Drei Einsatzkräfte verletzt - Ursache wohl Blitzeinschlag

Großfeuer im Seulingswald bei Meckbach: 70.000 Quadratmeter Wald verbrannt

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Im Seulingswald bei Meckbach ist am späten Mittwochabend ein Feuer ausgebrochen. 400 Einsatzkräfte und zwei Löschhubschrauber waren im Einsatz.

Aktualisiert um 16.48 Uhr.

Mit einem massiven Großeinsatz konnten die Feuerwehren im Kreis in der Nacht zum Donnerstag einen Waldbrand im Seulingswald unter Kontrolle bringen. Über 400 Einsatzkräfte von Feuerwehr, THW, DRK, Polizei und Fahrzeuge sämtlicher Wehren des Kreises waren nach Auskunft des stellvertretenden Kreisbrandinspektors Martin Orf und Kreisbrandmeisters Patrick Kniest im Einsatz.

Rund 70.000 Quadratmeter Wald sind bei dem Feuer verbrannt. Brandursache war offenbar ein Blitzeinschlag. Drei Feuerwehrleute wurden beim Einsatz leicht verletzt. Sie wurden wegen Rauchgasvergiftung ambulant im Klinikum behandelt. Den Schaden am Wald bezifferte Kersten Eidam vom Forstamt Bad Hersfeld in einer ersten Einschätzung auf mindestens 50.000 Euro. "Dazu kommen dann noch die Kosten für die Wiederaufforstung", sagt Eidam.

Landrat Koch war vor Ort

Landrat Dr. Michael Koch, der sich um 5 Uhr morgens ein Bild der Lage gemacht hatte, sagte: „Durch die schnelle und professionelle Arbeit der Wehren des Landkreises konnte die Gefährdung der Bevölkerung verhindert werden.“ Gegen 7 Uhr hatten die Einsatzkräfte das Feuer unter Kontrolle. Ein Übergreifen auf benachbarte Siedlungsgebiete konnte verhindert werden. Da jedoch Bäume umzustürzen drohten, konnten die Feuerwehrleute nicht weiter in das Waldstück vordringen, um weitere Löscharbeiten vorzunehmen. Später am Tag waren dafür spezielle Teams mit Löschrucksäcken unterwegs, die vereinzelte Brandnester bekämpften. Ebenfalls im Einsatz waren zwei Lösch-Hubschrauber der Bundespolizei, die in den Wald oberhalb von Meckbach beordert wurden, um den Brand aus der Luft zu bekämpfen. Ihre Wassertanks, die je zwei Tonnen fassen, füllten die „Super Puma“-Maschinen am Breitenbacher See bei Bebra auf.

Die Einsatzzentrale hatte die Feuerwehr auf dem DHL-Gelände bei Meckbach eingerichtet.

Dafür wurden zwei Lösch-Hubschrauber der Bundespolizei aus Fuldatal in den Wald oberhalb von Meckbach beordert, die den Brand aus der Luft bekämpfen sollten. Ihre Wassertanks, die jeweils zwei Tonnen fassen, füllten die Puma-Maschinen am Breitenbacher See bei Bebra auf. 

Begünstigt wurde der Waldbrand durch einen starken Sturm, der am Mittwochabend durch den Landkreis fegte. Zwischen 21.30 Uhr und 22.30 Uhr registrierte die Leitstelle im Landratsamt sechs umgefallene Bäume.

Die technische Einsatzleitung der Feuerwehr war zunächst auf dem DHL-Stützpunkt bei Meckbach eingerichtet, wo seit Mittwochabend 22 Uhr die Einsätze im Wald koordiniert wurden. Im Einsatz waren aus jeder Gemeinde im Landkreis mindestens ein Fahrzeug, berichteten Martin Orf, stellvertretender Kreisbrandinspektor, und Kreisbrandmeister Patrick Kniest. Gegen 10 Uhr am Donnerstagmorgen wurde die Einsatzzentrale ins benachbarte Ronshausen verlegt, wo der Gemeindebrandinspektor David Ehmer die Leitung für die Kollegen übernahm, die nach der 12-Stunden-Schicht abgelöst werden mussten.

Löscharbeiten dauern noch mindestens zwei Tage

Ein Großteil der Einsatzkräfte konnte gegen 9 Uhr abrücken, allerdings werden laut Orf und Kniest die Nachlöscharbeiten noch etwas zwei tage dauern.

Probleme bereite den Einsatzkräftenein Feuer, dass sich in den Waldboden gefressen hatte und an den unterschiedlichsten Stellen wieder aufflammen könnte. In Fünf-Stunden-Schichten streifen die Feuerwehrleute durch den Wald, um mögliche Glutnester abzulöschen.

Schaden kann noch nicht genau beziffert werden

Der Schaden kann noch nicht genau beziffert werden. Doch Kersten Eidam von Hessenforst schätzt vorsichtig, dass allein der Materialschaden durch die verbrannten Bäume bei rund 50.000 Euro liegt. "Dazu kommen dann noch die Kosten für die Wiederaufforstung", sagt Eidam.

