Das kleine Dorf am stillen Bach

Biedebach feiert am Sonntag sein 650-jähriges Bestehen

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Eingebettet in Wald, Hügel und grüne Wiesen: Die idyllische Lage von Biedebach in unberührter Natur schätzen die 101 Einwohner des kleinen Dorfes, das am Sonntag sein 650-jähriges Bestehen feiert.

Am Sonntag feiern die Bewohner den 650. Geburtstag des Ludwigsauer Ortsteils Biedebach mit einem abwechslungsreichen Programm.

Schon der Name des kleinen Dorfes gibt bis heute Rätsel auf: Was bedeutet Biedebach? Der Bach, an dem Birnen wachsen? Der Mühbach, oder der stille Bach? Fest steht wohl, dass es der kleine Bachlauf war, der dem Ort seinen Namen gab. 1369 – also vor 650 Jahren – wurde Bydenbach als Hersfelder Lehen im Besitz des Herrn Schaden von Leipolds – vermutlich aus dem heutigen Eiterfeld – erstmals urkundlich erwähnt. Deshalb feiern die 101 Einwohner von Biedebach am kommenden Sonntag das 650-jährige Bestehen ihres Ortes, der heute Teil der Gemeinde Ludwigsau ist.

Lehrer Schröder und seine Klasse im Jahr 1952: Damals war die Dorfschule in Biedebach nach gut besucht. 1879 gab es dort sogar 65 Schüler.

In der Zeit seines Bestehens erlebte der kleine Ort eine wechselvolle Geschichte, gehörte zeitweise zu einem Amt mit Obergeis und Gittersdorf, zum Kanton Hersfeld im Königreich Westfalen oder zur Provinz Hessen-Nassau. So steht es im Familienbuch der Gemeinde, dass in einer Bearbeitung von Werner Kehl und Bodo Schade sowie der Gesellschaft für Familienkunde in Kurhessen und Waldeck mit viel Unterstützung der Bewohner des Ortes neu aufgelegt wurde. Dort ist auch festgehalten, dass Biedebach bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts für seine Qualitativ hochwertige Leinenweberei bekannt war.

Schreiner Fuchs und sein Ochsengespann: Das undatierte Foto ist Teil der Fotoausstellung zum Ortsjubiläum.

Weitere Meilensteine in der Geschichte Biedebachs waren der Bau des ersten Schulhauses ab 1759, der Bau einer neuen Straße nach Tann von 1928 bis 1930 und die Einweihung des Dorfgemeinschaftshauses mit Bürger- und Feuerwehrgerätehaus im Jahr 1980.

Heute schätzen die Einwohner Biedebach für die „idyllische Lage und die absolute Ruhe“, wie Wulf König, der frühere Schulleiter der Fuldatalschule in Ludwigsau betont. Zur Ruhe gehört aber auch, dass es keinen Laden und keine Gastwirtschaft mehr gibt. „Es fehlt ein Kommunikationsort“, sagt Bärbel König, die wie ihr Mann Wulf von auswärts zugezogen ist.

Früher gab es mal einen Tante Emma-Laden mit den notwendigsten Waren, erinnert sich Sandra Hess, die in Biedebach aufgewachsen ist. „Was dort nicht vorrätig war, wurde kurzerhand in Hersfeld besorgt“, erzählt Sandra Hess. Die Kreisstadt ist nur 12 Autominuten entfernt, und doch wähnt man sich in einer anderen Welt, wenn man die knapp vier Kilometer lange, gewundene Zufahrtsstraße nach Biedebach entlangfährt. Besonders im Frühling, wenn hier die Obstbäume blühen, ist es besonders schön. In Biedebach sagen sich Fuchs und Hase gute Nacht, aber das stört hier keinen. „Wenn ich Tann verlasse, dann beginnt für mich der Urlaub“, sagt Wulf König schmunzelnd.

Harte Arbeit: Das Foto von 1930 zeigt Männer beim Bau der Straße nach Biedebach.

Vielleicht liegt es daran, dass Biedebach, anders als andere kleine Orte, sich über den Zuzug auch von jungen Familien freuen kann. Leerstand gibt es kaum, die Neubürger schätzen die idyllische Lage zwischen Hügeln und Wald.

Am Sonntag feiern die Dorfbewohner den 650. Geburtstag. Danach wird es wieder still im Ort am Bach.

Das Programm

Die 650-Jahrfeier in Biedebach beginnt am Sonntag, 18. August, um 10 Uhr mit einem Festgottesdienst. Es folgen Grußworte und die Vorstellung der Ortschronik im Dorfgemeinschaftshaus, bevor der davor stehende Gedenkstein feierlich enthüllt wird. Nach einem gemeinsamen Mittagessen gibt es mehrere musikalische Beiträge, unter anderem vom Posauenchor Ludwigsau, dem Jungen Chor des Gesangsvereins Tann und der Volkstanzgruppe Ludwigsau-Tann. Ab 15.45 Uhr krönt ein Auftritt des „Zauberkönigs“ das Festprogramm. Außerdem gibt es eine Oldtimer-Ausstellung in der Buswendeschleife und eine Fotoausstellung mit historischen Bildern im Dorfgemeinschaftshaus. kai

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