Ludwigsau stimmt Ansiedlung im Gewerbegebiet zu – Sorge wegen Lärm

Grünes Licht für Ansiedlung eines Frische-Logistikers zwischen Mecklar und Meckbach

Logistik-Hallen statt Ackerland: Dort, wo heute noch der Meckbach in seinem alten Bett dahinplätschert, könnten schon bald die Hallen für den Frische-Logistiker Herbst entstehen. Im Hintergrund sind hinter den Bäumen die gelben Lagerhallen von DHL und der Alheimer zu sehen.
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Logistik-Hallen statt Ackerland: Dort, wo heute noch der Meckbach in seinem alten Bett dahinplätschert, könnten schon bald die Hallen für den Frische-Logistiker Herbst entstehen. Die Gemeindevertretung machte jetzt den Weg frei für die Ansiedlung im Industriepark zwischen Mecklar und Meckbach. Im Hintergrund sind hinter den Bäumen die gelben Lagerhallen von DHL und der Alheimer zu sehen.

Grünes Licht haben die Ludwigsauer Gemeindevertreter jetzt mehrheitlich für die geplante Ansiedlung eines Frische-Logistikers im Gewerbegebiet gegeben.

Ludwigsau - Nur neun Minuten brauchten die Gemeindevertreter von Ludwigsau, um unter Corona-Bedingungen eine der womöglich wichtigsten Entscheidungen der jüngeren Gemeindegeschichte auf den Weg zu bringen: Mit einer Gegenstimme und einer Enthaltung gaben die Parlamentarier am Montagabend grünes Licht für den Verkauf von Grundstücken im Unternehmenspark Bad Hersfeld-Ludwigsau (früher Gewerbegebiet Mecklar/Meckbach).

Wie berichtet plant die Pfennig Logistics Group mit Sitz in Heddesheim/Baden-Württemberg, zu der auch das Bad Hersfelder Traditionsunternehmen Herbst Frische Logistik gehört, eine Fläche von rund 143 000 Quadratmetern zu kaufen. Dort sollen Hallen mit einer Fläche von rund 70 000 Quadratmetern sowie Sozial- und Büroflächen entstehen. Das Unternehmen will etwa 350 Dauerarbeitsplätze und noch weitere Saisonjobs schaffen.

Vor dem Hintergrund der wechselvollen Geschichte des interkommunalen Gewerbegebiets und angesichts diverser gescheiterter Großansiedlungen hatte die Gemeinde zunächst skeptisch auf die Anfrage des Investors, die über die Hessische Landgesellschaft und die Wirtschaftsförderung des Kreises erfolgte, reagiert. Diese Skepsis scheint bis zuletzt nicht ganz verflogen, weshalb der SPD-Gemeindevertreter Carsten Daube gegen das Projekt und der SPD-Fraktionsvorsitzende Frank Sandrock mit Enthaltung votierten.

„Wir sind nicht gegen den Investor, aber wir erwarten klare Maßnahmen zum Schallschutz, die Einrichtung eines Kreisverkehrs und den Bau einer Planstraße zur Gefahrenabwehr“, erläuterte Frank Sandrock im Anschluss an die Sitzung. Dazu sei auch ein entsprechender „Letter of intent“ formuliert worden. Hier sei vor allem Hessen Mobil gefordert, es habe aber bislang keine Gespräche dazu gegeben, sagte Sandrock bedauernd. Er fürchtet daher, dass dies unter den besonderen Bedingungen der Corona-Pandemie auf der Strecke bleiben könnte.

Das Unternehmen hatte mitgeteilt, dass mit einem Verkehrsaufkommen von 130 bis 150 Lastwagen pro Tag zu rechnen sei. Angesichts der bereits hohen Verkehrsbelastung der Gemeinde durch den Durchgangsverkehr und die Anlieferung zum DHL-Logistikzentrum, „muss das Vekehrsaufkommen weiter im Auge behalten werden und mit den zuständigen Behörden beplant werden“, fordert SPD-Gemeindevertreter Karsten Klein.

Anders als bei DHL sind bei der Neuansiedlung Aufstellflächen innerhalb des Betriebsgeländes für 28 Sattelzüge vorgesehen, und auch für sanitäre Anlagen für die Fernfahrer soll gesorgt werden. Außerdem will das Unternehmen auf eine Fassadenbeleuchtung verzichten, um die Lichteinwirkung auf die Umwelt so gering wie möglich zu halten. Als „Trostpflaster“ für die zu erwartenden Belastungen soll die am Standort anfallende Gewerbesteuer zu 100 Prozent an die Gemeinde Ludwigsau abgeführt werden.

Investor: Wir nehmen Rücksicht

Nicht nur ein, sondern gleich zwei neue Logistikzentren für Kühl- und Tiefkühlprodukte plant die Pfennig Logistics Group, zu der auch die HFL Herbst Frischelogistik GmbH mit Sitz in Heenes gehört, in der Region. Neben der Ansiedlung im Unternehmenspark Ludwigsau-Bad Hersfeld soll auch an der Wippershainer Straße in Bad Hersfeld oberhalb der Firma Grenzebach ein 38 000 Quadratmeter großes Kühlfrischezentrum – das sogenannte „Buchwald-Projekt“ – entstehen, berichtet Geschäftsführer Friedbert Herbst auf Anfrage unserer Zeitung.

„Wir wollen so schnell wie möglich bauen“, sagt Herbst ohne sich auf einen konkreten Zeitplan festlegen zu wollen, denn der richte sich auch nach ihren Kunden. Die Unternehmensgruppe Pfennig Logistics, die bundesweit 3700 Mitarbeiter hat (davon derzeit 120 bei Herbst in Bad Hersfeld), ist auf den Umschlag von Konsumgütern spezialisiert, die gekühlt oder tiefgekühlt werden müssen.

Dazu gehören Lebensmittel, aber auch Pharmaprodukte. Herbst deutete gegenüber unserer Zeitung an, dass möglicherweise auch Impfstoff gegen das Coronavirus gelagert werden könnte. Ohnehin verzeichne die Lagerlogistik durch Corona überall eine erhöhte Nachfrage.

Mit Blick auf die Ansiedlung in Ludwigsau sagte Herbst, „wir werden alle Auflagen erfüllen, denn unser erklärtes Ziel ist es, auf die Bevölkerung Rücksicht zu nehmen“. Er habe viel Verständnis für die Sorgen wegen des Schwerverkehrs. „Wir müssen daher sehr sorgfältig planen.“ Er zeigte sich zuversichtlich, dass gemeinsam mit dem Nachbarn DHL „etwas Positives“ für das ganze Gewerbegebiet erreicht werden könne.

Momentan klagen die Anwohner über Lärm und Schmutz von parkenden Lastwagen bei DHL, zumal es an sanitären Einrichtungen für die Fernfahrer fehlt. (kai)

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