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Antonia Jacob aus Gerterode ist Vollblutsängerin

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Gitarre und Gesang: Mehr braucht Singer-Songwriterin Antonia Jacob nicht um die Aufmerksamkeit ihrer Zuhörer zu gewinnen.
Gitarre und Gesang: Mehr braucht Singer-Songwriterin Antonia Jacob nicht um die Aufmerksamkeit ihrer Zuhörer zu gewinnen. © Tamsyn Axt-Bäuml

Antonia Jacob ist Sängerin aus Überzeugung und schreibt Lieder mit Tiefgang.

Gerterode – Leise Musik läuft im Hintergrund, als wir Singer-Songwriterin (dt.: Liedermacherin) Antonia Jacob zu Hause besuchen. Die 23-Jährige wohnt in einer Ein-Zimmer-Wohnung im Dachgeschoss eines urigen Fachwerkhauses in Gerterode. In der Studio-Wohnung mit den freigelegten Balken und den rustikalen Holzmöbeln sind die meisten ihrer bisher etwa 30 Lieder entstanden.

Ihre Songs schreibt Jacob selbst. „Auf die Bühne haben es aber nur etwa zehn Songs geschafft“, sagt sie. Die 23-Jährige stelle sich stets die Frage, was sie preisgeben wolle, sagt sie. Zurückhaltend und leise sind nicht nur Jacobs Songs, auch die Sängerin strahlt die Ruhe ihrer Musik aus. Ihre Stimme und eine Gitarre – mehr hat sie auf der Bühne nicht dabei.

Für die Sängerin ist es „wie Tagebuch schreiben“, sagt sie. Ihre Songs sind autobiografisch, helfen ihr, persönliche Erlebnisse und Begegnungen zu verarbeiten und sind auch mal von Personen aus ihrem Alltag inspiriert. Ihre musikalischen Vorbilder sind unbekanntere Singer-Songwriterinnen, die ihre Themen aus dem Alltag ziehen.

Sie spielt seit Jahren Gitarre und schreibt ihre Lieder selbst

Schon seit der vierten Klasse spielt Jacob Gitarre. Die Akkorde lernte sie bei einer älteren Dame in Mecklar. An der Gesamtschule Geistal stieg sie in der 7. Klasse dann in die Schulband ein. Dann kam das Singen dazu. Schnell folgten auch eigene Songs, der erste handelte gleich von der Schulband. Erst noch auf Deutsch, wechselten die Texte bald ins Englische und ihre Songinhalte wurden persönlicher.

Im Song „Faking a smile“ spricht Antonia Jacob von Menschen, die das Gefühl haben, sich verstellen zu müssen, um dazuzugehören. Inspiration zu dem Lied war der Satz „wir alle spielen Theater“ von Erving Goffman (US--amerikanischer Soziologe), an den sich Jacob noch aus ihrer Studienzeit erinnert. Damals war der Soziologe Thema einer Vorlesung. „Viele verstellen sich, um anderen zu gefallen, dabei sollte es doch reichen, wenn man man selbst ist“, sagt Jacob. Im Refrain singt sie sinngemäß „schade, dass die Zuschauer nicht in den Backstagebereich, also nicht hinter die Maske blicken können“.

Auch Familie ist Jacob wichtig, deshalb handelt ihr Song „My Hero“ von Vorbildern. Diesen Song schrieb sie aus Dankbarkeit für ihren Vater. Das Lied sei schon vor langer Zeit entstanden, sagt Jacob. „Wir beide waren uns sehr ähnlich, beide ruhig, aber auch Spielkinder,“ erinnert sich die 23-Jährige an ihren verstorbenen Vater. Auch das Gitarrespielen hatten sie gemeinsam und versuchten sich zusammen am Liederschreiben.

Jacob ist empathisch, fühlt sich in andere hinein und engagiert sich für ihre Mitmenschen. Das lebt sie auch bei ihrer täglichen Arbeit beim Verein „Die Brücke“ (Verein für Menschen mit psychischen Erkrankungen) in Bad Hersfeld – die Musik hat sie immer im Gepäck und organisierte erst kürzlich ein Chorprojekt mit den Klienten dort. Mit den „Singvögeln“ gibt Jacob auch anderen die Chance, mal auf einer Bühne zu stehen.

Musik und die Arbeit mit Menschen verbinden

Gerade absolviert sie eine Anerkennungsphase für ihr Studium der Sozialen Arbeit, und kann sich gut vorstellen, weiterhin in diesem Bereich mit Erwachsenen zu arbeiten.

Wenn Antonia Jacob nicht gerade selbst auf der Bühne steht oder sich sozial engagiert, geht sie mit Hund Oskar spazieren. Doch auch zwischen Feldern und Wiesen lässt Jacob die Musik nicht los, und sie feilt an ihren Liedern.

Und was steht für Jacob als Nächstes auf dem Musik-Programm? „Ich nehme, was ich kriegen kann. Und live ist etwas ganz anderes, als im Studio“, sagt Jacob. Vor den Auftritten sei sie immer aufgeregt, danach aber „voll mit Glücksgefühlen“.

Sie spielt gerne mit oder für die Leute, mit denen sie sich identifizieren könne, sagt sie fröhlich. (Tamsyn Axt-Bäuml )

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