Neue Schlaganfall-Einheit am Herz- und Kreislaufzentrum Rotenburg

Freie Betten mit Aussicht

Die Schlaganfall-Einheiten in Bad Hersfeld und Rotenburg halten immer ein Bett für den Notfall frei. Hier der Blick aus der Einheit am HKZ. Foto: Schankweiler-Ziermann

Hersfeld-Rotenburg. Der Schlaganfall ist ein Notfall. Umgehend sollte der Notarzt gerufen und nicht erst bis zum Morgen gewartet werden. Das betont Dr. Andreas Nachtmann, Chefarzt der neuen Schlaganfall-Einheit am Herz- und Kreislaufzentrum (HKZ) in Rotenburg. Diese nimmt seit Jahresbeginn als zweite Schlaganfall-Einheit im Kreis neben dem Klinikum in Bad Hersfeld Patienten auf.

Hauptsymptome für einen Schlaganfall sind Lähmungserscheinungen, Seh- und Sprachstörungen. Alles, was plötzlich auftritt oder morgens beim Aufwachen plötzlich da ist, sei ein Alarmsignal, sagt Dr. Nachtmann. Mit dem Alter nimmt die Wahrscheinlichkeit eines Schlaganfalls zu. Es ist wichtig, so schnell wie möglich in Behandlung zu kommen.

„Viele Patienten kommen immer noch zu spät“, erklärt der Neurologe. Innerhalb von drei bis vier Stunden müsse das Blutgerinnsel aufgelöst werden (Lyse-Therapie), aber auch danach sei eine Überwachung notwendig, um Komplikationen zu vermeiden. Nach einem kleinen Schlaganfall sei die Wahrscheinlichkeit groß, dass ein großer folge. Daher sei es wichtig abzuklären, wo der Schlaganfall herkomme, und die Ursache zu beseitigen.

So gibt es nach Angaben Dr. Nachtmanns bei 70 Prozent eine Ursache, die beseitigt oder behandelt werden kann, zum Beispiel eine Herzrhythmusstörung oder eine Halsschlagader-Einengung. Die Kardiologie und Kardiochirurgie brauche man im Hintergrund. Es sei ein glückliches Zusammentreffen, dass im Hause ein Gefäßschwerpunkt vorhanden sei. Viele Schlaganfallpatienten leiden unter weiteren Krankheiten, haben resistente Keime, Nieren- oder Lungenprobleme. Auch über die gute Zusammenarbeit mit dem Kreiskrankenhaus sei man deshalb froh.

Wie lange ein Patient ein Bett der Schlaganfall-Einheit, also der Intensivstation der Akut-Neurologie, belegt, ist sehr unterschiedlich. Die Zeit reicht von wenigen Tagen bis zu mehr als sieben Tagen, etwa wenn eine Beatmung notwendig ist.

In Rotenburg kümmern sich zurzeit zehn Ärzte um die Patienten, zwei Assistenzärzte werden noch gesucht. Auch die sich anschließende Reha kann im HKZ gemacht werden.

Fünf bis zehn Prozent der mit Schlaganfall-Symptomen eingelieferten Patienten haben keinen solchen. Auch eine Gleichgewichtsstörung, Epilepsie oder eine Schlaflähmung kann ähnliche Symptome verursachen. Man sollte sich deshalb nicht scheuen, im Zweifel die Ursachen abklären zu lassen.

Von Gudrun Schankweiler-Ziermann

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare