Oldtimer-Serie: Alte Schätzchen

Jürgen Zell aus Ludwigsau hat eine Mercedes-Limousine von 1936 restauriert

In ungezählten Arbeitsstunden hat Jürgen Zell seinen Mercedes wieder flott gemacht. Allein die Chromarbeiten wie beispielsweise hier am Kühlergrill hat er sich 6800 Euro kosten lassen.
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In ungezählten Arbeitsstunden hat Jürgen Zell seinen Mercedes wieder flott gemacht.

In unserer Serie stellen wir talentierte Schrauber aus dem Landkreis und ihre Oldtimer vor. Heute: Jürgen Zell aus Ludwigsau mit seinem Mercedes-Benz 170 V von 1936.

Als Jürgen Zell seinen Mercedes bekam, konnte er nur ahnen, wie alt der Oldtimer wirklich ist. Da der Original-Fahrzeugbrief nicht mehr existiert und der Vorbesitzer nichts über das Baujahr wusste, fragte der 54-Jährige aus Ludwigsau-Reilos direkt im Konzernarchiv in Stuttgart nach. Antwort: Ausgeliefert wurde der Mercedes-Benz 170 V in der Hamburger Niederlassung drei Tage nach dem Ende der Olympischen Spiele von Berlin: am 19. August 1936.

„Sehr wahrscheinlich ist mein Mercedes damit das älteste noch vorhandene Auto dieser Baureihe“, sagt Zell, der anhand der Fahrgestellnummer, Zertifikaten und Aussagen des Vorbesitzers die Historie der schwarzen Limousine rekonstruiert hat.

In Kurzform: Nach dem Zweiten Weltkrieg kam der Benz als Kriegsbeute nach Polen. Entsprechende Plaketten zieren noch heute den formschönen Kühlergrill. Später wurde der Mercedes als Teetransport getarnt in die DDR geschmuggelt. „Dort wurde er lange gefahren und ist dann zum Glück in einer trockenen Scheune abgestellt worden, was für meine spätere Restauration von großem Vorteil war“, sagt Zell.

Denn die Rahmenkonstruktion besteht nicht etwa aus Stahl oder Aluminium, sondern aus Eschenholz. „Es war lediglich an der Fahrertür leicht weggegammelt und ließ sich leicht ersetzen“, erinnert sich der gelernte Lackierer, der die automobile Antiquität mit dem Stern auf der Motorhaube vor zwölf Jahren für 6500 Euro erworben hatte. Jetzt, nach ungezählten Stunden Restaurationsarbeit, liegt der Wert des Autos, das neu einmal 2850 Reichsmark gekostet hat, um ein Vielfaches höher. „Ich habe den Wagen komplett zerlegt“, sagt er. „Als ich ihn zum ersten Mal anmachte, drehte der Motor derart hoch – danach war die ganze Garage blau“, erinnert er sich schmunzelnd. Das Problem war schnell behoben, die Zündung musste nur neu eingestellt werden. Auch die Karosserie- und Lackierarbeiten hat er selbst gemacht. Überzogen ist das Fahrzeug mit einem Keramikklarlack. „Der ist so hart wie eine Fliese.“ Unterstützung erhielt er bei der Restauration von zwei Arbeitskollegen im Ruhestand.

Sämtliche Chromteile ließ Zell bei einer Spezialfirma in Dieburg machen lassen. Allein das hat er sich 6800 Euro kosten lassen. „Alles in allem ist das Fahrzeug jetzt noch zu 95 Prozent original“, sagt er.

Moderne Sicherheitsstandards sucht man im 170 V – das V weist daraufhin, dass sich der Motor auf der Vorderseite befindet – freilich vergebens. „Der Tank sitzt auf Kniehöhe, das dürfte bei einem Unfall spannend werden“, sagt Zell. Die Sechs-Volt-Batterie ist unter der Rücksitzbank eingebaut.

Die Gefahr eines Unfalls ist aber ohnehin minimal, da Jürgen Zell das Auto inzwischen eingelagert und sämtliche Betriebsstoffe abgelassen hat. „Er ist aber fahrbereit“, betont der 54-Jährige. Allerdings ist der 38-PS-Benz nicht mehr der Schnellste. „Selbst wenn ich hier im Ort unterwegs bin, bin ich schon eine Verkehrsbehinderung“. Aber das Fahren spielt für ihn ohnehin nur eine untergeordnete Rolle. „Ich wollte dieses Auto einfach nur haben.“

Grundsätzlich kann er sich vorstellen, sich irgendwann einmal von seinem 83 Jahre alten Schätzchen zu trennen. „Am liebsten wäre es mir, wenn es in ein Museum kommen würde“, sagt er. Das entsprechende Alter hätte der Mercedes auf jeden Fall.

Jürgen Zell aus Ludwigsau hat eine Mercedes-Limousine von 1936 restauriert

In ungezählten Arbeitsstunden hat Jürgen Zell seinen Mercedes wieder flott gemacht. Allein die Chromarbeiten wie beispielsweise hier am Kühlergrill hat er sich 6800 Euro kosten lassen.
In ungezählten Arbeitsstunden hat Jürgen Zell seinen Mercedes wieder flott gemacht. Allein die Chromarbeiten wie beispielsweise hier am Kühlergrill hat er sich 6800 Euro kosten lassen.
In ungezählten Arbeitsstunden hat Jürgen Zell seinen Mercedes wieder flott gemacht. Allein die Chromarbeiten wie beispielsweise hier am Kühlergrill hat er sich 6800 Euro kosten lassen.
In ungezählten Arbeitsstunden hat Jürgen Zell seinen Mercedes wieder flott gemacht. Allein die Chromarbeiten wie beispielsweise hier am Kühlergrill hat er sich 6800 Euro kosten lassen.
Jürgen Zell aus Ludwigsau hat eine Mercedes-Limousine von 1936 restauriert

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