Kanal-Sanierung im „Rote-Wurst-Verfahren“

In Ersrode werden marode Rohre mit Schlauchlinern abgedichet

Kanalarbeiten in Ludwigsau-Ersrode: Über das Gerüst wird 80 Grad heißes Wasser in die Schlauchinliner gepumpt, die dann mit den maroden Rohren verkleben und diese abdichten. Das Wasser wird in dem Lastwagen erhitzt.
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Kanalarbeiten in Ludwigsau-Ersrode: Über das Gerüst wird 80 Grad heißes Wasser in die Schlauchinliner gepumpt, die dann mit den maroden Rohren verkleben und diese abdichten. Das Wasser wird in dem Lastwagen erhitzt.

Auf der sonst eher stillen Dorfstraße von Ersrode in Ludwigsau wird – im Wortsinn – mit Hochdruck gearbeitet.

Ersrode - Weiße Lastwagen stehen am Straßenrand, über ein Gerüst wird ein Schlauch in den Untergrund geleitet. Weißer Wasserdampf steigt in die novemberkühle Luft. Die Spezialfirma Aarsleff saniert in Ersrode zurzeit gemeinsam mit der Firma Schwalm und unter Leitung des Ingenieurbüros Rother & Partner im sogenannten „Schlauchliner-Verfahren“ auf einer Strecke von rund 600 Metern die Abwasserkanäle. „Das ist so ähnlich wie bei Roter Wurst“, schmunzelt Stefan Gier vom Ingenieurbüro Rother & Partner. Statt einer „Wurstpelle“, die dann mit Fleisch gefüllt wird, wird in die Rohre ein mit Kunstharz beschichteter Schlauch eingeführt, in den dann mit Hochdruck 80 Grad heißes Wasser gepresst wird. So wird der Schlauch von innen an die Rohrwand gedrückt, verklebt und so Schadstellen abgedichtet.

Der Vorteil dieser „geschlossenen Bauweise“: Die Straße muss nicht aufgebuddelt werden, das spart Zeit und Geld, erklärt Stefan Gier vom Ingenieurbüro Rother & Partner. „Die Sanierung im Schlauchliner-Verfahren dauert in Ersrode nur sechs Wochen, wenn die Straße aufgerissen werden würde, bräuchten wird mindestens sechs Monate“, erklärt der Ingenieur. Rund 150 000 Euro kostet die Sanierung der Abwasserkanäle in dem Ortsteil von Ludwigsau. Im herkömmlichen, offenen Bauverfahren wäre es „fünfmal so teuer“, sagt Stefan Gier.

Nötig wird die Sanierung, weil durch marode und brüchige Leitungen rund 750 Prozent mehr Fremdwasser in die Kanalisation lief. „Es drückt überall rein“, erklärt Harald Bowien vom Bauamt in Ludwigsau. Eine Kamerabefahrung im Jahr 2019 habe Dichtungen und viele Schadstellen ergeben. Grundsätzlich sei es nicht schlimm, wenn das Abwasser mit Grundwasser verdünnt wird, allerdings fallen dadurch enorm hohe Abwassergebühren an, die letztlich die Bürger belasten. Deshalb musste gehandelt werden. Das gute an dem Schlauchliner-Verfahren: Die Sanierungskosten werden über die Gebühren finanziert.

„Die Kanalsanierung wurde in vielen Gemeinden lange vernachlässigt“, sagt Ingenieur Stefan Gier. Deshalb gebe es vieler Orten einen Sanierungsbedarf, denn die meisten Kanäle sind 50 bis 70 Jahre alt. Viel zu tun also für die Schlauchliner. Wie gut, dass man in Waldhessen Rote Wurst mag ...

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