Verteidiger widerspricht Angeklagtem - Gericht erwägt Ortstermin

Weiter Rätselraten im Kirchheimer Messerstecher-Prozess

Kirchheim. Im Messerstecher-Prozess vor dem Fuldaer Schwurgericht nimmt das Rätselraten um den Ablauf der blutigen Auseinandersetzung in einer Kirchheimer Asylunterkunft kein Ende.

Am Dienstag hat die Verteidigung durch einen Beweisantrag der Aussage des Angeklagten widersprochen. Außerdem erwägt die Strafkammer mit ihrem Vorsitzenden Richter Josef Richter einen Ortstermin, um die Zeugenaussage einer Nachbarin zu überprüfen.

In dem Prozess gegen einen 39 Jahre alten Eritreer geht es um Totschlag und versuchten Mord. Der Angeklagte soll am 3. September vergangenen Jahren im Streit einen 32-jährigen Mitbewohner aus Somalia mit Messerstichen so schwer verletzt haben, dass dieser noch am selben Tag im Krankenhaus verstarb. Danach soll er versucht haben, einen weiteren Somali, der Zeuge der Auseinandersetzung war, mit dem Messer zu töten.

Vor Gericht hat der Eritreer das Tatgeschehen im ersten Fall als Notwehr nach einer Messer-Attacke des 32-Jährigen geschildert, die Stiche gegen den 25 Jahre alten zweiten Somali als „Missverständnis“. Weil auf der Bekleidung des Angeklagten lediglich drei kleine Blutstropfen des jüngeren Opfers festgestellt wurden, stellt sein Verteidiger, der Rotenburger Rechtsanwalt Christian Kusche, den Ablauf in Frage. Bei den zahlreichen Stichen gegen den 32-Jährigen könne dies nicht spurlos am Eritreer vorbeigegangen sein. Durch die bislang nicht erfolgte Untersuchung der Bekleidung der beiden Somali will Kusche nachweisen, dass die beiden Somali untereinander in Streit geraten waren. So hatte es sein Mandant zunächst auch vor dem Haftrichter ausgesagt.

Weil eine Augenzeugin der Messerstecherei von ihrem Küchenfenster möglicherweise doch nicht viel sehen konnte, soll ein Ortstermin am Donnerstag Klarheit schaffen. (ks) 

Unerwartete Entwicklung im Prozess um Messerstecherei in Kirchheim

Rubriklistenbild: © David-Wolfgang Ebener/dpa

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