Raumordnung für 380-Kilovolt Stromautobahn – Planungskorridor zu weit gesteckt

Ludwigsau fordert Stopp

Rainer Koch, der Chef der Ludwigsauer SPD-Fraktion, ist sich mit der CDU über die grobe Marschrichtung im Umgang mit der 380-Kilovolt-Höchstspannungsleitung im Gemeindegebiet einig. Foto: Hornickel

Friedlos. Zwei Vorschläge liegen für die Trassenführung der 380-Kilovolt-Höchstspannungsleitung Wahle-Mecklar auf dem Tisch. Doch nur die westliche Linienführung vorbei an Kassel und durch den Schwalm-Eder-Kreis über Neuenstein nach Ludwigsau steht als ernstzunehmende Variante auf der Tagesordnung der Ludwigsauer Gemeindegremien. Als erste Kommune im Landkreis hat jetzt die Gemeinde Ludwigsau bei dem Großprojekt Flagge gezeigt.

Fraktionen einig

Im Rahmen des Anhörungsverfahren zur Änderung des Raumordnungsplans haben sich die Fraktionen von SPD und CDU im Gemeindeparlament über eine Stellungnahme verständigt, deren Kernpunkte lauten kurz gefasst so:

• Die Gemeinde Ludwigsau lehnt die vom Stromtransporteur Transpower vorgeschlagene Westtrasse, die so genannte Variante A, ab. Die Osttrasse mit der Bezeichnung Variante B, ist nach Ansicht der Ludwigsauer nicht ernst zu nehmen. Eine Einschätzung, die die Planer bereits selbst öffentlich vertraten.

• Die Gemeinde beantragt gegenüber dem Regierungspräsidium in Kassel eine Aussetzung des Raumordnungsverfahrens bis zur Vorlage und Prüfung weiterer, alternativer Trassenführungen.

• Dazu spricht sich der Ausschuss für eine deutlich verkürzte Trassenführung im Gemeindegebiet über den Dammkopf nahe des Schlosses Ludwigseck, der dem Höhenweg östlich des Rohrbachtals, die Hohe Buche bis zum Umspannwerk am Steinbachskopf bei Mecklar.

• Generell plädiert die Gemeinde für eine großzügige Erdverkabelung.

Den Parlamentskollegen von Rainer Koch kommt es bei der Trassenführung darauf an, dass Menschen in den Ortsteilen Hainrode, Ersrode, Emrichsrode, Oberthalhausen und Niederthalhausen, der Hof Trunsbach sowie Tann und Rohrbach nicht noch weiter durch Elektrosmog geschädigt werden.

Streckenweise kommt die Westtrasse den Orten bedrohlich nahe. Zudem sind die genannten Ortsteile jetzt schon mehr oder weniger von der Starkstromautobahn Mecklar-Borken betroffen. In Ersrode und Hainrode verläuft zudem noch die Bahnstromtrasse der Schnellbahn. Der Ortsbeirat Hainrode lehnt das Projekt deshalb kategorisch ab. Die Ersröder haben von sich aus die Linienführung modifiziert.

Himmel und Drähte

Im Bereich Mecklar hängt der Himmel wegen der Stromtrasse ins thüringische Vieselbach bereits voller Drähte.

Ganz ablehnen könne man das Projekt nicht, sagte SPD-Fraktionschef Rainer Koch. Schließlich will die Gemeinde selbst im Industriepark das Gas- und Dampfturbinenkraftwerk der Iberdrola ansiedeln. Und dazu werden weitere Leitungen gebraucht, um den Strom ins Fernleitungsnetz einzuspeisen.

Die Ludwigsauer Gemeindeväter sind misstrauisch, weil Transpower für die Linienführung bislang einen Korridor angesetzt hat, der den Leitungsbauern einen pauschalen Spielraum von einem Kilometer einräumt.

Am kommenden Montag wird um 20 Uhr im Friedloser Bürgerhaus die endgültige Stellungnahme ans Regierungspräsidium verabschiedet.

Von Kurt Hornickel

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