Ursache könnte Blitzschlag gewesen sein

Die Ursache des Feuers steht noch nicht fest. Zur Unglückszeit, gegen 22.40 Uhr am Mittwochabend, stürmte es gewaltig in der Region. In einigen Teilen zuckten auch Blitze vom Himmel. "Wir vermuten, dass es ein Blitzeinschlag war", sagt Kreissprecher Dirk Herrmann.

Im Fünf-Stunden-Rhythmus wird nun Wacht gehalten und nachgelöscht. „Wir bauen langsam die Personalstärke ab, die Kameraden müssen sich ausruhen“, sagt der stellvertretende Kreisbrandinspektor Martin Orf. Immerhin gilt es auch weiterhin, für alle Eventualitäten gewappnet zu sein.

Neben den über 400 Rettungskräften, die im Einsatz waren, standen weitere Kräfte in Reserve – zum Beispiel entlang der Autobahnen. Dank guter Organisation und vieler helfender Hände wurde die Gefahr auch diesmal wieder unter Kontrolle gebracht.

Aufmerksamer Bürger bemerkte Feuer

Darüber ist auch Ludwigsaus Bürgermeister Wilfried Hagemann dankbar. „Für mich war es der erste Einsatz dieser Art als Bürgermeister, und es ist beeindruckend zu sehen, wie alle Hand in Hand arbeiten.“ Hagemann war selbst die ganze Nacht vor Ort und suchte im unübersichtlichen Waldgebiet mit den Einsatzkräften nach dem genauen Brandort. „Plötzlich haben wir bei Gut Faßdorf Qualm und einen hellen Schein gesehen“, erzählt er, dann seien auch schnell die Ronshäuser Kameraden vor Ort gewesen. Dazu hätten sie auch einige steile Hänge im unwegsamen Gelände hinaufkraxeln müssen, berichtet Hagemann. „Hätte nicht ein aufmerksamer Meckbacher Bürger am späten Abend das Feuer entdeckt und Alarm geschlagen – dann hätte es sehr viel schlimmer ausgehen können“, sagt Hagemann.

Forstämter: Waldbrandgefahr weiter hoch 

Wachsamkeit ist auch weiterhin gefragt, denn die Waldbrandgefahr ist immer noch hoch. „Das gilt auch dann, wenn es jetzt ein paar Schauer geben sollte. Um die Gefahr deutlich zu mildern, müsste es zwei oder drei Tage andauernd regnen“, sagt Kersten Eidam vom Forstamt Hersfeld.

Hinzu käme noch, dass der nächste Sommer noch extremer werden könnte als der vergangene, denn derzeit ist der Boden laut Eidam deutlich trockener als zum gleichen Zeitpunkt im Vorjahr.

Bereits das Jahr 2018 war vom Deutschen Wetterdienst (DWD) als „klimatologisch einzigartig“ bezeichnet worden, denn es war das wärmste Jahr und vierttrockenste Jahr in Deutschland seit Beginn der Aufzeichnungen.

Frühjahr keine untypische Zeit für Waldbrände 

Dass das Frühjahr eine für Waldbrände untypische Zeit ist, sei ohnehin ein Trugschluss, so Eidam. Das zeigten auch ein Brand auf rund 2000 Quadratmetern zwischen Herfa und Hönebach und einer auf 40 Quadratmetern im Forstamtsbezirk Hersfeld in den vergangenen Tagen. Im Frühjahr ist das alte Gras und Laub aus dem Vorjahr dürr und neues ist noch nicht da.

Außerdem läuft das Pflanzenwachstum auf Hochtouren, wodurch Feuchtigkeit dem Boden sofort wieder entzogen wird, erklärt Eidam. „Dazu kommt, dass zuletzt oft heftiger Wind geblasen hat – dadurch trocknet der Boden noch schneller aus“, bestätigt auch Rotenburgs Forstamtsleiter Dr. Hans-Werner Führer.

Er appelliert an die Waldbesucher: „Derzeit sollte man generell nicht mit Feuer hantieren.“ Das gilt insbesondere bei Festivitäten, wie sie zum 1. Mai üblich sind, fügt Eidam hinzu. „Bitte keine Flaschen im Wald liegenlassen, auf keinen Fall grillen und auch keine Zigaretten anzünden.“

Bei akuter Brandgefahr können Teile des Waldes abgesperrt werden. Doch die Forstämter müssen auch langfristige Vorkehrungen treffen. Dazu gehören neben der Pflanzung von Mischwäldern, in denen sich Brände nicht so schnell ausbreiten, auch Übungen mit Feuerwehren.

(mit TV-News-Hessen)

Das Hessische Umweltministerium hatte Mitte April mit Blick auf die trockenen und warmen Ostertage vor einer zunehmenden Brandgefahr in den Wäldern gewarnt.

(mit TV-News-Hessen)

Hier befindet sich der Seulingswald:

Großer Brand im Seulingswald bei Meckbach

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