs Kirchheim, der für eine verkehrliche Nutzung nicht zur Verfügung steht“ (Sandrock), zukäme. Weiter sagte der Mecklarer: „Der Ausbau und die Lärmsanierung der bestehenden Strecke sind die einzige Lösung. Deshalb müssen wir zusammenhalten und für ein lebenswertes, menschenwürdiges Fuldatal kämpfen!“ Weber betonte: „Ein Fernhalt auf der grünen Wiese wird von uns grundsätzlich abgelehnt!“ Dem schloss sich die BfL bei der Abstimmung an, sodass der von der SPD gestellte Antrag auf Einstellung aller diesbezüglichen Planungen einstimmig angenommen wurde. 

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