Der 13. Februar ist ihr Glückstag

Irmhild und Berthold Wittich feiern heute in Friedlos Diamantene Hochzeit

Feiern an ihrem Glückstag in Friedlos das Fest der Diamantenen Hochzeit: Irmhild und Berthold Wittich, der von 1987 bis 1998 den Wahlkreis Hersfeld als direkt gewählter SPD-Abgeordneter im Deutschen Bundestag vertrat. Foto: Wilfried Apel

Der 13. Februar ist ihr Glückstag: Irmhild und Berthold feiern heute das Fest der Diamantenen Hochzeit. 

Es ist noch gar nicht lange her, da fuhren Irmhild und Berthold Wittich auf dem Fahrrad durchs Fuldatal, sprachen unterwegs mit Menschen und besuchten kleinere Feste. Heute feiern sie selbst eins, denn vor 60 Jahren sind die beiden Friedloser in der Bebraer Auferstehungskirche getraut worden.

Die zwei erinnern sich gerne daran, und natürlich auch daran, wie sie sich auf der Bäwerschen Kirmes kennengelernt haben. „Berthold war ein flotter Tänzer, und da hat sich dann alles irgendwie ergeben!“, erzählt Irmhild, die es mit ihrer Familie kriegsbedingt von Breslau nach Bebra verschlagen hatte. In der alten schlesischen Hauptstadt war sie am 5. Oktober 1939 als ältestes von drei Kindern auf die Welt gekommen, und schon am 20. Januar 1945 musste sie mit Mutter und Geschwistern vor der heranrückenden Roten Armee flüchten. Nach vielen Irrfahrten fand die Familie in Obersuhl nach der Entlassung des Vaters aus der Kriegsgefangenschaft wieder zusammen und zog fünf Jahre später nach Bebra um. Von hier aus absolvierte Irmhild nach Besuch des Obersuhler Gymnasiums und der Bad Hersfelder Luisenschule eine dreijährige Ausbildung zur Apothekenhelferin und arbeitete dann eine Zeit lang in der Krankenhausapotheke.

Berthold hatte am 18. Oktober 1933 in Heringen als zweiter Sohn des Bergmanns Heinrich Wittich und dessen Ehefrau Barbara das Licht der Welt erblickt. Seine schulische Laufbahn führte ihn 1944 nach Gerstungen, wo er einen Tieffliegerangriff hautnah miterlebte und später auch das Bombardement auf Dippach: „Die Explosionen waren die Hölle auf Erden. Wer in so etwas hineingerät, weiß, was für ein großes Geschenk Frieden ist!“ Mit dem 1954 in Heringen erworbenen Abitur in der Tasche, studierte er in Marburg Politik, Geschichte und Sport, um dann in der Pädagogischen Hochschule in Darmstadt das Examen für das Lehramt an Grund-, Haupt- und Realschulen abzulegen. Erste berufliche Station war 1961 die Volksschule Mecklar, von 1966 bis 1986 wirkte er an der Mittelpunktschule Friedlos, zuletzt als Konrektor.

Von 1987 bis 1998 vertrat Wittich als dreimal direkt gewählter SPD-Kandidat den Wahlkreis Hersfeld im Bundestag. „Ich habe mich immer als Anwalt der kleinen Leute gesehen, als einer, der sich für soziale Gerechtigkeit und Frieden einsetzt“, sagt der Bergmannssohn, der seit 1956 der SPD angehört. Dabei wurde er stets von seiner Frau unterstützt, die erzählt: „Wir haben uns jeden Tag angerufen, wenn er in Bonn war, vor allem nach dem Mauerfall spannende Zeiten erlebt, und vor Ort war ich Berthold oft Chauffeurin und „Kummerkasten“, wenn sich Menschen mit Anliegen an ihn wandten.“

Drei Söhne wurden dem Diamanthochzeitspaar geschenkt. Diese haben inzwischen vier Enkelkinder, die sehr gerne ihre Großeltern besuchen. „Irmhild hält die ganze Familie zusammen!“, sagt der 86-jährige Diamantjubilar, der sich mit seiner Frau einig ist, dass Vertrauen, Toleranz und gemeinsame Interessen wesentlich sind für das Gelingen einer Ehe.

Zu den gemeinsamen Interessen und Hobbys gehörten bei beiden neben dem Lesen und dem Radfahren auch das Wandern: „Wie oft sind wir an der Nordsee kilometerlang durch den Sand gelaufen!“ Von dort aus sind sie aber stets gerne nach Friedlos zurückgekehrt, wo sie seit 1974 hoch überm Dorf wohnen, und heute, am 13., feiern: „Vor 60 Jahren haben wir den 13. in Kauf genommen, inzwischen ist er längst unser Glückstag!“ apl

Kommentare